Pflegefamilien: Helfen, wenn die Welt auf dem Kopf steht

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Gesucht wird ein Platz mit Wärme: Pflegeeltern übernehmen einen 24-Stunden-Job. Foto: Stock/epd

Kreis Düren. „Gesucht: Ein Team für die Helden von morgen“. So lautet die Anzeige des Pflegekinderdienstes des Kreisjugendamt Düren zur Gewinnung neuer Pflegeeltern. In seinem Zuständigkeitsbereich leben derzeit insgesamt 212 Kinder und Jugendliche in 166 Pflegefamilien.

Und eine „Familien-Such-Anzeige“ konnten sich diese Pflegekinder sogar sparen: Denn das Kreisjugendamt Düren vermittelt. Es ist ständig auf der Suche nach Familien, die ein Kind mit offenen Armen empfangen – ihm Geborgenheit und ein neues Zuhause geben.

„Pflegeeltern sind Wahl-Eltern, die einem Kind oder Jugendlichen eine neue Chance im Leben geben“, sagt Hubert Brüßeler, stellvertretender Leiter des Kreisjugendamtes Düren. Wer sich für ein Pflegekind entscheide, habe einen neuen 24-Stunden-Job. „Da kommt ein kleiner Gast, der ein sicheres Nest sucht. Und der braucht Zeit, Zuwendung und Zuneigung“, so Hubert Brüßeler.

Dabei gehe es oft nur um „Geborgenheit auf Zeit“. Denn Pflegekinder sind keine Adoptivkinder. Pflegeeltern müssten lieben und danach auch wieder loslassen können. Im Kreis Düren werden jedoch sowohl Pflegeeltern gesucht, die Kinder auf Dauer aufnehmen möchten, als auch geeignete Familien, die Kindern und Jugendlichen nur für eine kurze Zeit eine Unterbringung anbieten können.

Viele Kinder und Jugendliche kommen lediglich vorübergehend in eine Pflegefamilie – und zwar dann, wenn zu Hause die Welt auf dem Kopf steht und die leiblichen Eltern mit ihren Belastungen im Alltag nicht mehr fertig werden. Eheprobleme, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Suchtprobleme und Gewalt in der Familie können Gründe sein, warum das Jugendamt sich entschließt, eine Pflegefamilie für Kinder zu suchen.

Die Pflegeeltern helfen, einen Heimaufenthalt zu vermeiden. „Wer ein Kind bei sich aufnimmt und ihm Halt und Geborgenheit gibt, der tut ein gutes Werk, das man den Pflegeeltern nicht hoch genug anrechnen kann. Mit ihrem großen persönlichen Einsatz eröffnen sie benachteiligten Kindern die Chance, sich gut zu entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden“, würdigt Landrat Wolfgang Spelthahn das Engagement der Pflegeeltern im Kreis Düren.

Im Rahmen des NRW-Projekts „Kein Kind zurücklassen“ (Kekiz) ist der Kreis Düren eine von 18 Modellkommunen landesweit. Sein Ziel ist es, eine lückenlose Präventionskette aufzubauen. „Jedes einzelne Kind soll rechtzeitig die Unterstützung bekommen, die es für seine Entwicklung benötigt. Pflegeeltern sind ein ganz wichtiger Bestandteil dieses Netzwerkes“, betont Landrat Wolfgang Spelthahn.

Ob Erwachsene für ein Pflegekind in Frage kommen, entscheidet das Jugendamt. Und dessen „Pflegefamilien-Check“ ist gründlich: „Wir suchen einen ‚Platz mit Wärme’. Die Pflegeeltern müssen Zeit, Geduld, Belastbarkeit, Offenheit, Toleranz und auch Erfahrung in der Erziehung mitbringen. Ein Pflegekind aufzunehmen, ist eine schöne Aufgabe, aber auch eine riesige Herausforderung. Es muss versorgt, betreut, beschützt und gefördert werden“, berichtet Dorothee Pohlmann, Teamleiterin des Pflegekinderdienstes. Dabei sei immer der Blickwinkel des Kindes wichtig. Deshalb begleite das Jugendamt das Kind auch in der Pflegefamilie.

In punkto Pflegeeltern überlässt das Jugendamt im Kreis Düren nichts dem Zufall. Mit Seminaren werden die künftigen Pflegeeltern sorgfältig auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet: Es gibt Tipps für den Alltag, pädagogische Ratschläge, rechtliche Hinweise und Hilfestellungen beim Umgang mit den leiblichen Eltern.

Wirtschaftlich muss die Pflegefamilie auf festen Beinen stehen. Schließlich kosten auch Pflegekinder Geld. Und von dem, was das Jugendamt pro Monat beisteuert, kann sich die Pflegefamilie keine goldene Nase verdienen. Das soll sie auch nicht: „Das Engagement fürs Kind geht übers Herz und nicht übers Konto“, macht Dorothee Pohlmann deutlich.

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