Nideggen - Podiumsdiskussion zu Gewerbeansiedlung und Attraktivität der Stadt

Podiumsdiskussion zu Gewerbeansiedlung und Attraktivität der Stadt

Von: Sarah Maria Berners
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Wer wird Behördenleiter? Den Fragen der Redakteure Burkhard Giesen (3.v.l.) und Franz Sistemich (5.v.l) stellten sich Peter Hüvelmann, Margit Göckemeyer, Marco Schmunkamp, Uwe Waßmund und Marco Hell. Foto: Sarah Maria Berners
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Wen wähle ich am 13. September? Viele Nideggener waren gekommen, um die Kandidaten und ihre Vorstellungen kennenzulernen. Foto: Sarah Maria Berners

Nideggen. Es gibt vermutlich spaßigere Jobs als Bürgermeister der Stadt Nideggen zu sein. Die Suche nach politischen Mehrheiten ist im Rat nicht leicht, die Finanzen lassen ohnehin kaum Spielraum für große Projekte. Trotzdem wollen gleich fünf Bewerber auf den Chefsessel im Nideggener Rathaus.

Amtsinhaberin Margit Göckemeyer (parteilos) sieht nach der „harten Arbeit“ und dem Konsolidierungskurs nun eine „solide Basis“ um weiterzuarbeiten – und möchte genau das auch tun. Peter Hüvelmann, CDU-Kandidat, sieht in Nideggen „wahnsinniges Potenzial“ und zudem eine persönliche und berufliche Herausforderung.

Der bisherige Ordnungsamtsleiter Marco Schmunkamp (parteilos) will im Rathaus eine andere „Art der Menschenführung und des Miteinanders“ einführen, will das Team noch leistungsfähiger und effizienter machen und fordert daher seine Chefin heraus. Uwe Waßmund (parteilos) gefällt es nicht, wie es in Nideggen läuft und das möchte er ändern. Marco Hell (parteilos) will, dass seine Kinder und sein Kapital in Nideggen Perspektiven haben, und bietet seine „Fähigkeiten als Unternehmensberater an“.

Glasbläserei für Nideggen?

Die voll besetzte Jugendherberge, in der die Podiumsdiskussion von Dürener Zeitung und Dürener Nachrichten stattfand, ist beispielhaft für eines der Schwerpunktthemen der Stadt: den Tourismus. Der wird zwar nicht das alleinige Heilmittel für die kranke Kasse sein, aber eines der großen Zukunftsthemen – zumal die Kandidaten das Einsparpotenzial in der Kommune ausgereizt sehen und alle keinen Koffer voll Geld ins Rathaus mitbringen könnten. Nur wie kann der Tourismus weiteres Geld nach Nideggen bringen?

„Wir müssen uns im Verbund der Rureifel-Kommunen betrachten“, betonte Margit Göckemeyer. Sie verdeutlichte, dass die Angebote für neue Zielgruppen entwickelt werden müssten. So, wie es beispielsweise mit dem Bike-Park in Hürtgenwald geschehen sei. „Gleichzeitig muss die Stadt aber auch für die Bürger lebenswert bleiben“, betonte Göckemeyer.

Peter Hüvelmann findet „Kirchturmsdenken“ in diesem Zusammenhang gar nicht so verkehrt. Der Verein Rureifel-Tourismus sei wichtig, die Stadt müsse aber ihre eigenen Vorteile stärker herausstellen. Er würde als Bürgermeister der Stadt die Vermarktung stärken, mehr Internetpräsenz zeigen, kleinere Burgfestspiele und vielleicht auch wieder ein Oldtimer-Rennen ins Leben rufen.

Uwe Waßmund möchte aus Tagesgästen Langzeitgäste machen und dafür zunächst einen Verkehrsverein gründen, „indem die Kräfte gebündelt und alle Ortsteile einbezogen werden“. Außerdem blickt er in den Bayerischen Wald: Ihm schwebt eine Glasbläserei in Nideggen vor, für die selbst Busse aus dem Ruhrgebiet kommen könnten, was manche im Saal mit Lachen quittierten. Marco Hell betonte, dass die Stadt bei all diesen Ideen auch wirtschaftlich arbeiten und „maximal profitabel“ sein müsste. „Wenn wir einen Markt extern organisieren lassen, bleibt weniger in der eigenen Kasse“, forderte er ein Veranstaltungsmanagement aus dem Rathaus.

