Patronatsfest: Marienkapelle blickt auf 80 Jahre

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
10659438.jpg
Der Aachener Weihbischof Karl Borsch hielt am Samstagabend die Festmesse in der Marienkapelle in Simonskall. Foto: Gudrun Klinkhammer

Simonskall. Der Verein der Freunde und Förderer der Marienkapelle mit Sitz in Simonskall im idyllischen Kalltal und die Katholische Kirchengemeinde St. Josef Vossenack verzeichneten am Samstagabend ein selten gut besuchtes Gotteshaus.

Zu den 80 Stühlen, die im Kirchenraum standen, wurden noch einige schlichte Holzbänke gestellt. Zudem nahmen viele Besucher auch vor der Kapelle auf Mauervorsprüngen Platz. Auf dem Programm im 54-Seelenort stand die Feier zum 80-jährigen Bestehen der Marienkapelle genau am Patronatsfest, an Mariä Himmelfahrt. Der Aachener Weihbischof Karl Borsch zelebrierte das Festhochamt, Konzelebranten waren Pfarrer Axel Lautenschläger und Pater Alfred Dyr.

Sichtlich wohl fühlte sich der Weihbischof im urigen Ort an der Kall. Borsch: „Eigentlich sollte Weihbischof Dr. Johannes Bündgens die Jubiläumsmesse halten, doch ist er heute Abend noch anderweitig im Einsatz, so dass ich mich freue, hier sein zu dürfen.“ In seiner Predigt ging Borsch darauf ein, dass es nicht Sinn des Glaubens sei, zu machen und selber alle Hebel in Bewegung zu setzen, sondern zu empfangen.

Borsch: „Das alles Entscheidende kann man nur empfangen, nicht machen.“ Symbolisch für diese Art des Denkens nannte er die Gottesmutter Maria. Weiter gehörte die Segnung der Kräutersträuße, die die Gläubigen in den Händen hielten und die in einem großen Korb im Altarraum standen, zum Ablauf. Die Orgel spielte während der Liturgie Gerold Blasig. Nach der Messe traf sich die Festgemeinde am Fuß des Kapellenberges zum musikalischen Dämmerschoppen. Für die Musik sorgte der Franziskus-Chor Vossenack unter der Leitung von Gerhard Hachmer. Die rund 30 Choristen, Frauen und Männer, trugen diverse Volkslieder vor, zudem das „Simonskaller Lied“ im vierstimmigen Chorsatz. Ein kleines Infoheftchen zu diesem besonderen Lied stellte anlässlich des Kapellenjubiläums Peter Renzel zusammen.

Autor und Komponist des Simonskaller Liedes ist „Kaplan Knibbeler“, wie er seit dem Zweiten Weltkrieg in Simonskall genannt wurde. Dank eines Zufalls sah Peter Renzel vor zwei Jahren im Lokalteil des neuen Gotteslobs für das Bistum Aachen unter der Nummer 702 „Glaubenszeugen der NS-Zeit aus dem Bistum Aachen“ die Zeile „Kniebeler, Theodor; 1909 Eschweiler – 2. April 1944 Sufauern/Ostpreußen“.

Renzel: „Der Name wurde zwar anders geschrieben, aber seine Geschichte passte haargenau zu der Geschichte, die man sich über Kaplan Knibbeler in Simonskall erzählte.“ Renzel forschte und fand unter anderem im Archiv von Pfarrer Ludwig Kamm in Tönisvorst-Vorst (Kreis Viersen) eine Schreibmaschinenseite von 1937, bei der es sich wahrscheinlich um die Urfassung des „Simonskaller Liedes“ handelt. Weitere Einzelheiten sind in der kleinen Broschüre zu finden, die bei Peter Renzel unter der E-Mail peter.renzel@gmx.de geordert werden kann.

Die Kapelle besteht vermutlich seit dem 18. Jahrhundert. In den 1920er Jahren nahm die Zahl der Gottesdienstbesucher in der Kapelle durch den zunehmenden Fremdenverkehr zu. Der Platz reichte nicht mehr aus. „Am 17. Oktober 1930 wurde der Kapellenbauverein Simonskall gegründet“, schrieb Berthold Rüttgers, der jetzige Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Marienkapelle Simonskall, 1984 im Heimatjahrbuch „Das Monschauer Land“.

Franz Scholl Senior, in den 1930er Jahren Burgherr in Simonskall, stiftete das Grundstück für den Neubau. 1935 wurde die Kapelle St. Mariä Himmelfahrt geweiht. Am Bau der Kapelle waren diverse Gönner beteiligt. So steuerten der Dürener Zeitungsverleger Carl Hamel und andere über 20.000 Reichsmark (entspricht etwa 80.000 Euro) bei.

Die Gesamtkosten

Die Gesamtkosten des Baus beliefen sich auf rund 27.000 Reichsmark. Im Krieg wurde die kleine Kapelle kaum zerstört, altersbedingte Verschleißerscheinungen wie Dachreparaturen, die Erneuerung der Glockenaufhängung, eine neue Heizung, neue Bestuhlung und vieles mehr müssen jedoch immer wieder finanziell abgefangen werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert