Podiumsdiskussion: Wie sieht Wirtschaftsförderung aus?

Von: Stephan Johnen
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Die Bürgermeisterkandidaten Bernd Essler (AfD, 2. von links), Paul Larue (CDU, Mitte) und Liesel Koschorreck (SPD) stellten sich den Fragen unserer Redakteure Jörg Abels (links) und Ingo Latotzki. Foto: Stephan Johnen
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Mehr als 150 Zuschauer verfolgten im Rathausfoyer den Schlagabtausch der Bewerber. Foto: Stephan Johnen

Düren. Die Ausgangslage ist klar: Paul Larue (CDU) ist seit 16 Jahren Bürgermeister der Stadt Düren und möchte es auch bleiben. Herausgefordert wird er von Liesel Koschorreck (SPD), die als gemeinsame Kandidaten der „Ampel“-Koalition ins Rennen geht, und Bernd Essler von der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

Wofür stehen die drei Politiker? Was sind ihre Ziele? Am Samstagvormittag haben sich die Kandidaten bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion von Dürener Zeitung und Dürener Nachrichten den Fragen unserer Redakteure Jörg Abels und Ingo Latotzki gestellt.

„In Düren herrscht seit Jahren Stillstand. Ich kann einfach nicht ertragen, dass in meiner Heimatstadt nichts passiert“, beantwortete Liesel Koschorreck (63) die Frage, warum sie für die „Ampel“-Koalition ins Rennen geht. Bernd Essler zweifelte an, ob der 59-jährige Amtsinhaber, der nach eigener Aussage „mit Leib und Seele Bürgermeister ist“, über ausreichend Kompetenz in der Wirtschaftsförderung verfügt.

„Düren ist zu einer Schlafstadt zwischen Aachen und Köln degeneriert. Ich möchte einen Wandel herbeiführen, wieder Gewerbe ansiedeln“, betonte der 66-Jährige. Seine „Berufserfahrung aus der Wirtschaft“ könne dabei nicht schaden.

Amtsinhaber Paul Larue wies die Vorwürfe zurück: „Es kommt einem so vor, als müssten wir in einer Ruinenstadt mit lauter Industriebrachen leben.“ Es sei richtig, dass Düren einen Strukturwandel erlebt habe. „Wir reden aber auch über eine Stadt, in der ein Drittel der Ausbildungsplätze von der Industrie angeboten wird und in der innovative Unternehmen Millionen Euro investieren.“ Stillstand sehe er nicht. Er habe auch kein Verständnis dafür, dass der Standort schlechtgeredet werde.

„Wir wollen nichts schlechtreden“, stellte Liesel Koschorreck klar. „Aber Sie dürfen auch nicht alles schönreden“, wandte sie sich an Larue. Die Wirtschaftsförderung, die gute Arbeit leiste, müsse personell aufgestockt werden, um „das breite Spektrum“ der Aufgaben besser bearbeiten zu können. Die „Ampel“ wolle „bessere Rahmenbedingungen“ schaffen.

Bernd Essler kritisierte, dass es verpasst worden sei, rechtzeitig neue und auch ausreichend große Gewerbeflächen zu entwickeln. „Wenn sich heute ein großes Unternehmen ansiedeln möchte, braucht es dafür 100.000 Quadratmeter. Diese Flächen stehen nicht zur Verfügung.“

Paul Larue konterte, indem er auf interkommunale Projekte mit den Gemeinden Kreuzau und Niederzier verwies und auch die Fortschritte einer Zusammenarbeit mit Langerwehe hervorhob, was einen Zwischenruf von Liesel Koschorreck provozierte: „Es war die ‚Ampel plus‘, die diesen Gesprächen Nachdruck verliehen hat.“ Für Larue jedenfalls ist mit Blick auf die Wirtschaftsstruktur der Stadt klar: „Wir setzen auf einen Mix aus mittleren und kleinen Unternehmen aus Wirtschaft und Handwerk. Wer nur auf ganz wenige „Große“ setzt, geht mit Monostrukturen Risiken ein.“

Ein weiteres Thema war der Masterplan Innenstadt. Die „Ampel“ möchte die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt steigern. „Was unter reger Beteiligung der Bürger erarbeitet wurde, soll auch umgesetzt werden“, versprach Liesel Koschorreck. Details wolle sie aber nicht vorausgreifen, beispielsweise bei der Neugestaltung des Kaiserplatzes soll es einen Wettbewerb geben, bei dem auch Bürger ihre Meinung einbringen können.

Bernd Essler sieht als dringendste Aufgabe die Sanierung des Bahnhofumfelds. „Das ist keine Visitenkarte für die Stadt“, ist er überzeugt. Dort müsse dringend etwas geschehen. Paul Larue versuchte seinen Herausforderer zu beruhigen, in dem er von den „zwar mühsamen, aber sehr weit fortgeschrittenen“ Planungen berichtete, das Areal entlang der Arnoldsweiler Straße zu entwickeln und dort attraktives Wohnen zu ermöglichen.

Auf keinen grünen Zweig kamen die Kandidaten beim Thema Finanzen. Während Bernd Essler „legale Taschenspielertricks“ bei der Haushaltsplanung monierte und der Politik Tatenlosigkeit bei der Steigerung der Einnahmen beispielsweise mit einer schlagkräftigen Wirtschaftsförderung vorwirft, ist die „Ampel“ bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um das von ihr gewünschte „City-Ticket“ einzuführen und die verbilligten Fahrten mit 145.000 Euro zu bezuschussen. Auch wenn ein Gutachten dieser Maßnahme, neue Fahräste für den ÖPNV zu gewinnen, keinen großen Erfolg voraussagt. „Die Rentabilität der Rurtalbahn wurde anfangs auch infrage gestellt, heute ist das ein Erfolg.“

Ein klares Nein gab es von Paul Larue. „Angesichts der steigenden Kosten bei der Unterbringung von Flüchtlingen und der Tariferhöhung im öffentlichen Dienst werden wir im Haushalt Dinge streichen müssen“, sagte er. Ein City-Ticket sei nicht finanzierbar. Bernd Essler forderte eine „höhere Flexibilität“ im ÖPNV, um Mittel effizienter einsetzen zu können.

Beim Thema Schulpolitik gab Paul Larue ein Bekenntnis zu allen Schulen ab. Liesel Koschorreck verwies auf den noch nicht abschließend beratenen Schulentwicklungsplan. Ob es eine Gesamtschule oder eine Sekundarschule geben soll, könne sie noch nicht sagen. Auch nicht, welches Gymnasium im Falle einer Einrichtung einer neuen Gesamtschule geschlossen werde. Bernd Essler forderte, die Weichen für die Zukunft schnell zu stellen. „Wir wurden von den Entwicklungen überrollt“, kritisierte er die bisherige Politik.

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