Düren - „Poetry Grand Slam“: Volles Haus in der Endart-Fabrik

„Poetry Grand Slam“: Volles Haus in der Endart-Fabrik

Von: Christoph Hahn
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Der Dürener Autor und Musiker Osiris Pausch landete beim Poetry Grand Slam in der Endart-Fabrik auf dem zweiten Platz. Foto: Hahn

Düren. Literatur trifft Club-Atmosphäre: Ungefähr so funktioniert der „Poetry Grand Slam“ in der Endart-Fabrik in Düren. Autoren und Zuhörer kommen sich auf wenige Zentimeter nahe, und auch die Atmosphäre ist sehr viel spontaner als bei ähnlichen Veranstaltungen in Buchhandlungen oder Theatern.

Im Endart-Gebäude, einem Stück Industrie-Architektur unweit des Bahnhofs, herrscht jedenfalls eine nahezu kuschelige Stimmung: Erwartungsvoll sitzt das Publikum an Tischen und Stühlen wie im Café; an den Wänden stehen Bänke ohne Rückenlehne wie im Biergarten.

Und inzwischen sind die Slams in der alten Fabrik ein etablierter Faktor. Macher Dirk Boltersdorf und Moderator Necip Tokoglu müssen sich jedenfalls keine Sorgen mehr machen, was den Zuspruch der Fans betrifft. Als die jüngste Veranstaltung der Reihe beginnt, gibt es auf den Stühlen und Bänken keinen freien Platz mehr. Und auch an der Bar werden die Stehplätze ziemlich knapp.

Rasch zeigt sich, dass beim Slam – eine Show mit Worten und Gesten halt – Moderator Tokoglu die Hälfte oder zumindest ein Drittel der Miete ist. Der Mann mit dem kahlen Kugelkopf, der sich für den Abend das hellblaue Teilnehmer-T-Shirt des Grand Slams in München anno 2006 (quasi die Deutsche Meisterschaft der Spontan-Poeten) angezogen hat, gibt nicht nur schnell mit „Ein Teller Suppe“ einen skurril-komischen Text aus eigener Feder zum Besten, sondern pickt sich aus den meist unter 40-Jährigen im Saal einige Juroren heraus und hält ansonsten ziemlich locker die Fäden zusammen.

Noch etwas fällt auf: Gekonnt Worte setzen ist wichtig – aber die Show zur Geschichte ist ebenso wichtig beim Slam, zu dem sich im Grunde jeder anmelden kann. Zu Beginn fragt Necip Tokoglu noch einmal: „Will noch jemand mitmachen?“ Doch dann geht‘s los: Johannes Floehr aus Paderborn („Paderborn, Partyborn“) erzählt eine Geschichte von seiner Freundin und den „Gossip Girls“ aus dem Fernsehen, in dem ein ganz bestimmtes F-Wort ziemlich häufig vorkommt.

„Erik aus Aachen“, mit bürgerlichem Namen Eric Jansen, bringt skurrile Familienszenen auf die winzige Bühne. Richtig virtuos wird es bei Lizusha (Szenename „Die Russin“) Kostyuk, die von einer Sprache in die andere springt und gekonnt mit Identitäten und Klischees spielt. Mit Osiris Pausch ist auch ein Dürener Lokalmatador mit von der Partie, der sehr humorvoll und farbenreich nicht zuletzt von seiner ersten Band erzählt und so sein neues, selbst verlegtes Buch „Als das blaue Nirvana kam“ vorstelle – Kulturgeschichte auf regionale Art.

„Das ist der dritte Slam – und ich habe heute morgen gedacht: Ich sterbe“, bekennt Jasmin Sell aus dem Ruhrgebiet, die am selben Tag als Erzieherin Frühschicht geschoben hat. Sie erzählt vom auf ihr lastenden „Blondfluch“ und misslungenen Dates. „Wollt ihr was Lustiges oder was Ernstes?“, fragt „Ruby Tuesday“ (längst nicht jeder Autor tritt unter Klarnamen auf) ihr Publikum. Kein Wunder, dass sie zusammen mit Osiris, Eric und Lizusha ins Halbfinale kommt – und mit 25 Punkten die höchste Wertung aller Teilnehmer erzielt. Denn der ernste Text, den sie liest, wirkt plakativ und subtil zugleich. „Ich will ich selbst sein in einer Welt, in der alles schwierig ist.“ Dieser Satz war sicher Vielen aus der Seele gesprochen.

Das spannende Filiale gewinnt schließlich Eric. Lokalmatador Osiris Pausch und Lizusha Kostyuk teilen sich den zweiten Platz. Geld gibt es nicht, nur eine Trophäe, ein altes Mikrofon. Denn beim Slam geht es nicht um dicke Summen, sondern um die Ehre und den Spaß.

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