Pflanzaktion des Kinderheims St. Josef: Wurzeln schlagen wie junge Bäume

Von: Annika Thee
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Jeder der Jugendlichen packt im Lendersdorfer Park mit an, damit die 40 Bäume bald wachsen und gedeihen können. Heimleiter Raymund Schreinemacher (4.v.l.) schaut mit Freude zu. Foto: Annika Thee

Düren. 40 neue Bäume zieren den Spielplatz in Lendersdorf an der Ecke Krauthausener Straße/Otto-Suhr-Straße. Sie alle tragen einen Namen: Auf einem steht „Hazim“, auf einem anderen „Razek“. Das hat einen guten Grund: Das katholische Kinderheim St. Josef hat die Bäume gespendet, je einen für die 40 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die zurzeit in dem Heim leben.

Sie sind zwischen 16 und 18 Jahren alt und kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und verschiedenen afrikanischen Ländern und haben in Düren unter der Obhut des Heimleiters Raymund Schreinemacher ein neues Zuhause gefunden.

Einige der Jugendlichen sind Voll- oder Halbwaisen, bei anderen wurde die Familie auf der Flucht getrennt, oder es sind Familienmitglieder im Heimatland geblieben. Das habe große Auswirkungen auf die mentale Verfassung der Jugendlichen. „So gut wie alle leiden unter dem Trauma der Flucht und des Krieges“, sagt Schreinemacher. Allerdings hätten die meisten von ihnen bis zum Krieg in gesunden Familienverhältnissen gelebt, was sie von den deutschen Jugendlichen im Heim unterscheide.

„Der Respekt gegenüber anderen Personen ist für die Flüchtlinge eine Selbstverständlichkeit. Das Wir-Gefühl und die Gruppenzusammengehörigkeit sind sehr stark. Das heißt, dass die Jugendlichen Eigenschaften mitbringen, von denen wir viel lernen können“, sagt der Heimleiter.

„Wir freuen uns, dass ihr bei uns seid“, sagt Schreinemacher, als die Jugendlichen sich um den ersten Baum versammeln. „Ihr seid tolle Jugendliche und habt hier in Düren einen neuen Platz gefunden. Der Baum soll für Euch ein Symbol sein und sich parallel zu Eurem Leben, das sich hier entwickelt, wachsen und gedeihen“, erklärt der Heimleiter den Sinn der Baumpflanzaktion.

Typisches Symbol

„Die Bäume sind ein typisches Symbol für ein neues Leben, dafür, dass die Jugendlichen hier Wurzeln schlagen können und eine Verankerung finden“, erklärt Raymund Schreinemacher, der seit 26 Jahren im Kinderheim St. Josef arbeitet.

Die Jugendlichen kämen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen nach Deutschland, sagt Schreinemacher. Fast alle Syrer hätten vor dem Krieg in ihrem Heimatland die Schule besucht. Aus Afghanistan kämen aber auch Analphabeten, die erst hier lesen und schreiben lernen. Aber: „Jeder ist auf seiner Spur, keiner hängt nur rum“, stellt der Heimleiter klar. Entweder würden die Jugendlichen die Schule besuchen, Praktika absolvieren oder eine Lehre machen. Jeder von ihnen spricht inzwischen Deutsch, einige etwas fließender als andere.

Razek packt besonders engagiert mit an, als es darum geht, das Loch des neu eingesetzten Baumes mit Erde zu füllen. Als Belohnung darf er seinen Namen an dem ersten Baum befestigen. Alle klatschen, als ein Schild mit seinem Namen an den noch zierlichen Ästen im Wind baumelt. Razek schaut stolz nach oben. „Das ist jetzt meiner“, sagt er freudig.

Hazim ist 16 Jahre alt und kam vor 16 Monaten aus Afghanistan alleine nach Deutschland. „Ich finde die Idee toll“, sagt er. Die Kette mit dem Umriss seines Herkunftslandes zeigt die Verbundenheit zu seiner Heimat. „Aber hier habe ich Freunde gefunden, und ich fühle mich wohl“, fügt er hinzu.

Ein Baum koste 70 bis 80 Euro, die Aktion insgesamt mehr als 3000 Euro, sagt Schreinemacher. Das Kinderheim stemme die Kosten alleine. „Für den Ausbau des Heimes mussten im vergangenen Jahr Bäume gefällt werden. Und statt dafür Ausgleichszahlungen zu leisten, wollten wir lieber die Zusatzkosten übernehmen und die Bäume selbst pflanzen“, sagt der Heimleiter.

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