Piano Willms in Düren: Einblicke in die Werkstatt

Von: Sarah Maria Berners
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Viele Einzelteile müssen ange
Viele Einzelteile müssen angepackt werden, wenn ein Klavier wieder auf den neusten Stand gebracht wird. Es ist die Vielfalt des Berufes, die Klavierbauer Felix Curdes (vorne) und seinen Chef Hartmut Willms immer aufs Neue begeistert. Foto: Berners

Nideggen. Große Maschinen sucht man in dieser Werkstatt vergebens. In den kleinen Schubfächern liegen, wie man es in der Eifel so schön sagt, „hömmele” Einzelteile. Federn, Hammerköpfe, Zungen, Stößel, Dämpfer und Filze zum Beispiel. 10.000 Puzzleteile, die meisten aus Holz, sind notwendig, damit Hammerköpfe gegen Saiten schlagen und Musik erklingen kann.

Und so gehören neben Schraubendrehern auch Stimmgabel in den Werkzeugkoffer der Klavierbauer.

Norbert Runge und Felix Curdes haben im Untergeschoss von Piano Willms die Kittel umgelegt, ihr Kollege ist zum Außentermin. Klavier ist Klavier und trotzdem hat jedes Instrument seine Eigen- und Besonderheiten.

Im Regal liegen die generalüberholten Teile eines Flügels, Curdes setzt gerade Hammerköpfe in ein weißes Klavier ein. Die Generalüberholung ist bald geschafft, vier Tage dauert sie in etwa. Zuerst wird sauber gepustet. Hammerköpfe, die eigentlich eierförmig sind, vom vielen Spielen aber abflachen, werden wieder in Form gebracht. Verschlissene Führungsfilze werden erneuert, Tasten wieder in die rechte Position gerückt. Und manchmal muss ersetzt werden, was Mäuse angeknabbert haben. Die feinen Bänder schmecken ihnen besonders gut.

Selten passiert es auch, dass Resonanzboden und Saiten gerissen sind. „Ein Klavier, das bei der Uroma im alten Fachwerkhaus stand, war für die gute Stube gemacht. Dort war es feucht und kühl, nur selten wurde geheizt”, erzählt Geschäftsführer Hartmut Willms. Der Umzug in isolierte, gut beheizte Wohnungen ist für diese Klaviere zumindest eine Herausforderung, wenn nicht das Ende.

Neuwertige Klaviere werden in der Werkstatt jedoch auf Vordermann und auf neue Standards gebracht. Wenn Hartmut Willms von „neuwertig” spricht, dann meint er Klaviere, die 40 bis 50 Jahre alt sind. „Im Grunde mag das Holz die Bedingungen, die wir Menschen auch mögen”, erklärt Willms. Im Winter darf es nicht zu trocken und nicht zu heiß sein. Das Holz der neueren wird in Klimakammern getrocknet, das macht vieles einfacher.

Vor 100 Jahren war daran noch nicht zu denken. Damals begannen Ludwig Willms und zwei Brüder in der Dürener Josef-Schregel-Straße damit, Klaviere zu bauen. Mit eigenen Gussplatten, an denen die Seiten aufgezogen sind, und mit Erfolg, wie Nachfolger Hartmut Willms erzählt. Aber dann kam der Krieg und von der Pianofabrik blieb nichts. „Im Geschäftshaus an der Nideggener Straße hatte es aber ?nur einen Bombendurchschlag gegeben. Dort konnten meine Vorfahren weitermachen”, schildert Willms. Ein paar Pianos wurden noch gebaut, dann spezialisierte sich die Firma auf Verkauf und Reparatur.

Und nicht nur das Raumklima hat seitdem verändert. Auch die Menschen. Sie sind größer geworden. Während die Klaviere in den vergangenen Jahrzehnten etwa fünf Zentimeter gewachsen sind, sind die Flügel kaum größer geworden. „Pianisten mit langen Beinen lassen sich daher in der Schreinerei kleine Unterleghölzer für ihren Konzertflügel fertigen”, erzählt Willms. Verändert hingegen hat sich das Instrument, es ist in den 80er Jahren elektronisch geworden. „Mein Vater stand dem E-Piano immer skeptisch gegenüber”, weiß Willms. „Zwar hätten auch die digitalen Pianos ihre Vorzüge, aber sie sind keine Klaviere und werden es auch trotz der Verbesserungen nicht werden”, sagt Willms. Über den Klang eines Klavieres mit seinen Naturmaterialien gehe eben nichts.

Piano Willms in Nideggen, Konrad-Adenauer-Straße 38, feiert sein Firmenjubiläum von heute an bis zum 30. September. Morgen kann ab 11 Uhr auch die Werkstatt besichtigt werden. Zudem ist am 23. und 30. September verkaufsoffener Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Es gibt ein Gewinnspiel.
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