Düren - Pater Anselm Grün spricht in der Annakirche

Pater Anselm Grün spricht in der Annakirche

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
Pater Anselm Grün
Pater Anselm Grün spricht im Rahmen des Jubiläums der Lebens- und Trauerhilfe in der Annakirche.

Düren. In der Ruhe liegt die Kraft. Wer sich Anselm Grün (64) gegenüber sieht und etwas von seiner Ausstrahlungskraft verspürt, dem mag dieses Sprichwort in den Sinn kommen.

Gemessen an seinem Ruhm als Buchautor und Redner, etwa auf Kirchentagen, wirkt der Benediktiner-Mönch und Priester aus der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg unprätentiös und gerade darum eindringlich. Hunderte von Menschen haben diese Kraft in der Annakirche nun verspürt. Pater Anselm war zum zehnten Geburtstag der Lebens- und Trauerhilfe in das Gotteshaus gekommen. Titel des Programms, dem er zusammen mit dem Flötisten Hans-Jürgen Hufeisen und dem Keyboarder Oskar Göpfert Leben und Gestalt gab: „Entdecke das Kind in Dir”.

Subtile Art

Der Gast - der Verkauf seiner mehr als 300 Bücher geht weltweit in die Millionen - wirkt, gerade weil er auf fulminante rhetorische Mittel wie etwa eine dramatische Stimmführung verzichtet. Er spricht eher leise, hebt oder senkt den Ton selten - eine subtile Art, das Publikum zum Zuhören zu bringen. Sparsam, aber effektiv setzt der katholische Geistliche seine Hände ein, formt und unterstreicht das, was er sagt.

Mucksmäuschenstill wird es, als Pater Anselm das Wort ergreift. Pfarrer Toni Straeten und Astrid Küpper, der Vorsitzende der Lebens- und Trauerhilfe und seine Stellvertreterin, haben ihn zuvor willkommen geheißen. Hans-Jürgen Hufeisen, der profilierte Künstler, hat mit seinem Flötenspiel zudem die Frauen und Männer in der Kirche aus der hektischen Welt des Alltags in die Sphären des Spirituellen geführt. Dann tritt Pater Anselm vor das Mikrofon. Über dem schwarzen Ordenskleid der Benediktiner hat er eine Stola angelegt, auf der von unten Rot hochzüngelt als wären es die Flammen des Heiligen Geistes.

Was Pater Anselm zu sagen hat, handelt aber nicht nur von geistlichen Gütern - es stellt auch ein Stück Lebens- und Trauerhilfe dar. Das „göttliche Kind in uns”, von dem während der rund eindreiviertelstündigen Veranstaltung immer wieder die Rede sein wird, ist nicht zuletzt ein Bild, ein heilendes Instrument, mit dem der Autor die an der Welt, dem eigenen Los und/oder dem Tod von Angehörigen innerlich wund gewordenen Nächsten wieder heil werden lassen will. Seine unverwechselbare Sprache findet er, indem er Bilder biblischen Ursprungs und solche aus der christlichen Mystik mit Bestandteilen aus der Psychologie verbindet.

Das Bild vom Kind soll dabei helfen, „ganz Mensch zu werden”. Es gebe aber nicht nur das „verletzte Kind” oder das „ausgesetzte Kind”, so der Pater weiter, sondern auch das „göttliche Kind in uns, das weiß, was für uns gut ist”. Dabei legte er offen, dass in seinem Tun und Reden Therapeutisches eine bedeutende Rolle spielt: „Unser inneres göttliches Kind macht uns Mut, Lebensträume zu leben.” Und: „Das ist ein Bild, das uns lebendig macht.”

Doch es gibt nicht nur weise Wortes eines Mannes, der im Kloster lebt und dabei nie die Welt aus dem Blick verliert. „Entdecke das Kind in Dir” wirkt auch durch das reibungslose Miteinander von Sprache und Musik. Denn kaum hat Pater Anselm etwas zum Thema „Trauer” gesagt, erklingt ein Lamento, ein Trauergesang aus Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas” in einer Instrumentalversion.

Einklang und doch Verschiedenheit - eine Harmonie, in der jeder Beteiligte seine Eigenheit behält und doch ein einziger Grundton angeschlagen hat: So war dieser Abend in der Annakirche.
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