Pilotprojekt „Lernpunkt“: Erste Abschlusszeugnisse verteilt

Von: Stephan Johnen
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Nando (links) und Vanessa (rechts) gehören zu den Teilnehmern des Pilotprojekts „Lernpunkt“. Karina Umlauf, Geschäftsführerin des Sozialwerks Dürener Christen (links), Projektleiterin Maria Saurbier und Lehrer Benjamin Frings zogen eine positive Bilanz. Foto: Stephan Johnen

Düren. Nach den Ferien wird Nando die Schule wechseln. Der 16-Jährige möchte sein Abitur machen und Musik studieren. „Ich spiele leidenschaftlich gerne Schlagzeug“, verrät er. Ob Nando seinen Schulabschluss packt, stand vor gar nicht allzu langer Zeit noch in den Sternen.

Im Abschlusszeugnis der Hauptschule Burgauer Allee steht heute „sehr gut“ und „gut“, wo vor zwei Schuljahren noch „ausreichend“ und „mangelhaft“ stand. „Ich hatte meinen eigenen Willen, wollte keine Hausaufgaben machen“, blickt er zurück. Ärger war programmiert, schlechte Noten auch. Doch es kam anders.

Der 16-Jährige ist einer von neun Schülern, die im „Lernpunkt“ des Sozialwerks Dürener Christen an der Hohenzollernstraße diese Woche ihr Abschlusszeugnis erhalten haben. Nando will studieren, andere Schüler haben eine Ausbildungsstelle gefunden, wiederum andere besuchen die Berufskollegs des Kreises. Nur einer der zehn Schüler hat bislang noch keine berufliche Perspektive für sich entwickeln können.

Vor zwei Jahren startete das Pilotprojekt, das Unterricht in kleinen Gruppen außerhalb der Schule mit dem regelmäßigen Blick in die Berufspraxis verbindet, mit einer zehnköpfigen Schülergruppe. Dass neun Schüler den Abschluss mit guten Noten gepackt haben, ist für Projektleiterin Maria Saurbier und Sozialwerk-Geschäftsführerin Karina Umlauf Motivation und Ansporn zugleich. Zielgruppe des Projekts waren schließlich Schüler, die im regulären Unterricht aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr von den Lehrern erreicht werden konnten und denen ein Abgang ohne Abschluss und damit ohne wirkliche Perspektive drohte.

„Die Lehrer waren locker drauf, der Unterricht viel ungestörter und konzentrierter“, erklärt Nando. In der kleinen Gruppe sei es leichter gefallen, sich zu konzentrieren. Positiv auch: Die Gruppe konnte in getrennten Räumen unterschiedliche Themen und Aufgaben bearbeiten.

Vor drei Jahren startete das Sozialwerk in Kooperation mit dem Kreis-Schulamt das Bildungsprojekt „Lernpunkt“. Die zehn Schüler wurden an drei Tagen in den „Klassenräumen“ an der Hohenzollernstraße unterrichtet. An zwei Tagen in der Woche gingen die Schüler in Betriebe und Unternehmen (siehe Infokasten). Von der Bezirksregierung Köln abgestellte Lehrer der Hauptschule Burgauer Allee übernahmen den Unterricht, weitere Pädagogen steuerte das Sozialwerk hinzu, im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften unterstützen auch Experten von außerhalb die Schüler ehrenamtlich.

Das Projekt, das mit Ausnahme der Lehrerbezahlung über Spenden von Privatpersonen, Unternehmen, Vereinen, Charity-Clubs und Stiftungen finanziert wurde, war zunächst befristet. Heute ist klar: Für das kommende Schuljahr gibt es bereits 28 Anmeldungen. Zwei Gruppen à zehn Schüler aus dem gesamten Kreisgebiet werden an der Hohenzollernstraße unterrichtet, eine Gruppe an wechselnden, besonders praxisnahen Unterrichtsorten. „Wir stehen in einem guten Austausch mit den Jugendämtern von Stadt und Kreis, um im Rahmen der Jugendhilfe die Nachhaltigkeit des Projektes zu sichern“, erklärt Maria Saurbier. Um besondere Unterrichtsmaterialien sowie Projekte finanzieren zu können, sei der „Lernpunkt“ auch weiterhin auf Spenden angewiesen.

An Bord bleibt auch in der nächsten „Runde“ Lehrer Benjamin Frings. „Ich war zunächst skeptisch“, räumt er ein. „Niemand von uns wusste, was der ‚Lernpunkt‘ sein soll.“ Doch die Lehrer hätten die Chance genutzt und experimentiert, viele Sachen ausprobiert, manches wieder verworfen. „Wir haben selbst viel gelernt“, sagt er.

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