Aachen/Düren - Partnerin bewusst mit Aids infiziert? 43-Jähriger vor Gericht

Partnerin bewusst mit Aids infiziert? 43-Jähriger vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Partnerin bewusst mit Aids infiziert? Ein 43-Jähriger muss sich seit Montag vor Gericht verantworten.

Aachen/Düren. Einer Anklage wegen Körperverletzung muss sich vor dem Aachener Landgericht der 43-jährige Glenn G. stellen. Dies aus einem Grund, der alles andere als alltäglich ist: Der aus Köln stammende Mann hatte mit drei Frauen ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen, obwohl er seit dem Jahr 2007 HIV-positiv getestet wurde.

Angezeigt wurde er von einer Frau aus Vossenack, die er mutmaßlich im Frühjahr 2014 beim Sex angesteckt hatte. Sie trennte sich nach dem positiven Test sofort von ihm. Zwei weitere Sexpartnerinnen hatten Glück, bei ihnen wurde bislang keine Aids-Infektion festgestellt.

Ungeschützter Verkehr

Die früher oftmals tödlich verlaufende Virusinfektion war bei dem zuletzt in Aachen bei einer Supermarktkette tätigen Vater eines zwölfjährigen Sohnes bislang unauffällig verlaufen, wie er der 8. Großen Strafkammer erläuterte. Er ist wegen 56-facher Körperverletzung beziehungsweise versuchter Körperverletzung angeklagt.

Die tragische Geschichte begann bei einer Routineuntersuchung seiner damaligen Ehefrau im Jahr 2007. Das Paar war gemeinsam wegen Halsschmerzen, die die Ehefrau und Mutter des gemeinsamen Sohnes nicht weg bekam, zur Kölner Uniklinik gegangen. Die Untersuchung ergab nichts, die Ärzte ordneten aber vorsorglich einen Aids-Test an. Das Ergebnis war tragisch: Bei ihr wurde der HIV-Virus gefunden, und auch er war infiziert.

Es sei in der Folge zu gegenseitigen Vorwürfen gekommen, schilderte Glenn G. dem Gericht. Keiner der Ehepartner hatte die Verantwortung übernehmen wollen, die Beziehung zerbrach. In Sachen Virustätigkeit – die Krankheit ist bei G. nicht ausgebrochen – hatte der Mann mehr Glück als seine Ex-Frau. „Meine Viruslast ist niedrig“, beschrieb er seinen Zustand, die seiner Ehefrau war viel höher.

Die Krankheit habe aber selbstverständlich in seinem sozialen Umfeld und an den späteren Arbeitsstellen eine Katastrophe versursacht. In Aachen begab er sich schließlich bei einem bekannten Aids-Spezialisten in Behandlung. Das Zerbrechen seiner Ehe und erneut die aktuelle Situation mit seiner Partnerin aus Vossenack hätten ihn zeitweise völlig aus der Bahn geworfen. Er trank stark und ließ sich 2014 in einer Entzugsklinik therapieren.

Aus dem Handy erfahren

Der ungeschützte Sex mit seiner neuen, 41-jährigen Partnerin habe sich einfach so ergeben, versuchte er die Sache vor dem Richter zu bagatellisieren. Erst nahmen sie Kondome, dann sei es „im Eifer des Gefechts einfach ohne“ passiert.

Die Zeugin sagte vor Gericht, sie sei immer noch völlig geschockt von dem Vorfall. Sie könne einfach nicht begreifen, dass sie jetzt auch HIV-positiv sei. Von seiner Infektion hatte sie beim Checken seines Handys erfahren, da war die Seite des Aachener Arztes gespeichert. Der Prozess vor dem Landgericht wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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