Düren - „Peter Baumgärtners Emotions”: Auf der Klaviatur der Gefühle gespielt

„Peter Baumgärtners Emotions”: Auf der Klaviatur der Gefühle gespielt

Von: Hannes Schmitz
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Sie standen für einen Abend voller Emotionalität, aber ohne Gefühlsduselei: Peter Baumgärtners Emotion. Foto: Schmitz

Düren. Ein cooles Jazz-Quartett mit einem kammermusikalischen Konzept gastierte im Foyer des Evangelischen Gemeindehauses und verstand es, auf der Klaviatur der Gefühle zu spielen.

Soft, barjazzig, bluesig, feurig, überraschend: Handgemachte Musik präsentierten „Peter Baumgärtners Emotions”. Keine Verstärker, purer Jazz. Da standen Musiker auf der „Erdbühne”, die den Kontakt zum Publikum suchten und mit ihrem traumwandlerischen Zusammenspiel glänzten. Ein Musikteppich wurde gewoben, der vor allem den Tenorsaxofonisten Matthias Nadolny mit seinem wandlungsfähigen, stets individuellen Ton trug.

Tiefer gehendes Klangbild

Sein luftiger Subtone-Sound und seine besonders weiche Art zu spielen erzeugten ein tiefergehendes Klangbild und unterstrich damit auf bemerkenswerte Weise den Namen der Formation, die Programm ist. „Emotions” meinte dabei keine Gefühlsduseleien, sondern eine Emotionalität, die sich auf verschiedenen Ebenen abspielte.

Selten gespielte Standards, Kompositionen befreundeter Kollegen, liebevolle Arrangements führten zu einem Gesamteindruck, der berührte und zu einem Zuhören verführte, das Gefühlsschwankungen fast automatisch unterlag.

Das Publikum wurde in das kontemplative Spiel des Quartetts völlig einbezogen, staunte über ein Piano-Solo von Jörg Siebenhaar, das urplötzlich in einen musikalischen Dialog mit dem Bassisten Konstantin Wienstroer mündete. Klavier und Bass standen in einem Zwiegespräch, einem musikalischen Rede- und Antwortspiel, bis der Bass dann die Solofunktion übernahm.

Die Tonläufe faszinierten, auch wenn die anderen Instrumentalisten ihre Konversation pflegten. Verdutzt war das Publikum, als der Saxofonist die Zuhörer fragte, ob sie das Volkslied erkannt hätten, das er gerade gespielte hätte. Eine Melodie „Im Frühtau zu Berge” versteckt unter Improvisationen und der allgemeinen nicht ernstzunehmenden Erkenntnis: „Der Blues stammt aus der Eifel”.

Im Dienst des Gesamtklangs

Erstklassig an den Drums war Peter Baumgärtner. Der Schlagzeuger stellte sein Spiel in den Dienst des Gesamtklangs. Kein Solo, allenfalls kurztaktige Improvisationen mit dem Saxofon.

Er blieb eher im Hintergrund, setzte aber dennoch Akzente, wenn es darum ging, die vielfältige Schichtung der Stücke, wie beim irischen Volkslied „The Water is wide” oder Kirklands „Dienda”, das auch Sting coverte, herauszuarbeiten und mit Bass und Piano einen exzellenten Groove zu entwickeln. Und als der blinde Pianist Jörg Siebenhaar dann zum Akkordeon griff, war das Publikum verblüfft.

Das Genre wurde gewechselt, der Tango zog ein, heißblütig und melancholisch. Das Stück „Tango du Tailleur”, der Tango des Schneiders, stand symbolhaft für einen maßgeschneiderten Abend.
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