Pflege ja, aber Inschriften nicht nachziehen

Von: Gudrun Klinkhammer
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Die Gemeinde Kreuzau mäht den Rasen des jüdischen Friedhofs in Untermaubach und pflegt die Hecke. Foto: Klinkhammer

Untermaubach/Drove. Was genau bedeutet „gepflegt“ im Hinblick auf einen Friedhof? Im Internet präsentierte kürzlich ein Nutzer Bilder vom jüdischen Friedhof in Untermaubach, der sehr abgeschieden zwischen Untermaubach und Bogheim liegt.

Unter diesen Bildern entwickelte sich ein schriftlicher Dialog, der beinhaltete, dass der Friedhof nicht besonders gepflegt aussehe.

Zwei Anliegerinnen trafen sich daraufhin und bürsteten Grabumrandungen ab. Bauhofmitarbeiter der Gemeinde Kreuzau mähten fast zeitgleich den Rasen. Auf die Pflege des jüdischen Friedhofs in Untermaubaubach angesprochen sagte Hans-Jürgen Wolfram, der zuständige Abteilungsleiter der Gemeinde Kreuzau: „Sowohl für den jüdischen Friedhof in Untermaubach als auch für den in Drove erhält die Gemeinde, die Eigentümerin der Flächen ist, pro Jahr vom Land rund 2000 Euro.“

Mit diesem Geld werde der Auftrag erfüllt, den Rasen zu mähen und die Hecke zu schneiden. Die Pflege der Gräber obliege den Angehörigen, die allerdings inzwischen selber in der Regel nicht mehr leben oder in anderen Ländern zu Hause sind. Hinzu käme, dass die jüdische Friedhofstradition im Gegensatz zur christlichen Tradition vorgebe, die Gräber und die Grabsteine der Natur zu überlassen.

„Generell zu sagen, dass ein Friedhof der Natur überlassen werden soll, das stimmt nicht“, entgegnet Dieter Peters vom Landesverband jüdischer Gemeinden Nordrhein, der verwaiste jüdische Friedhöfe wie etwa den in Untermaubach betreut. Er differenziert: „Gerade in Deutschland handelt es sich bei den Grabstätten oft um die einzigen Dokumente, die als Denk- und Mahnmale aus einer unsagbar schrecklichen Zeit noch sichtbar sind.“

Daher würden es sowohl die noch vorhandenen Familien als auch der Landesverband begrüßen, wenn sich Ehrenamtler um die Grabstellen kümmern. In Drove zum Beispiel sei dies Anlieger Karl Josef Nolden, der auch einen Schlüssel des jüdischen Friedhofes besitzt und auf Wunsch herausgibt. „Es ist kein Problem, wenn mit einer Wurzelbürste die Umrandung des Grabes gesäubert oder dafür gesorgt wird, dass der Grabstein nicht absackt oder umkippt“, betont Peters. Unerwünscht sei jedoch, die Inschrift des Steines nachzuziehen.

Mariano Graf von Spee, der Ortsvorsteher von Untermaubach, fügt noch hinzu: „Früher mussten die jüdischen Mitbürger ihre Toten ausserhalb der Ortschaften begraben, daher liegt der jüdische Friedhof, der zu Untermaubach gehört, auch soweit abseits der Ortschaft.“

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