Parkinson kann zehn Jahre hinausgezögert werden

Von: Gudrun Klinkhammer
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Sport hilft den Parkinsonpatienten, ihre Krankheit besser ertragen zu können. Foto: dpa
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Dr. Norbert Kirch, Elmar Rautenberg und Gertrud Schmitz (v.li.) gehören der Selbsthilfegruppe in Düren an. Foto: gkli

Düren. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mir passiert, aber es kann jedem passieren“, sagt Gertrud Schmitz, 66 Jahre alt. Seit 13 Jahren leidet die ehemalige Krankenschwester an Parkinson. Sie gehört mit Dr. Norbert Kirch und Elmar Rautenberg der Selbsthilfegruppe (SHG) Parkinson in Düren an, die sich regelmäßig trifft, um sich auszutauschen und Sport zu treiben.

Gertrud Schmitz verspürte, als die Krankheit bei ihr ausbrach, zunächst ein Zittern im Bein. Schmitz: „Das war unüblich, denn in der Regel beginnt Parkinson in den Armen.“ Zunächst wurde das Symptom bei Gertrud Schmitz als psychisches Problem gesehen. Ein Jahr lang wurde sie psychotherapeutisch behandelt. Dann wurde jedoch klar, dass es sich um Parkinson, auch „Zitterkrankheit“ genannt, handelt.

Dr. Norbert Kirch war bis vergangenen März der Leiter der SHG in Düren. Der 76-jährige Physiker ist seit 15 Jahren betroffen. Er weiß: „Parkinson ist nicht heilbar, doch die Medikation ist auf hohem Niveau. Gut zehn Jahre kann die Krankheit hinausgezögert werden.“ Die Medikamente, die den Parkinsonpatienten verabreicht werden, haben Nebenwirkungen wie Wasser in den Beinen, Herzprobleme, Osteoporose, Halluzinationen und Depressionen. Nach Jahren muss die Medikation in der Regel erhöht werden und kann so zu Überbeweglichkeit und Bewegungsstarre führen.

Daher ist es für Betroffene sehr hilfreich, weitere Unterstützungsmöglichkeiten kennenzulernen. So können bestimmte Vitamine und auch Nahrungsmittel dem Patienten gut tun. Kirch: „Hilfreich, etwa bei Muskelstarre, die zum Beispiel beim Gehen plötzlich auftreten kann, ist das Wissen um die Wirkung der Vorstellungskraft.“ Stellt sich der Betroffene im Moment der Starre vor, über etwas drüber zu steigen, dann funktioniert der Bewegungsablauf wieder. Kirch erinnert sich an eine eigene Methode während eines Krankenhausaufenthaltes.

Er legte an vielen Stellen des Raumes Tempotücherpackungen auf den Boden und kam so gehend voran: „Wenn die Ärzte gründlich arbeiten, dann halten sich die Nebenwirkungen in Grenzen.“ Dazu sagt Gertrud Schmitz: „Nicht selten haben die Neurologen jedoch wenig Zeit.“

Mit einer Depression, Osteoporose im Oberschenkel und Zittern im rechten Arm begann bei Elmar Rautenberg die Krankheit, mit der der 61-Jährige nun seit sieben Jahren lebt. Der Elektroniker leitet derzeit die SHG, wird die Leitung allerdings bald abgeben. Eine Nachfolgerin wird die Aufgabe übernehmen. Rautenberg: „Mein Vater hatte auch Parkinson, vielleicht ist das vererbbar.“

Die genaue Ursache für die Krankheit ist nicht bekannt. Möglicherweise ist sie vererbbar, eventuell wird sie auch aufgrund von Schadstoffen wie Unkrautvernichtungsmittel ausgelöst. Kirch: „Im Agrarsektor in Frankreich ist Parkinson als Berufskrankheit anerkannt.“ Wichtig, das betonen alle drei Betroffenen, sei es, aufgrund der Krankheit die Öffentlichkeit nicht zu meiden. Kirch: „Dagegen halten wir mit der SHG, indem wir Touren anbieten, Busreisen und Schiffsfahrten.“ Diese Normalität beizubehalten, ist ein wichtiges Ziel der Gruppe. Wie Kirch nicht ohne Stolz berichtet, sagte einmal ein Arzt zu ihm: „Ich glaube, anhand der Stabilität der Psyche und der Bewältigung des Alltags zu erkennen, wer in der SHG ist und wer nicht.“

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