Marco Schmunkamp will eine Person im Rathaus mit dem Tourismus betrauen und den Rureifel e.V. mehr „in die Pflicht nehmen“. Gleichzeitig liege es in den Händen der Stadt, sich selbst attraktiver zu machen, in dem die Orte und Gastronomen besser vernetzt werden.

Der Parkplatz Danzley müsste auch Blicke ins Tal freigeben und die Grünflächen in der Stadt so aussehn, dass die Menschen auch bleiben wollen. Die Grünflächen sind vielen Bürgern ein Dorn im Auge – das wurde in der Debatte deutlich. Schmunkamp hofft, dass sich diese Pflege trotz der Finanzprobleme und des geschrumpften Bauhofes unter seiner Führung im Rathaus besser umsetzen lasse.

Die Zeiten des Nothaushaltes in Nideggen sind vorbei und mit einem harten Sparkurs und Steuererhöhungen hat sich ein kleiner Spielraum ergeben. Aber wenn die Grundsteuer B nicht weiter steigen und vielleicht sogar sinken soll, muss aus anderen Ecken mehr Geld her. Und da spielt der Tourismus eine große Rolle. Gleichwohl hätten sich die Zuhörer einige konkretere Ideen zu Tourismus, Finanzen und Gewerbeansiedlung gewünscht.

Keine Versprechungen

„Steuersenkungen werde ich jetzt nicht versprechen, das wäre sehr dünnes Eis“, betonte Göckemeyer. Ziel sei es zunächst den Hebesatz für die Grundsteuer B bei 850 Prozentpunkten zu belassen, den mit dem Sanierungsplan eingeschlagenen Weg müsse man weitergehen. „Nur deswegen können wir wieder Geld in öffentliche Gebäude, Spielplätze oder Flächen investieren“, unterstrich die Amtsinhaberin. Auch Hüvelmann betonte, dass man den Weg der Konsolidierung weitergehen müsse, allerdings kündigte er an, nicht müde zu werden, bei Land und Bund auf die Missstände der Haushaltsausstattung der Kommunen hinzuweisen, was von Uwe Waßmund als „Kampf gegen Windmühlen“ bezeichnet wurde.

Er möchte mehr (Klein-)Gewerbe nach Nideggen holen – und das soll gelingen, weil er „ganz anders auf die Leute zugehen und vernünftig Kontakte knüpfen könne“. Die Anfragen müssten im Rathaus schnell bearbeitet werden und entsprechende Flächen günstig zu haben sein. Die Entwicklung von „Gut Kirschbaum“ halte er für falsch.

Auch Schmunkamp hat es sich zum Ziel gesetzt, den Mittelstand zu stärken, mehr Gewerbe anzusiedeln. Er betonte: „Fehlende Investitionen schlagen irgendwann zurück.“ Im Rathaus würde unter seiner Führung die Wirtschaftsförderung ausgebaut. „Außerdem muss die Verkehrsanbindung vorher besser durchdacht sein“, forderte er mit Blick auf den Kreisverkehr am Lidl-Markt. Auch Hüvelmann strebt eine offensive Vermarktung an, betonte aber auch, dass man Gewerbe nur über einen günstigen Preis gewinnen könne. „Investoren zu gewinnen ist harte Arbeit“, betonte er.

Marco Hell möchte „das Rad nicht neu erfinden“, aber „neue Konzepte“ etablieren. Ein Beispiel? „Wir könnten als Stadt ein Schnitzeljagdkonzept für drei Altersstufen anbieten – die führt dann aber zum Beispiel an der Eisdiele vorbei und bringt so Einnahmen.“ An den kleinen Stellschrauben drehen, lautet hier das Stichwort.

Was die Gewerbeansiedlung anbelange, gab es laut Göckemeyer in den vergangenen Jahren wegen der unsicheren Rahmenbedingungen nur wenige Anfragen. „Das zieht jetzt aber wieder an.“ Gleichwohl forderte sie von allen, die mehr Geschäfte fordern, dass sie auch vor Ort einkaufen gehen und ihre Besorgungen nicht online erledigen.

Wechselnde Mehrheiten

Wer Chef der Verwaltung wird, der muss mit einem Rat arbeiten, in dem sich die sechs Parteien nicht immer grün sind. Die Amtsinhaberin möchte im Falle einer Wiederwahl mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation erreichen. CDU-Kandidat Hüvelmann möchte „offen mit allen Parteien zusammenarbeiten“. Auch die drei übrigen parteilosen Kandidaten zeigten sich zuversichtlich, wollen wertneutrale, verständliche Vorlagen erarbeiten – und so mit Bürgern und Politik zusammenarbeiten.

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