Pianisten bringen Klaviatur zum Glühen

Von: Bruno Elberfeld
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Dozent Heribert Koch (links hinten) ließ seine Meisterschüler ein Abschlusskonzert auf höchstem Niveau spielen. Foto: Elberfeld

Düren. Adjektive, die das Abschlusskonzert des „3. Internationalen Meisterkurses Klavier“ mit Professor Heribert Koch beschreiben könnten, gibt es viele. Die Besucher waren während der Pause und nach dem Konzert zunächst scheinbar sprachlos.

„Welche Worte und Sätze müsste man wählen“, sinnierte eine Dame, „um das Können und die musikalische Reife dieser jungen Pianistinnen und Pianisten zu beschreiben?“ So oder so ähnlich erging es wohl den meisten Besuchern. „Wahnsinn, unmöglich, unfassbar“ sind nur wenige Attribute für das riesige Erstaunen, das die Musiker mit ihrem Spiel hervorlockten.

Welches Engagement und welchen Einsatz die jungen Leute im Gepäck hatten, zeigt ein Beispiel. Ein Pianist hat den Flügel bei seinen Dürener Gasteltern so intensiv „bearbeitet“, dass sich der Klavierstimmer zu der Frage veranlasst fühlte: „Was ist denn mit den Hämmern passiert?“

Heribert Koch, Dozent an der Musikhochschule Münster, kann mit den Leistungen seiner Schützlinge in diesem Meisterkurs wieder hochzufrieden sein. „So ein Meisterkurs ist einem Klavierunterricht nicht unähnlich“, erläuterte er in gekonnt lockerer Moderation das Vorgehen. Der Einzelunterricht werde oft zum Gruppenunterricht, wenn Studierende sich zu einem anderen Spieler gesellten, von seiner Spielweise lernten, diese vielleicht auch korrigierten und die Anweisungen des Meisters in die Tat umsetzten. „Alle lernen voneinander!“, lautet eine der Erkenntnisse, die Heribert Koch schon lange verinnerlicht hat.

Der 3. Dürener Meisterkurs für Klavier, veranstaltet von der „Cappella Villa Duria“, in Kooperation der Evangelischen Gemeinde zu Düren und dem Deutschen Tonkünstlerverband, generierte für das Abschlusskonzert zehn junger Pianistinnen und Pianisten aus acht Ländern Werke auf höchstem Niveau. Die Mädchen, Frauen und Männer kamen aus Aserbaidschan, Slowenien, dem Kosovo, Albanien, Portugal, Ukraine, Deutschland und aus Indien.

Auf den Programmzetteln fanden die Gäste Komponisten vom Barock über die Klassik bis zur Romantik. Da standen ganz vorne zwei Werke von Johann Sebastian Bach, den Heribert Koch in seiner Anmoderation als den Altmeister der europäischen Musik betitelte. Die „Toccata e-Moll“, gespielt von Mia Gucek, und vier Sätze aus der „Partita Nr. 5 G-Dur mit Fatjona Maliqi ließen aufblitzen, zu was die jungen Musiker fähig sind. Kompositionen von Frederic Chopin – Mazurka a-Moll, präsentiert von Milena Seemann, das „Scherzo Nr. 1 h-Moll“, an den schwarz-weißen Tasten Leyla Zeynalova, und die „Ballade Nr. 1 g-Moll“, interpretiert von Milen Manoj, machten einen Sprung vom Barock in die Romantik.

Franz Liszt hatte seine Liebe zu Italien in „Tarantella“ geäußert. Iva Zurbo machte das Leben und Treiben um und in der Lagunenstadt Venedig zu einem Hörgenuss. Nicht zu vernachlässigen Liszts „Spanische Rhapsodie“, vehement gedeutet von Rustam Zeynalov.

Der Teufelspianist

Gegen Ende des Konzerts wurde das Klavier lauter, fordernder, intensiver. Garanten dafür waren Debussys „L‘isle joyeuse“. Tetiana Grabovska traf – so die vielen Experten im Saal – den richtigen Ton. Sie zeichnete das Leben auf einer Insel (isle), wo Spielerinnen (joyeuses) die Menschen mit ihrem Liebreiz erfreuen.

Der Portugiese Vasco Dantas, in Düren vor Jahren schon mal als der „Teufelspianist“ bezeichnet, „bearbeitete“ den Flügel mit Maurice Ravels „Scarbo“ aus „Gaspard de la Nuit“. Heribert Koch erinnerte daran, dass dieses Werk Ravels lange Zeit als das „schwerste Klavierwerk“ weltweit gegolten hat. Dantas ließ den Gefühlen keine Chance, außen vor zu bleiben. Scarbo ist schwer verdauliche Kost, voller Dramatik und Spannung.

Gut, dass Koch eine Komposition Mozarts, das „Allegro“ aus der „Sonate B-Dur“, in den Mittelteil des Konzerts gestellt hatte, damit die Gäste ihre Emotionen noch einmal ins Gleichgewicht bringen konnten, bevor die wilde Romantik sie aus der Balance bringen konnte.

Für die Organisation des Meisterkurses spendete der Verein „Dürener Schatztruhe“ 1000 Euro.

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