Niederau - Pflegereform sorgt seit einem Jahr für Win-win-Situation

Pflegereform sorgt seit einem Jahr für Win-win-Situation

Von: Anne Welkener
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Wohnbereichsleiterin Kerstin Bentlage und ihre Kollegen im Schenkel-Schoeller-Stift hatten mit der Pflegereform eine große Herausforderung vor der Brust, sind aber zufrieden mit den Änderungen. Foto: wel

Niederau. Mit der Pflegereform kam auf die Mitarbeiter des Schenkel-Schoeller-Stifts ein ganzer Berg an Änderungen und Herausforderungen zu. Stichtag: 1. Januar 2017. Der geschäftsführende Leiter des Hauses, Hans Joachim Thiem, erinnert sich noch gut, wie schon wenige Tage nach diesem Datum der erste Kontrolleur auf der Matte stand, um zu begutachten, ob die Pflegeeinrichtung alle Neuerungen regelkonform umgesetzt hatte.

Ins Schwitzen geriet Thiem damals nicht, weil sein Team schon ein halbes Jahr zuvor mit umfassenden Vorbereitungen begonnen hatte. Wenn er und seine Kollegen nun zum Jahreswechsel eine Zwischenbilanz ziehen, dann sprechen sie immer noch von einer Umstellungsphase, die auch 2018 andauern wird. „Wir sind nicht fertig“, sagt Thiem und seine Kollegin Dorothea Becker, Pflegedienstleiterin im stationären Bereich, ergänzt: „Nein, nie.“

Vor genau einem Jahr trat das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft – und damit der größte Umbau der Pflegeversicherung seit deren Einführung vor mehr als zwei Jahrzehnten. Nach zwölf Monaten fällt das Urteil in Niederau grundsätzlich positiv aus. Es sei extrem viel Arbeit gewesen, habe sich aber gelohnt. Thiem: „Unter dem Strich haben wir jetzt mehr Personal und das ist eine Win-win-Situation. Die Bewohner werden enger begleitet und das Personal entlastet.“

Aber was hat sich geändert? Rein formal gibt es nun nicht mehr drei Pflegestufen, sondern fünf Pflegegrade. Neben vielen bürokratischen Änderungen für das Pflegepersonal liegt die größte Neuheit im Blickwinkel. Seit dem 1. Januar 2017 steht nicht mehr der Pflegeaufwand im Fokus, also die Zeit, die zur Pflege einer Person investiert werden muss, sondern deren Selbstständigkeit. Wieviel kann derjenige noch selbst und wo ist er von der Hilfe abhängig?

„Das ist ein Perspektivwechsel – vom Defizit weg hin zur Selbstständigkeit“, sagt Pflegedienstchefin Ursula Müller und nennt ein Beispiel: Eine ältere Dame, die im Schenkel-Schoeller-Stift wohnt, geht täglich eigenständig in das dortige Restaurant zum Mittagessen. Dass aber die dortige Servicekraft ihr vor jedem Essen die Wasserflasche aufdreht, weil die Bewohnerin es alleine nicht schaffen würde, spielte keine Rolle bei der Ermittlung der Pflegestufe und blieb lange unbemerkt.

Dass seit der Pflegereform alle Berufsgruppen des Hauses – vom Vorstand über die Pflegekräfte bis zum Hausmeister – ausgiebig geschult und zur Zusammenarbeit angeregt werden, ermöglicht einen umfassenderen Blick auf die Bewohner. Nun würde beispielsweise die Mitarbeiterin am Empfang im IT-System dokumentieren, wenn sie einem Bewohner zurück in den richtigen Flur hilft, weil er sich verlaufen hat.

Da nicht mehr nur die körperlichen Leiden den Pflegegrad bestimmen, sondern auch geistige Schwächen und Abhängigkeiten von Helfern die Pflegegrade beeinflussen, gibt es eine bestimmte Gruppe, die am meisten von der Pflegereform profitiert: Demenzkranke. Ein Beispiel: Eine demente Dame im Schenkel-Schoeller-Stift hat eine starke Psychose, sieht Menschen, wo keine sind, schreit und zeigt Abwehrverhalten. Damit wurde sie der untersten Stufe des früher dreigliedrigen Pflegesystems zugeordnet. Mittlerweile hat sie Pflegegrad 4, weil der Psyche, so erklärt Ursula Müller, eine größere Bedeutung beigemessen wird. Dank des höheren Pflegegrades kann die Dame nun engmaschiger betreut werden. „Und so ging es einigen Bewohnern“, sagt Müller. Eine Herabstufung ist ihr nur in einem Fall bekannt.

Das neue System mit einem umfangreichen Katalog an Einstufungskriterien machte es nötig, dass im Schenkel-Schoeller-Stift zahlreiche Schulungen stattfanden. Das habe viel Zeit und Geld gekostet, „aber wir gehen gestärkt aus dem Jahr 2017 heraus“, resümiert Thiem. „Es war ein anstrengendes, aber ein gutes Jahr.“

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