Pater Daniel Züscher möchte Halt geben

Von: Stephan Johnen
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Seit Januar ist der Pater Leiter des Franziskus-Internats in Vossenack. Untätig war der 44-Jährige in seinem ersten Monat nicht: Er und sein Erzieherteam haben die Konzeption des Internates mit seinen 60 Plätzen neu ausgerichtet. Foto: Johnen

Vossenack. Wohlstandsverwahrlosung - so lautet eines der Wörter, die Pater Daniel Züscher ofm in den Mund nimmt, wenn er die gesellschaftlichen Entwicklungen beschreibt. Er spricht dann von Sättigung, ja Übersättigung. „Was macht beispielsweise ein 14-Jähriger, der bereits alles erlebt hat, der alles hat?”, fragt Pater Daniel.

„Wo ist das Maß?” In einer Zeit der „Beliebigkeit und Unverbindlichkeit” möchte er verbindliche Grenzen setzen, Halt geben, Talente fördern.

Seit Januar ist der Pater Leiter des Franziskus-Internats in Vossenack. Am kommenden Sonntag wird er offiziell in das Amt eingeführt. Untätig war der 44-Jährige in seinem ersten Monat nicht: Er und sein Erzieherteam haben die Konzeption des Internates mit seinen 60 Plätzen neu ausgerichtet.

Gab es bislang drei Stufen, die innerhalb der Altersgruppe auf sich bedacht waren, wird das Internat ab Februar als „Haus der Gemeinschaft” geführt. „Die Schüler sollen eine große Familie erleben, ohne Hackordnung”, erklärt Pater Daniel das Konzept. Alle ziehen in ein Haus, es gibt gemeinsame Projekte, es wird gemeinsam gegessen, die Älteren sollen sich beispielsweise bei Hausaufgaben auch um die Jüngeren kümmern. „Eine starke Gruppe kann schwächere Schüler mittragen”, ist der Erzieher überzeugt.

Das „Haus der Gemeinschaft” soll auch eine Antwort auf die Entwicklungen in der Gesellschaft sein. Patchwork-Familien, getrennt lebende Eltern, oder Eltern, denen aufgrund ihrer Berufstätigkeit die nötige Zeit für die Kinder fehlt - so sehe oftmals der Alltag aus. „Wir wollen die Familie wieder beleben”, sagt Pater Daniel. Die Eltern sollen verstärkt in das Internatsleben eingebunden werden, die klaren Regeln des Internats jedoch auch am Wochenende, wenn die Kinder zu Hause sind, nicht über Bord geworfen werden. Das Internat könne dabei niemals die Familie ersetzen, sie aber unterstützen.

„Antwort auf offene Fragen”

Neben schulischer Förderung sollen den Kindern auch franziskanische Werte vermittelt werden. Sie sollen lernen, sich wieder an etwas zu binden. An Menschen, aber auch an Ideen. An den Erhalt der Schöpfung beispielsweise. „Ich muss wissen, wie ein Brot gemacht wird, damit ich es nicht achtlos wegwerfe”, bringt Pater Daniel ein Beispiel.

„Leben lernen mit allen Sinnen”, umschreibt der Internatsleiter das Konzept. Es gelte, Freiräume zu lassen, aber auch klare Linien bei der Erziehung zu haben. Eingebunden werden sollen auch Vereine aus der Nachbarschaft. Das Internat soll sich öffnen - und wachsen. Pater Daniel: „Es soll keine Gegenbewegung zur Gesellschaft sein - sondern eine Antwort auf offene Fragen.”
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