Piraten-Ferienspiele: Essen auf Rädern für die hungrige Meute

Von: Stephan Johnen
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Kreativität gefragt: In Bergstein planen Jugendliche und junge Erwachsene weitgehend auf eigene Faust ein Ferienprogramm. Foto: Stephan Johnen
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Michelle Gerold (links) und Juliane Prickartz (rechts) leiten die Ferienfreizeit. Unterstützung gibt es von Gisela Gerdes (Caritas). Foto: Stephan Johnen

Bergstein. Ob bei der Organisation alles reibungslos funktioniert hat, zeigt sich besonders zur Mittagszeit. Denn das Mittagessen kommt auf Rädern. Jeden Tag aus einer anderen Küche. Manchmal wird es auch nur quer über die Straße getragen.

 Die Lieferhelden in Bergstein kommen aus der Nachbarschaft: Mütter, Großeltern, Anwohner – und freitags die „Reibekuchenfrauen“, die waschbüttweise die Kartoffeln ins Pfarrheim schleppen und vermutlich schon am Montag mit dem Schälen begonnen haben. 49 Kinder, 13 Betreuer und zwei Organisatorinnen können schließlich so einiges verputzen.

„Die Ferienspiele in Bergstein folgen zwei Regeln: Jedes Kind, das in der ersten Ferienwoche zu Hause ist, macht mit. Und die ganze Dorfgemeinschaft unterstützt uns“, sagt die 19 Jahre alte Juliane Prickartz augenzwinkernd. Seit fünf Jahren sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die in Eigenregie die Ferienspiele für Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren aus Bergstein, Brandenberg und Zerkall auf dem Pfarrgelände organisieren. Juliane Prickartz und Michelle Gerold (18) waren von Anfang an dabei, in diesem Jahr jedoch in einer ganz anderen Rolle: Sie haben die Leitung. Ein Jahr lang haben sich die jungen Frauen in Kursen und Fortbildungen mit ihrem 13-köpfigen Betreuerteam auf diese eine Woche im Sommer vorbereitet.

Träger ist der Caritasverband, und die Pfarrgemeinde stellt die Räume zur Verfügung, doch die Regie führen die Leiterinnen und ihr Team. „Wir stellen sicher, dass alle notwendigen Qualifikationen vorliegen und die Schulungen absolviert werden“, sagt Gisela Gerdes vom Caritasverband. Stimmen die Rahmenbedingungen, übernehmen die jungen Leute. Den Einkauf der Bastelmaterialien, die Planung der Ausflüge und die Verpflegung organisiert das Betreuerteam selbstständig. Dazu gehört auch die Suche nach Sponsoren. Über mangelnde Hilfsbereitschaft muss sich bei den Ferienspielen niemand beklagen. „Viele Helfer wirken im Hintergrund mit, das Team vom Bergsteiner Weihnachtsmarkt unterstützt uns mit einer großen Spende und das THW und die Feuerwehr stellen Grills zur Verfügung“, nennt Michelle Gerold nur einige Beispiele.

Jeden Tag gibt es von 9.30 bis 16.30 Uhr Programm. Das Motto lautet „Piraten“. Es wird gebastelt und gespielt, heute steht ein Ausflug ins Bubenheimer Spieleland an. Am ersten Tag wurden T-Shirts mit dem eigenen Namen bemalt – um das Kennenlernen zu erleichtern.

„Wer hier einmal mitgemacht hat, möchte immer dabei sein“, weiß Michelle Gerold aus eigener Erfahrung. Betreuer wie Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Orten, gehen auf unterschiedliche Schulen. „Aber hier sind alle miteinander befreundet“, fügt Juliane Prickartz hinzu.

„In diesem Jahr war es etwas knifflig, an den Vorbereitungen teilzunehmen“, gesteht die 19-Jährige, die derzeit sozusagen auf Heimaturlaub ist. Juliane Prickartz studiert mittlerweile Jura – und lebt in Berlin. „Ich habe vor den Schulferien viel Zeit im Zug verbracht“, sagt sie und lacht.

Dass der Wechsel vom Teilnehmer zum Betreuer beinahe fließend ist, zeigt sich am Beispiel von Judith Prümmer. Sie ist 13, und damit ein Jahr zu alt, um an den Ferienspielen teilzunehmen, aber ein Jahr zu jung, um reguläre Betreuerin zu sein. Daher nimmt sie schon an den Jugendleiter-Schulungen teil und ist als offizielle Praktikantin sozusagen Ehrenmitglied im Betreuerteam. Sie freut sich, im Sommer 2015 durchzustarten.

Es ist gut möglich, dass es im kommenden Jahr auch ein Angebot für Erwachsene gibt. „Wir hatten schon Anfragen von Eltern, ob wir nicht auch für sie etwas organisieren können“, sagt Juliane Prickartz und lacht.

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