Düren - Pegah Ferydoni bei Musik-Lesung zu Anne Frank im Haus der Stadt

Pegah Ferydoni bei Musik-Lesung zu Anne Frank im Haus der Stadt

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Pegah Ferydoni liest am Donnerstag aus den Tagebüchern von Anne Frank. Foto: René Päpke

Düren. Die meisten kennen die Schauspielerin Pegah Ferydoni aus der ARD-Fernsehserie „Türkisch für Anfänger.“ Sie spielte eine der Töchter der türkisch-deutschen Patchworkfamilie Öztürk-Schneider. Kürzlich war sie neben Christoph Maria Herbst als Hauptdarstellerin des Kinofilms „300 Worte Deutsch“ zu sehen.

In dieser Woche kommt sie mit ihrer Musik-Lesung „Anne Frank“ ins Haus der Stadt nach Düren. Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Anke Holgersson spricht die Schauspielerin über die Aktualität der Tagebücher von Anne Frank.

Wann haben Sie Anne Frank zum ersten Mal gelesen? Wie haben Sie diese literarische Begegnung erlebt?

Pegah Ferydoni: Das muss in der 6. Klasse gewesen sein. Da war ich etwa zwölf Jahre alt und völlig fassungslos darüber, welches schlimme Schicksal dieses Mädchen, das so dachte und fühlte wie ich, ertragen musste. Dass sie im KZ ermordet wurde, obwohl sie nichts von mir und meinen Schulfreunden unterschied. Nur weil sie Jüdin war und zu einer anderen Zeit lebte. Das fand ich sehr schlimm. Sie war für mich wie eine Freundin in Gedanken.

Ihrer musikalischen Lesung liegen ja nicht nur die Tagebücher, sondern auch bisher unveröffentlichte Briefe zugrunde, also die kürzlich erschienene Gesamtausgabe ihrer Texte. Haben Sie über ihre Briefe etwas Neues über sie erfahren?

Ferydoni: Es ist wirklich bemerkenswert, dass Anne Frank ihre Tagebuchaufzeichnungen ganz bewusst für ein Publikum geschrieben hat, in dem Bewusstsein und Wunsch, dass diese eines Tages veröffentlicht werden würden. Die hat sie auch immer wieder überarbeitet. In ihren Briefen findet man eine privatere und sehr liebevolle Seite. Sie hing sehr an ihrer Familie. Vor allem aber ihre Erzählungen waren mir völlig neu. Sie zeugen von ihrem frühen literarischen Talent.

Was hat Anne Jugendlichen von heute zu sagen?

Ferydoni: Mein Lieblingszitat von ihr lautet: „Wie herrlich ist es, dass niemand auch nur eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu verändern!“. Bei jeder Lesung erlebe ich, dass diese jugendliche Ungeduld, gepaart mit Zuversicht, das Publikum besonders elektrisiert.

Wie wurde die Musik zu Ihrer Lesung ausgewählt?

Ferydoni: Die Musiktitel wurden von meinen beiden Kolleginnen Lauma Skride am Klavier und Franziska Hölscher an der Violine wunderbar zusammengestellt und interpretiert. Es handelt sich größtenteils um Werke deutscher Komponisten, die während des NS-Regimes verboten oder verfolgt wurden.

Ihre Lesung bringen Sie schon seit einiger Zeit auf deutsche Bühnen. Hat sich Ihr Vortrag mit der aktuellen gesellschaftlichen Situation, also mit dem wieder aufkeimenden Rassismus, verändert?

Ferydoni: Der Rassismus war nie weg, er ist nur sichtbarer geworden. In diesen Zeiten, in denen kostümierte Nazis wie die AfD und Pegida die Gesellschaft zu spalten versuchen, brauchen wir dringend die Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Fremden und dem „Anderssein“. Wir brauchen gemeinsame Vorbilder. Anne Frank kann so eine Identifikationsfigur für viele sein. Sie zeigt uns mit Wärme und Humor, wofür es sich zu leben und zu kämpfen lohnt. Damit sich die Geschichte eben nicht wiederholt, und damit wir es schaffen, „braunes“ Gedankengut und Menschenfeindlichkeit sofort zu erkennen, zu benennen und zu stoppen, wo wir können.

Würden Sie Jugendlichen raten, Annes Tagebücher selbst zu lesen?

Ferydoni: Unbedingt. Sie werden sehen, dass die Jugend „von damals“, egal wo und unter welchen Umständen sie gelebt hat, die gleichen Probleme und Gedanken hatte wie die Kids von heute. Anne Franks Schriften geben uns allen das nötige Verständnis und Mitgefühl, um unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.

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