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Personelle Veränderungen im Franziskuskloster

Von: Stephan Johnen
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Die Kartons sind noch nicht al
Die Kartons sind noch nicht alle ausgepackt: Pater Michael Blasek (links) ist neuer Schulseelsorger am Franziskus-Gymnasium. Bruder Wolfgang Mauritz, bislang Vikar des Konvents, ist neuer Hausoberer in Vossenack. Foto: Johnen

Vossenack. Schule, Internat und Kultur. An diesem Dreiklang halten die Franziskaner in Vossenack fest. Das vergangene Jahr hat zwar personelle Veränderungen für den Konvent gebracht, doch an der Arbeit vor Ort ändert dies nichts.

Mit Pater Michael Blasek OFM lebt und arbeitet seit wenigen Tagen ein neuer Schulseelsorger für das Franziskus-Gymnasium in Vossenack. Und Bruder Wolfgang Mauritz OFM, bislang Vikar des Konvents, ist neuer Hausoberer, bei den Franziskanern Guardian genannt.

Der 55-Jährige hat damit die Nachfolge von Pater Athanasius Spies angetreten, der Guardian in Düsseldorf wurde. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, das Haus nach außen weiter zu beleben und die Gemeinschaft im Haus stärker zusammenwachsen zu lassen”, sagt Bruder Wolfgang. Vossenack soll weiter ein Ort der Gastfreundschaft bleiben. „Ich hoffe zumindest, dass wir das sind”, fügt der Guardian augenzwinkernd hinzu.

„Fühle mich nicht als Abt”

Als die Bitte an ihn herangetragen wurde, das Amt des Hausoberen zu übernehmen, sei ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen. „Ich fühle mich nicht als Abt”, sagt Bruder Wolfgang, „sondern vielmehr als Diener. So sehe ich das Amt.”

Die Aufgaben des Hausoberen beginnen beim „Aussuchen des Waschmittels für die Waschküche bis zur Übernahme der Vollmacht bei Krankheitsfällen im Konvent”, erklärt der Guardian. Zudem zeichnet er in einem gewissen Rahmen für die Finanzen der Hausgemeinschaft verantwortlich und ist geborenes Mitglied des Provinzkapitels.

Dieses Gremium trifft sich regelmäßig zur Beratung und Entscheidung aller Anliegen der Franziskaner in Deutschland. Als „Definitor” ist Pater Michael sogar Teil der Provinzregierung. Ein Glücksfall für Vossenack, findet Bruder Wolfgang. „Unser Kloster liegt weit im Westen und entschieden wird in München. So fühlen wir uns mit unseren Anliegen ganz anders vertreten”, sagt der Guardian.

Es war ihm bei seiner Entscheidung, das Amt zu übernehmen, auch wichtig, dass das „kleine Kloster” in Vossenack in der Provinz weiter auf dem Schirm bleibt. Ein Stück weit sei auch das Leben im Orden manchmal wie die große Politik.

Auf den ersten Blick mag das Kloster in der Eifel untypisch für Franziskaner sein. Die Brüder lebten seit jeher mitten unter den Menschen. Immer dort, wo die Not groß war, ließen sie sich nieder, meist in den Außenbezirken der Städte.

Franziskaner setzen sich in Menschenrechtsgruppen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein, sie betreiben Notunterkünfte und Suppenküchen, sind in der Mission tätig oder stehen als Seelsorger in Altenheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen den Menschen bei. „Wir machen alles und nichts, das ist unser Profil”, sagt Bruder Wolfgang betont spitz formuliert und lacht.

Doch was führte sie in die Eifel? „Auch in Vossenack war die Not groß, weil es keine Schule gab”, blickt der Guardian zurück. Nach und nach entstanden mit dem Gästehaus und dem Kloster-Kultur-Keller neue spirituelle und kulturelle Angebote. Mit ihren Schulen in Vossenack und im hessischen Großkrotzenburg wollen die Franziskaner ein anderes Bildungsideal prägen.

„Es geht nicht um Dogmen und nicht um Katechismus. Es geht um die Frage: Was trägt mein Leben”, erklärt Pater Michael, warum Schulseelsorge für ihn eine so wichtige Aufgabe ist. Gleichzeitig sei die Frage „Was trägt mein Leben” auch ein Grundgedanke des franziskanischen Ansatzes von Pädagogik. „Wir sehen den Menschen als Menschen - und nicht als Leistungsträger”, erklärt Pater Michael.

Es gehe im Schulalltag nicht nur um gute Noten, sondern auch um Solidarität, um das Abwenden von allen Formen der Gewalt und um das Mitdenken, die kritische Haltung, um die Orientierung im Leben. „Als Seelsorger stehe ich außerhalb des Systems. Die Schüler stellen mir keine Glaubensfragen, aber sie reden über Dinge, die der Seele wehtun”, berichtet der 47-Jährige von seinen Erfahrungen in Großkrotzenburg. Dort war er zehn Jahre Schulseelsorger, bevor er zuletzt fünf Jahre lang die Ausbildung des Ordensnachwuchses leitete.

Franziskaner wurde Michael Blasek, der sich auch künstlerisch betätigt und gerade ein eigenes Atelier in Vossenack einrichtet, eher durch Zufall. Er wollte Lehrer werden und leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr in Großkrotzenburg. Seine Arbeitskollegen - der Schreiner, der Gärtner, der Schneider - waren Franziskaner und „authentische Kerle”, wie Pater Michael es nennt. „Manchmal haben die sich richtig gezofft. Und ich war beeindruckt, dass so etwas möglich ist”, berichtet der Seelsorger.

Zumal sich alle auch wieder vertragen haben. Es erinnerte ihn an manche Auseinandersetzung mit den eigenen Brüdern. Die jugendliche Neugier, die ihn ins Kloster führte, wurde zur Berufung. „Es war keine schlechte Entscheidung”, sagt Pater Michael.

Übrigens möchte Pater Michael nur mit „Bruder” angesprochen werden. „Franziskus hat eine Art Demokratie eingeführt und die damals in den Orden übliche Zwei-Klassen-Gesellschaft abgeschafft”, sagt Bruder Michael. Für ihn stehe kein Priester auf einer höheren Hierarchiestufe. „Nur die Römer haben das bis heute noch nicht kapiert.”
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