Pier - Pier: Abschied von den Kirchturmglocken

Pier: Abschied von den Kirchturmglocken

Von: Simone Dolfus
Letzte Aktualisierung:
glockenpier25-bu
Bei Nieselregen wurden die Glocken vorsichtig per Kran aus dem Turm der Pierer Pfarrkirche gehievt. Foto: Dolfus

Pier. Die letzte Messe ist schon lange gelesen, am Sonntag läuteten die Glocken der Kirche „Zur unbefleckten Empfängnis” zum letzten Mal. Gestern erlebten die vier Glocken, die am 28. Oktober 1956 geweiht wurden, ihren letzten großen Auftritt.

Für einen kurzen Moment herrschte noch einmal Leben im sterbenden Dorf, als ein Kran die Klangkörper aus dem Kirchturm hievte. Zahlreiche ehemalige Dorfbewohner hatten sich versammelt, um den einst für emsig gesammelte Spenden angeschafften Glocken Adieu zu sagen. Mit Fotoapparaten und Videokameras wurde der Moment wehmütig festgehalten, bevor die Glocken abtransportiert wurden.

Nach dem letzten Läuten hatten die Mitarbeiter einer Aachener Spezialfirma, die den Kran manövrierten, die Schallschutzsteine an einer Seite des Kirchturms herausgeschlagen, bereits die Klöppel entfernt und die ehemals übereinander hängenden Glocken schon auf eine Ebene gebracht. „Der Klöppel steht sonst heraus und man kann die Glocken nicht aufsetzen”, sagte Matthias Merkens, ehemaliger Pierer Bürger und jetzt in Neu-Pier (Langerwehe) ansässig.

Zuständig für das Inventar der Kirche ist die Pfarrgemeinde am „offiziellen Umsiedlungsstandort” in Jüngersdorf. Alle wertvollen Materialien wurden längst aus dem Sakralbau, der seit dem letzten Gottesdienst entweiht ist, entfernt. Die Orgel, die erst in den 60er Jahren angeschafft wurde, die Kirchenbänke und ein steinerner Kreuzweg sind im abgedunkelten Kirchenschiff zu finden. Die kunstvollen Kirchenfenster aus Bleiverglasung sind abgedeckt zum Schutz gegen Vandalismus. Sie werden irgendwann in eine Art Museum kommen.

Platz für das Inventar gesucht

Für das andere Inventar „müssen wir uns noch etwas einfallen lassen”, sagte Merkens. Zwar gibt es in Wenau einen Archivraum für die kirchlichen Gegenstände aus Pier, aber eine Orgel und die Bänke passen da kaum hinein. Und wo gibt es schon eine Kirche, die noch eine Orgel oder Kirchenbänke braucht?

Wo die Glocken hinkommen, steht hingegen fest. Sie werden an den drei Umsiedlungsstandorten in Langerwehe, Inden/Altdorf und Schophoven aufgestellt, zum Teil dort, wo die alten Wegekreuze aus Pier schon eine neue Heimat gefunden haben.

Die St.-Sebastianus-Schützen aus Pier erhalten die vierte Glocke, die dem Heiligen Sebastian gewidmet ist. Wertvoll sind die Klangkörper vor allem emotional, ansonsten haben sie noch ihren Materialwert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die damalige Pierer Kirche zerstört, die bronzenen Glocken zu Munition gegossen worden.

Für den Neubau, dessen Grundstein 1955 gelegt wurde, waren neue bronzene Glocken nicht drin - zu teuer. Man entschied sich daher für Stahl, die Pierer spendeten dafür fleißig. Die größte Glocke, die Josefs-Glocke, kostete damals 5000 Mark.

„Quasi zur gleichen Zeit kursierten die ersten Gerüchte über die Abbaggerung”, erinnert sich Merkens an den aufkommenden Ärger. Jetzt, 56 Jahre später, haben sich das Dorf und seine Bewohner in ihr Schicksal gefügt. Die Kirche ist und bleibt jedoch eine Herzensangelegenheit. Merkens: „Deshalb lässt der Bergbautreibende die Kirche meist bis zuletzt stehen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert