Düren - Peter Zudeick zerpflückt das Nichts der Politiker-Sprache

Peter Zudeick zerpflückt das Nichts der Politiker-Sprache

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Ein Mann, der genau zuhört -
Ein Mann, der genau zuhört - und es manchmal bereut: Peter Zudeick analysierte im Komm-Zentrum die Sprache der Politik. Foto: Johnen

Düren. Peter Zudeick ist ein Mann, der genau hinhört. Besonders bei denen, die fast nie schweigen, also bei Politikern. Je mehr er lauschte, desto mehr reifte die Erkenntnis, dass trotz aller Worte inhaltlich kaum etwas gesagt wird. Zumindest kaum etwas Vernünftiges.

Doch anstatt sich der allgemein akzeptierten Theorie anzuschließen, dass viele Politiker an „Sprechdurchfall” leiden und diesen mit der Windmaschine kanalisieren, entwickelte der Autor des „Satirischen Wochenrückblicks” im WDR-Radio seine eigene Theorie, die er am Montag im Komm vorstellte: Politiker sind sprachschöpferische Virtuosen, die eine Welt skizzieren, die es so nicht gibt, die es aber geben könnte. Mit der Realität muss das nicht zwangsläufig etwas zu tun haben.

„Gerade Spitzenpolitiker wollen ja nichts Langweiliges sagen”, bilanzierte Zudeick. Langweiliges gebe es im Alltag genug. Wo bleibt denn da das Visionäre? Wer es nach jahrelanger Übung zum Großmeister der Stammel-Disziplin gebracht hat, kann selbst „ein Feuerwerk aus Worthülsen entfachen”. Das hat nicht Zudeick so gesagt, sondern ein Politiker. Welche andere Berufsgruppe könnte das Nichts so dröhnen lassen?

Auf der Bühne agierte Peter Zudeick wie im Radio: Er ließ die zu Wort kommen, deren Worte er nachher auf die Goldwaage legte. Original-Zitate aus der hohen Politik wechselten sich mit Kommentierungen des Kabarettisten ab. Die zu Gehör gebrachte sprachschöpferische Virtuosität mancher Volksvertreter wäre schon Unterhaltung genug, doch Peter Zudeick zerpflückte zur Freude seiner Zuhörer genüsslich die schrägen Metaphern und inhaltlichen Leerstellen.

So stellte beispielsweise Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl noch einmal klar, dass „es kein Zufall ist, dass die Römischen Verträge in Rom abgeschlossen wurden”. Und Angela Merkel sinnierte über die Vorverurteilung von Muslimen in unserer Gesellschaft: „Ein frommer Moslem in der Moschee ist mir lieber als ein besoffener Atheist im Freudenhaus.”

Die Vorstellung, wie beispielsweise „soziale Sprengsätze ein Scheiterhaufen für die Lunte der Terroristen” sind, sprengte allerdings die Vorstellungskraft. Eigentlich wollte Zudeick weder Spott noch Häme ausschütten, doch am Abend wurde mancher Tropfen „Wermut in die feurige Rede gegossen”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert