Düren - „Pillar of Fire“: Futuristische Novelle als szenische Lesung

„Pillar of Fire“: Futuristische Novelle als szenische Lesung

Von: Anke Holgersson
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Bill Oberst Jr. beeindruckte auf der Bühne des Kulturzentrums „Komm“ mit seiner Interpretation des letzten Friedhof-“Bewohners“ Lantry.

Düren. Eine ganz und gar ungewöhnliche Produktion, war im „Komm“-Zentrum zu sehen. Der US-amerikanische Schauspieler Bill Oberst Junior brachte Ray Bradburys Novelle „Pillar of Fire“ (Feuersäule, 1948) als szenische Lesung auf die Bühne des Kulturzentrums.

Ungewöhnlich schon deshalb, weil er sie in englischer Sprache aufführte. Oberst empfiehlt die Horrorgeschichte um William Lantry, der rund 300 Jahre nach seinem Tod im Jahre 2349 wiedergeboren wird, für ‚fortgeschrittene Studenten und gebildete Erwachsene‘. Für den Abend mit Oberst brauchte es neben Bildung definitiv auch etwas Mut.

Denn der Schauspieler spielt den toten Mann so authentisch, dass es dem einen oder anderen Zuschauer einen eiskalten Schauer über den Rücken gejagt haben dürfte. Lantry ist der letzte „Bewohner“ des letzten Friedhofs in Amerika und als auch er ausgegraben und verbrannt werden soll, rächt er sich an der Menschheit des 24. Jahrhunderts für die Zerstörung der Toten und des Unheimlichen.

Keine Furcht mehr

Die Gesellschaft kennt keine Furcht mehr, weil sie alles Dunkle und Angstmachende wie Leichen, Gruselgeschichten oder Fledermäuse verbrennt. Die Menschen kennen keine Verbrechen mehr. Und mit der Furcht vor Mord und Tod haben sie auch die Fantasie und die Spannung verloren: „Diese Leute sind tot”, urteilt Lantry über die Menschen, die er antrifft. Und macht sich auf, so vielen von ihnen wie möglich das Leben zu nehmen.

Der amerikanische Schriftsteller Ray Bradbury wurde in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts vor allem mit seinem Roman „Fahrenheit 451“ berühmt, der dunklen Anti-Utopie einer Welt ohne Bücher und voller Zensur. So wie Bradbury mit „Fahrenheit“ vor der Verrohung der Gesellschaft durch das Fernsehen warnen wollte, so reagierte er mit „Pillar of Fire“ auf die Attacken gegen Horrorcomics wie „Tales from the Crypt“, mit deren öffentlicher Verbrennung man glaubte, Böses zu verhindern.

Oberst benötigte für seine Darstellung des düsteren Antihelden weder wilde Gesten noch überzogene Mimik. Er offenbarte die Wut und Mordlust des Wiedergängers in kleinen Gesten und Blicken, treffsicher wie in seinen Filmen. Der 50-jährige Schauspieler ist eigentlich im Horrorfilm-Genre Zuhause. So spielte er zum Beispiel einen gegen Zombies kämpfenden Abraham Lincoln im Kino, und der amerikanische Fernsehsender CBS zeichnete die Figur eines von ihm verkörperten Mörders mit dem Prädikat aus, einer der berüchtigtsten Serienkiller in der Geschichte der Fernsehserie „Criminal Minds“ zu sein.

Für „Pillar of Fire“ erhielt Oberst den Platinum Award des „Hollywood Fringe Festival 2015“. Diese Veranstaltung wird einmal im Jahr in Los Angeles von unabhängigen Theaterleuten organisiert und findet in Parks, Theatern, Cafés und auf der Straße statt.

Dass die Produktion von Hollywood nach Düren reiste, ist Sabine und Jörg Ruland zu verdanken. Die beiden bauen originalgetreue Nachbildungen von Comicfilm-Helden im Allgemeinen und von Horrorfilm-Bösewichten im Besonderen. Letztere stellte Jörg Ruland vor zwei Jahren auf dem Oberhausener Fantasyfilm-Festival „Weekend of Hell’“ aus.

Mit seinen Vampiren, Monstern und Geisterjägern eroberte er das Herz von Bill Oberst im Sturm. Er sprach die beiden an, und es entwickelte sich eine Freundschaft, die zu Besuch in Gürzenich und Theaterabend im „Komm“ führte. Es war die erste Aufführung des Stückes außerhalb der USA. Ohne Sabine und Jörg Ruland, versicherte Oberst, wäre er nicht auf die Idee gekommen, das Stück in Europa aufzuführen.

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