Pilzexperte: Schon als Kind von Pilzen fasziniert

Von: Sarah Maria Berners
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Björn Wergen, Pilzsammler aus Nideggen-Brück. Foto: Sarah-Maria Berners
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Dieses Foto von einem Pilz namens „Spaltblättling“ hat Björn Wergen im Bergischen Land gemacht. Foto: Björn Wergen

Brück. Björn Wergens Interesse an Pilzen ist nicht in erster Linie kulinarischer Natur. Statt mit Zwiebeln in der Pfanne landen die Pilze bei ihm meist unter dem Mikroskop. Dabei könnte Björn Wergen genussvoll zuschlagen, denn er weiß genau, welchen Pilz er vor sich hat und ob er auch wirklich genießbar ist.

Aber statt von Champignons und Steinpilzen spricht er lieber vom Violetten Lacktrichterling, der Schmetterlingstramete, dem Hexenröhrling und dem Schlangenwerferkugelpilz.

Mit 16 Jahren Pilzberater

Schon mit sieben Jahren ist Björn Wergen regelmäßig in die Pilze gegangen. „Wie man das halt so macht, wenn man in der Eifel groß wird“, sagt er heute, mit 28 Jahren. Einmal entdeckte er den Hexenröhrling und der lief blau an, als er ihn überschnitt. Heute weiß Björn Wergen, an welchen Säuren das liegt, damals weckte das seine Faszination für die Pilze. Er begann, Pilze abzumalen. Später wurde er Moderator im Pilzforum, mit 16 Jahren absolvierte er die Prüfung zum Pilzberater. Seitdem leitet er Exkursionen und sagt Ratsuchenden, welche Pilze sie in die Pfanne hauen und welche sie besser wieder aussortieren sollten. Das hat er schon mit 14 Jahren getan. Unsicher hat er sich bei dieser wichtigen Entscheidung nie gefühlt.

Anruf aus Kitas

Aber auch wenn jemand – versehentlich oder leichtsinnig – ungenießbare Pilze zu sich genommen hat, kommt Björn Wergen ins Spiel: als Berater für die Giftnotrufzentrale. „Mich erreichen zum Beispiel Anrufe aus Kindertagesstätten, wenn ein Kind etwas von einem Pilz zu sich genommen hat, von dem keiner genau weiß, was es war.“ Pilzreste landen dann zur Bestimmung unter seinem Mikroskop.

Drei bis zwölfmal im Jahr wird er angerufen, manchmal auch, wenn Hunde Pilze zu sich genommen haben. Meist seien die Symptome bei den Menschen Übelkeit und Bauchschmerzen, erklärt Wergen. Es würde helfen, wenn Betroffene etwas Salz essen und Kohletabletten zu sich nehmen würden. „Etwa 80 Prozent der Pilze sind ungenießbar“, weiß der Experte. „Und zehn Pilze, die bei uns wachsen, sind sehr giftig. Die sollte man kennen.“ Für den Fall des Falles rät der Pilzberater: „Lieber auf Nummer sicher gehen und nicht essen.“

Den jungen Mann faszinieren die Bedeutung der Pilze für die Natur ebenso wie deren Vielfalt – und wer einen Blick auf seine Fotosammlung auf http://bwergen-fotos.jimdo.com sieht, kann diese Faszination nachempfinden. Da schimmern Pilze in einem hellen lila, da gibt es kuriose Formen, kleine Kunstwerke der Natur zu sehen. Sie wachsen in der Eifel quasi vor seiner Haustüre, aber auch im Bergischen Land und Österreich geht Wergen, der bei einem Discounter arbeitet, auf die Suche nach Pilzen.

„Manche Pilze, die sogenannten Saprobionten, sind die Recyclingspezialisten der Natur“, erklärt Wergen. Sie leben von totem Holz und Pflanzenresten und bauen diese in Humus-Bestandteile um – und darauf können dann wieder neue Pflanzen wachsen. Andere Pilze würden an Bäumen wachsen, diesen wichtige Nährstoffe entnehmen, und als Gegenleistung andere Nährstoffe abgeben. Und dann gibt es noch Pilze, die als Parasiten leben und beim Menschen als „Fäule“ nicht besonders beliebt sind. „Aber auch diese Pilze leisten einen Beitrag zur Gesundheit unserer Wälder, indem sie kranke Bäume zum Absterben bringen“, erklärt Wergen in seinem Buch.

Mit seiner Faszination für die Pilze begann er auch, sich noch weiter für die Natur zu interessieren, denn: „Um manche Pilze zu finden, muss man die Umgebung kennen, in der sie wachsen“, erklärt Wergen. Und so hat er auch die Naturfotografie zu seinem Hobby gemacht. Björn Wergen sammelt das ganze Jahr über Pilze. „Man muss nur wissen, wo man sie suchen muss“, sagt er lachend. „Dann läuft die Pilzsaison von Januar bis Dezember.“

Ein Problem gibt es bei seinem Hobby allerdings: Die Literatur über Pilze ist begrenzt. „Manchmal brauche ich russische Aufsätze, um einen Pilz zu bestimmen.“ Deswegen arbeitet er mit anderen Sammlern an einer umfangreichen Auflistung und der Bestimmung von Pilzen.

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