„Planet Jazz“: Traditionell und experimentell

Von: Hannes Schmitz
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Sie boten ein hervorragendes Konzert Omer Klein (Piano), Henning Gailling (Bass) und Etienne Nillesen (Schlagzeug). Traditioneller Jazz traf auf orientalische Klänge und jüdische Volksmusik. Foto: Schmitz

Düren. Verschiedene Klangwelten zauberte der Pianist Omer Klein im Foyer des Hauses der Stadt. Im Trio mit dem aufmerksamen Bassisten Henning Gailling und dem mal cool, mal verschmitzt agierenden Schlagzeuger Etienne Niellesen präsentierte der gebürtige Israeli ausschließlich eigene Kompositionen. Der Solist wurde zum Moderator, stellte die Stücke vor, setzte sich an den Flügel und hob ab in gedankenvolle musikalische Reichweiten.

Kantiger, langsamer Blues wich klaviersolistischem Parforceritt, berauschende Seligkeit klang an, ließ reichlich bebilderte Harmonien entstehen. Das Publikum erlebte einen Ausnahmepianist mit viel Lust am Spiel, mal traditionell, dann wieder experimentell, träumerisch und fordernd. Das musikalische Abendland traf auf das Morgenland, orientalische Klänge verwoben sich mit betörenden melodischen Motiven.

Traditioneller Jazz in seinen verschiedensten Varianten wurde gewürzt mit Musik aus Kleins Heimatland und angereichert mit Stilelementen seiner nordafrikanischen Wurzeln. Manchmal schien es, als ob der Musik religiöse Anstriche gegeben würden, die dann aber von anderen musikalischen Anleihen verweht wurden. Glaubensstarke Elemente, die sich in fast sphärisch anmutende Melodienfolgen auflösten.

Einer der Höhepunkte des Konzertes war ohne Zweifel „Shining Through Broken Glass“, das mit einem intensiven und ausgedehnten Klaviervorspiel voller melodischer Kraft begann und später immer wieder neue musikalischen Figuren beschrieb, gegen die Drummer Nillesen überraschende Einfälle am Schlagzeug setzte. Erfrischend war das Konzert, weil nichts war, wie man es vielleicht erwartete.

So passte auch der Titel des Programms „The Art of the Trio“, eine vage musikalische Andeutung, in dem auch Bassist Henning Gailling eine entscheidende Rolle spielte. Nicht nur seine Soli waren imponierend, sondern auch seine „Vermittlerrolle“ zwischen Piano und dem zeitweise exzessiven Schlagzeug oder als kongenialer Partner zu Klein in den bisweilen sprunghaften Arrangements. Themen und Motive beherrschten dieses ausgezeichnete Konzert, das vom konventionellem Jazz-Sound bis zu orientalischen Klängen und Lauten aus der jüdischen Volksmusik (Klezmer) getragen wurde.

An Nachhaltigkeit kaum zu übertreffen war das Stück „Yemen“. Nach rasanten Pianoläufen über dem zupackenden Rhythmusgeflecht seiner Mitspieler ließ er in diesem Beitrag seinen Gefühlen Raum, ersetzte Schnelligkeit durch Empfindungen. Stehend spielte er die Töne, die er im Klavierinnenraum mit der Hand abdämpfte. Dem Zuschauer war es überlassen den musikalischen Vermutungen, Sinnesreizen und Impressionen nachzuspüren. Der Auftritt war ein Höhepunkt der Reihe „Planet Jazz“. Die Besucher schienen es geahnt zu haben und kamen trotz der widrigen Wetterverhältnisse.

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