Düren - Personalreserven ausgeschöpft: Mehr Ausbildung statt Notfallverwaltung

Personalreserven ausgeschöpft: Mehr Ausbildung statt Notfallverwaltung

Von: Stephan Johnen
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Sind immer auf der Suche nach neuen Kollegen: Hans-Werner Klinkhammer und Henriette Beeck. Foto: sj

Düren. Was gibt es besseres, als bei einem Arbeitgeber zu arbeiten, der per Gesetz nicht pleite gehen kann? Jobs in der Kommunalverwaltung galten jahrzehntelang als äußerst sicher. Und der Volksmund wusste schon immer, dass sich bei Kommunen noch niemand überarbeitet hat.

Hans-Werner Klinkhammer, Leiter des Personalamts der Stadt Düren, nennt einige Zahlen, um mit Klischees aufzuräumen: Zum Ende des laufenden Jahres liegen bei den rund 890 Mitarbeitern der Verwaltung etwa 33.000 Überstunden und 6600 Tage Resturlaub vor.

„Rechnerisch sind das 49 Vollzeitstellen“, sagt Klinkhammer. Werden die vorhandenen offenen Stellen und der Krankenstand eingerechnet, wird die Luft in der Verwaltung immer dünner. „Wir spüren den Wettbewerb um die Auszubildenden immer stärker“, blickt Klinkhammer auf den demografischen Wandel. Manche Stelle bleibt monatelang unbesetzt, weil es kaum geeignete Bewerber gibt, gerade junge Mitarbeiter verlassen das Rathaus, weil sie an anderen Stellen bessere Karrierechancen sehen.

Statistisch sind es nur sechs bis sieben von zehn angehenden Inspektoren im gehobenen Dienst, die nach dem Studium bei der Stadt bleiben. Es ist nicht so, dass es in Düren keine Tätigkeit für sie gibt. „Wir haben keine Reserven mehr beim Personal“, sagte der Personalamtschef jüngst bei der Vorstellung seines Amtsbudgets vor der Dürener Politik. Doch die Stadt verliert beispielsweise Mitarbeiter an andere, kleinere Kommunen - und besonders an den Kreis. Ein Phänomen, das sich auch bei der hauptamtlichen Abteilung der Feuerwehr beobachten lasse.

Ein frischgebackener Mitarbeiter im gehobenen Dienst könne beim Kreis bereits nach vier Jahren befördert werden, bei der Stadt dauert es aufgrund der Haushaltslage sechs Jahre. „Heute wird schon wegen einer Besoldungsstufe gewechselt“, sagt Klinkhammer. „Es mus uns gelingen, die jungen Kollegen besser an unser Haus zu binden.“ Das Argument „Sicherheit“ allein reiche nicht aus. Auch auf Fragen zu flexiblen Arbeitszeiten, Fortbildungen und Heimarbeit müsse eine moderne Verwaltung, die mit der freien Wirtschaft um die klugen Köpfe ringt, Antworten finden.

Ein Grund, warum mancher Mitarbeiter zu anderen Kommunen abwandert, sei auch in der Umstellung des einstigen Diplom-Studiengangs auf ein Bachelor-Studium begründet. „Kleinere Kommunen können dies kaum stemmen“, sagt Henriette Beeck, Ausbildungsleiterin bei der Stadt. In fünf Modulen müssen neben der allgemeinen theoretischen Ausbildung auch Praxisprüfungen gemeistert werden. „Kleine Verwaltungen, in denen viele Ämter zusammengefasst werden, bekommen das in der notwendigen Tiefe personell kaum hin“, sagt Klinkhammer. Mancher Kandidat gehe auch „auf dem Weg verloren“, weil er eine Klausur im Wiederholungsfall nicht packe.

Ein wichtiger Schritt zum Gegensteuern sei die jüngst beschlossene Erhöhung der Ausbildungszahlen, findet Klinkhammer. Bislang wurden – auch um den Haushalt zu schonen – nur zwei Azubis für den gehobenen Dienst und zwei für den mittleren Dienst pro Jahr eingestellt. Faktisch habe die Verwaltung damit kaum die aus Altersgründen oder wegen Krankheit ausscheidenden Mitarbeiter ersetzen können. „Wir haben oft den Notstand verwaltet“, sagt der Amtsleiter.

Ab 2014 werden fünf junge Leute für den gehobenen Dienst, fünf für den mittleren Dienst und fünf Fachangestellte ausgebildet. Mit einer gezielten Nachwuchskräfteförderung, mit der die Stadt für den gehobenen Dienst in den vergangenen zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht habe, sollen Mitarbeiter darauf vorbereitet werden, Schritt für Schritt mehr Verantwortung und Aufgaben zu übernehmen. Dieses Angebot soll auch auf den mittleren Dienst ausgeweitet werden. Das Durchschnittsalter in der Verwaltung beträgt 45 Jahre, ab der Ebene der Sachgebietsleiter 57 Jahre. „Von 20 Amtsleitern werden im Jahr 2022 nur noch fünf im Dienst sein“, gibt Klinkhammer zu bedenken. Es müsse gelingen, einen Wissenstransfer zwischen Jung und Alt zu etablieren. Aufstiegschancen gebe es bei der Stadt genug.

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