Polizei in der Schule ist „kein Makel“

Von: Sarah Maria Berners
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Das Projekt „Cool im Konflikt“ möchte Probleme lösen, bevor sie sich zum Beispiel in Gewalt entladen. Foto: imago/imagebroker
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Kooperationspartner (v.l.): Helmut Titz, Erhard Kusch, Britta Ellinghaus und Axel Bolk. Foto: smb

Düren. „Das Bild unserer Schüler von der Polizei hat sich verändert. Sie wird als Unterstützer gesehen, nicht als Gegner“, sagt Erhard Kusch, Leiter des Berufskollegs für Technik. Vor zehn Jahren hat der Wandel dieses Bildes begonnen. An seiner Schule und am Nelly-Pütz-Berufskolleg.

Seitdem beteiligen sich die beiden Schulen am Projekt „Cool im Konflikt“ – ebenso wie 36 weitere Schulen im Kreis Düren. „Anlass war die damals zunehmende Gewalt an Schulen“, erinnert sich Kusch. „Bei einer Schlägerei zum Beispiel stießen wir mit unseren erzieherischen Maßnahmen schnell an die Grenzen.“ Also wurde die Prävention in den Fokus gerückt. Regelmäßig stattete der Polizist Helmut Titz den beiden Kollegs Besuche ab, er bot Sprechstunden an und thematisierte Probleme im Unterricht. „Anfangs waren die Schüler sehr distanziert. Vor allem Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund haben häufig ein negatives Bild von der Polizei. Heute gehen sie offen auf mich zu“, erklärt Titz.

„Qualitätsmerkmal“

„Es ist kein Makel, wenn die Polizei an einer Schule zu sehen ist“, betont Britta Ellinghaus, die Leiterin des Nelly-Pütz-Berufskollegs. Im Gegenteil: „Es ist ein Qualitätsmerkmal.“ Konflikte gebe es überall, es sei wichtig, sich mit ihnen zu befassen. „Es handelte sich bei den Schulen nie um sogenannte Problemschulen. Aber es ist sinnvoll, mit Problemen und Konflikten offensiv umzugehen“, sagt Titz. Er und die Leiter der beiden Kollegs wissen, dass sich die Konflikte in den vergangenen zehn Jahren verändert haben.

Körperliche Gewalt und Schlägereien seien heute kein Thema mehr. Zwischenzeitlich war der Drogenkonsum in den Fokus der Arbeit gerückt. Heute beschäftigen sich Lehrer und Polizei mit digitalen Problemen, zum Beispiel dem Mobbing im Internet. „Herr Titz spricht nicht nur mit den Schülern. Auch wir Lehrer suchen den Kontakt. Er ist unser Ansprechpartner, wenn es um die Frage geht, ob ein bestimmtes Ereignis anzeigenpflichtig ist, oder ob wir es an der Schule lösen können“, erklärt Ellinghaus.

Vorrangiges Ziel aber ist die Prävention. Im Projekt „Cool im Konflikt“ wird am sozialen Klima und an der Streitkultur gearbeitet. Es geht darum, Opfer zu stärken und Grenzen zu verdeutlichen. „Wir merken, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei mehr Ruhe in die Schule gebracht hat“, sagt Kusch.

Axel Bolk, der Leiter des Bezirksdienstes der Polizei in Dürener, betont, dass die Zusammenarbeit von Polizei und Schule wichtig sei. „Gerade der Aspekt Cyber-Mobbing ist strafrechtlich nicht immer greifbar. Gemeinsam können wir die Schüler informieren und Konflikte lösen.“

Und manchmal greifen die Probleme auch tiefer, dann wird das Jugendamt mit ins Boot geholt. „Die Eltern unserer Schüler, von denen 75 Prozent erwachsen sind, haben sich oft schon aus der Erziehung zurückgezogen.“ In der Kombination Schule, Polizei Jugendamt könnten die Eltern besser eingebunden werden.

„Die Schüler profitieren von dem Projekt, wenn sie erkennen, dass ein gesundes Rechtsverständnis lohnt“, betont Ellinghaus.

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