Paralympics-Sieger Henry Wanyoike motiviert Anne-Frank-Schüler

Von: sj
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Der Paralympics-Sieger Henry Wanyoike (mit Begleitläufer Joseph Kibunja) besuchte die Anne-Frank-Gesamtschule und drehte mit den Schülern sogar eine Runde. Foto: Johnen
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Ottfried Sonnemann von der Christoffel-Blindenmission führte Schüler durch einen Hindernisparcours. Foto: Johnen

Mariaweiler. Eines Morgens wachte Henry Wanyoike auf – und konnte nicht mehr sehen. 1995 war das, der gelernte Schuster war damals 21 Jahre alt. Er hatte einen Schlaganfall, seine Sehnerven waren irreparabel beschädigt.

„Ich hatte zunächst meinen Glauben verloren, hatte keine Hoffnung mehr“, berichtete er am Freitag Schülern der Stufe 6 der Anne-Frank-Gesamtschule von seinem Schicksalsschlag, der sein Leben veränderte. Auf Einladung von Lehrerin Ute Meyer war der kenianische Spitzensportler und Botschafter der Christoffel-Blindenmission Deutschland (CBM) zu Gast an der Schule.

Er habe gelernt, mit seiner Erblindung umzugehen, damit zu leben, wieder Kraft zu schöpfen – und sich Ziele zu setzen, erklärte der Langstreckenläufer, mehrfache Paralympics-Sieger und Weltrekordhalter den aufmerksamen Schülern, die Wanyoike viele Fragen stellen. Wie fühlt es sich an, eine Goldmedaille in den Händen zu halten? Wie funktioniert das überhaupt, als Blinder einen Marathon zu laufen? Wo hat er seine Frau kennengelernt? Und wie schafft er es, in seiner Heimat in der Nähe von Kenias Hauptstadt Nairobi einen kleinen Bauernhof zu bewirtschaften?

„Der Hof ist ziemlich kompakt – und ich habe Hilfe von meiner Familie, von Freunden“, antwortete Wanyoike. Hilfe habe er auch im Krankenhaus von Kikuyu erfahren, die Ärzte vermittelten ihn nach Machakos. In der Stadt westlich von Nairobi gibt es ein Institut für Blindenrehabilitation, das von der CBM unterstützt wird. Er lernte, Blindenschrift zu lesen und zu schreiben, machte eine Ausbildung als Stricker und fasste neuen Lebensmut.

Früh begann er auch mit dem Sport, dem Langstreckenlauf. Ihm zur Seite steht (und läuft) sein Begleitläufer Joseph Kibunja, ein Freund seit Kindestagen, dem er uneingeschränkt vertraue. „Er ist mein Augenlicht“, sagte der Sportler dankbar. Wanyoike, der als Läufer und Motivationsredner viel in der Welt herumkommt, gab den Schülern eine zentrale Botschaft mit auf den Weg: „Seid gut zu Euch selbst und Euren Mitmenschen, arbeitet hart und habt immer ein Ziel – dann werdet Ihr Erfolg haben!“

„Für mich wäre das der Horror“, zeigte sich der zwölfjährige Stephan beeindruckt von der Kraft und von der Lebensfreude des Kenianers. „Ich finde es toll, dass er so viel Kraft hat, ein super Sportler ist“, fügte Klassenkamerad Ali hinzu. Viele Schüler sprangen im Anschluss testweise als Begleitläufer für den Sportler ein. Die Christoffel-Blindenmission unterstützt weltweit augenkranke, blinde und gehandicapte Menschen.

Projektbetreuerin Eliana Böse stellte den Kindern kurz die Arbeit des Vereins vor. Etwa fünf Mal im Jahr besucht die CMB auch Schulen, die „Tour“ mit Henry Wanyoike allerdings findet nur einmal pro Jahr statt. Fester Bestandteil ist ein 15 Meter langer Hindernisparcours, den die Schüler mit einem Taststock meistern müssen. Eine spezielle Brille simuliert dabei eine nahezu vollständige Erblindung.

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