Peter Münstermann: „Teamplayer“ mit Hang zum Spielführer

Von: Stephan Johnen
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Erst mit 50 Jahren betrat Peter Münstermann die politische Bühne. Der heute 59 Jahre alte SPD-Landtagsabgeordnete fordert CDU-Amtsinhaber Landrat Wolfgang Spelthahn heraus. Foto: Stephan Johen

Kreis Düren. Der Landtagsabgeordnete Peter Münstermann ist ein Spätberufener. Erst im 50. Lebensjahr trat er in die SPD ein, betrat er die politische Bühne. „Die Agenda 2010 hat mich zu diesem Schritt bewogen“, blickt der heute 59-Jährige zurück.

Er hatte nichts gegen eine Sozialreform einzuwenden, wohl aber gegen die „Härte, mit dem dies teilweise geschah“. Er sagt: „Ich wollte mithelfen, dem ‚S‘ in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wieder mehr Gewicht zu verleihen.“ Münstermann trat ein, als sich viele Genossen für den Austritt entschlossen. „Ich wollte etwas verändern“, sagt er. Aus diesem Grund trete er auch am 13. September an. Der Landtagsabgeordnete Peter Münstermann möchte Landrat des Kreises Düren werden. „Es ist Zeit für Veränderungen“, sagt der Politiker.

„Politiker“ – Dieses Wort mag er übrigens nicht besonders. „Volksvertreter“ ist ihm lieber. „Politik ist eine Berufung, kein Beruf“, findet der Familienvater. Als er sich berufen fühlte, in die Politik zu gehen, hatte er schon viele Arbeitsjahre auf dem Buckel. Er hatte nach eigener Aussage gefestigte Ansichten und Wertevorstellungen. Der technische Zeichner wurde bei RWE zuletzt als Kraftwerksingenieur eingesetzt. 27 Jahre saß er unter anderem bei den „Technischen Diensten“ im Betriebsrat, zwölf Jahre leitete er das Gremium. „Ich kann Kompromisse eingehen, aber ich lasse mich nicht verbiegen“, betont Münstermann. Seine Lebens- und Berufserfahrung sei dabei sehr wichtig. Er habe bei der Betriebsratsarbeit gelernt, hartnäckig, aber nicht stur zu sein und Argumenten gegenüber stets offen zu bleiben.

„Ich habe mein Leben lang versucht, mich weiterzuentwickeln“, sagt Münstermann. Er besuchte die Abendschule, nutzte Fortbildungen und sei auch schon einmal ins kalte Wasser gesprungen. Der Herausforderer von Amtsinhaber Wolfgang Spelthahn ist überzeugt, dass Menschen mit den Herausforderungen wachsen. Wenn sie bereit sind, sich in neue Themenfelder einzuarbeiten. Wenn sie neugierig sind. Deswegen reize ihn die Aufgabe eines Landrates.

Eine Aufgabe, vor der er großen Respekt verspüren, die er sich aber durchaus zutraut. „Ich hatte als Bauleiter schon Personal- und Budgetverantwortung“, betont er. Als Betriebsratsvorsitzender sei er es zudem gewohnt, den Austausch mit allen Abteilungen und Ebenen zu pflegen.

Als Politiker habe er die Brille des Betriebsratsvorsitzenden ohnehin nie ausgezogen: „Ich vertrete auch als Landtagsabgeordneter nach wie vor die Interessen der Arbeitnehmer.“ Nur habe sich der Zuständigkeitsbereich stark ausgeweitet. Will heißen: „Meine Tür steht immer offen, für jeden.“

Generell unterscheide er nicht zwischen einem privaten und einem politischen Leben. „Meine Devise lautet: Ganz oder gar nicht“, sagt Münstermann. Er nehme jede Einladung an, wenn es zeitlich passt, sei auch am Wochenende unterwegs. „Ich bin ein Freund des persönlichen Gesprächs“, sagt der Kandidat.

Dass er – sollten ihn die Wähler als Landrat sehen – keine eigene Mehrheit im Kreistag hat, ficht ihn nicht an. „Ich gehöre nicht zu den Menschen, die polarisieren. Ich werde mit allen Demokraten offen reden“, ist er überzeugt, für gute Ideen und Projekte auch Mehrheiten organisieren zu können. „Bei vielen Abstimmungen spielt es eigentlich keine Rolle, aus welcher Partei das Kreistagsmitglied kommt, sondern auch welcher Gemeinde“, sagt Münstermann. Er trete an, um die Kommunen im Kreis finanziell zu entlasten. Es müsse im Interesse aller Politiker sein, angesichts dieses Ziels mitzuarbeiten.

Doch wie will er das Ziel erreichen? „Ich bin Realist genug, um keine Wunder und Spontanheilungen zu versprechen“, erklärt Münstermann. Doch drei Arbeitsgruppen sollen Möglichkeiten ausloten, Vorschläge diskutieren und neue Wege suche. Eine Arbeitsgruppe besteht nur aus der Kreisverwaltung, die andere aus der Verwaltung und den Fraktionen, die dritte aus der Verwaltung und allen Bürgermeistern. „Ich möchte alle Entscheidungsträger einbeziehen, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden“, sagt Münstermann, der sich selbst als „Teamplayer“ sieht. Ein Mannschaftsspieler, der den Hang zum Spielführer habe, räumt er augenzwinkernd ein.

Möglichkeiten, Kosten zu senken, könnten kreisübergreifende Kooperationen von Verwaltungen sein. In einem Punkt spricht er sich gegen SPD-Forderungen im Kreistag aus. Eine Schließung des Kreuzauer Freizeitbades stehe nur dann zur Debatte, „wenn ich hundertprozentig weiß, was mit den Mitarbeitern passiert“, betont der Kandidat.

Die Wirtschaftsförderung möchte Münstermann zur Chefsache machen. Mit den Kommunen soll das Kreisgebiet „auf Augenhöhe“ vermarktet werden. Mit Blick auf einen anstehenden Strukturwandel möchte er Unternehmen ansiedeln, in denen die bisher in der Energiebranche tätigen Menschen arbeiten könnten. „Ein Schlosser findet schließlich nicht nur in einem Kraftwerk Arbeit“, sagt Peter Münstermann. Parallel dazu möchte er sich dafür einsetzen, dass auch Düren einen Ableger einer Hochschule bekommt. „In den Bereichen Medizin oder Maschinenbau sollte das möglich sein.“

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