Papierindustrie und Flugzeugträger: 200 Jahre Firma Heimbach

Von: Stephan Johnen
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Seit mehr als 200 Jahren produziert das Unternehmen Heimbach an der Rur. Foto: Stephan Johnen

Mariaweiler. Angefangen hat alles mit einer kleinen Textilfabrik. An der Oberstraße, mitten in Düren. Es war eine mutige Entscheidung, als Thomas Josef Heimbach 1811 den Schritt vom Kaufmann zum Fabrikanten vollzog. Während sich 200 Jahre später die Bekleidungsproduktion beinahe aus Deutschland verabschiedet hat, ist die Heimbach GmbH & Co. KG – mittlerweile in Mariaweiler ansässig – mit ihren technischen Textilien auf dem Weltmarkt erfolgreich.

 Grundlegend war eine weitere mutige Entscheidung des Firmengründers: Er gab die Bekleidungstextilien auf und stellte nur noch Filze für die Papierindustrie her. Mit dieser Weichenstellung setzte sich die über 200-jährige Geschichte eines Familienunternehmens, bei der Jahr für Jahr neue Kapitel hinzukommen, fort.

Die Jahre 1811 bis 2011 können nun nachgelesen werden. Die Chronik, die schon im Jubiläumsjahr vorliegen sollte, ist gedruckt. „Im Jahr 2008 hat mein Vorgänger Klaus Huneke den Anstoß gegeben“, berichtet Peter Michels, Sprecher der Geschäftsführung. Während bei weiten Teilen der Dürener Industrie Archivbestände im Zweiten Weltkrieg verloren gingen oder nicht aufbewahrt wurden, stapelten sich bei Heimbach 200 Jahre Geschichte in einem Raum. „Vermutlich wurde dieser Raum über Jahre vergessen, also konnte ihn auch niemand ausmisten“, sagt Michels augenzwinkernd. Zum Jubiläum sollte das Archiv digitalisiert und ausgewertet werden. Doch es tauchten immer mehr Akten, Unterlagen und Briefe auf, immer mehr Mitarbeiter steuerten Material hinzu. Der Druck verzögerte sich.

Doch das Warten hat sich gelohnt. Die Chronik liest sich wie die Geschichte der Industrialisierung des Rurtals. „En passant ist eine eindrucksvolle wirtschaftsgeschichtliche Darstellung der Stadt Düren und ihres Umlandes entstanden“, urteilt Helmut Krebs, Leiter des Stadt- und Kreisarchivs. Auch die NS-Zeit und die Zwangsarbeit in den Kriegsjahren werden thematisiert. Die Ergebnisse der Arbeit möchte das Unternehmen Museen, Geschichtsvereinen und Interessierten zugänglich machen.

Seit 200 Jahren ist klar: Nichts ist so gewiss wie der Wandel. Brüche und Herausforderungen gab es einige. 1400 Mitarbeiter beschäftigt Heimbach in Europa, Asien und Lateinamerika, knapp 600 davon in Mariaweiler. Zu Spitzenzeiten war es einmal über 700 Mitarbeiter an der Rur. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Heimbach 160 Millionen Euro Umsatz, 125 davon am Stammsitz. 80 Prozent des Umsatzes kommen nach wie vor aus dem Segment Papiermaschinenbespannung. „Das Papier trägt uns zwar, aber es gibt kein Wachstum“, bilanziert Michels.

Die Entwicklung und Produktion technischer Textilien werde daher auf neue Anwendungsgebiete ausgedehnt. Transportbänder von Heimbach kommen bei der Produktion und Filtration von Nahrungsmitteln zum Einsatz. Das Unternehmen hat auch Filter für Kaffeekapseln entwickelt, die nur in Finnland zum Einsatz kommen: Sie filtern die Crema vom Espresso. Eine finnische Eigenart, eine Nische für Heimbach. Für Flugzeugträger und mobile Landebahnen stellt Heimbach Fanggurte her, die Düsenjäger vor einem Absturz ins Meer bewahren. Beschichtete Stoffe kamen als Sonnensegel für Pilger in Mekka zum Einsatz.

„Nach 200 Jahren haben wir die Zukunft noch vor uns“, betont Peter Michels. Auch wenn sich die Absatzmärkte „von Deutschland weg entwickeln“, Asien und Lateinamerika an Bedeutung zunehmen, dort in Kundennähe mehr produziert werde. „Der Standort Düren bleibt auch in Zukunft attraktiv“, betont Michels.

„Heimbach 2020“ lautet der Titel eines Strategiepapiers, mit dem Heimbach das nächste Kapitel schreiben möchte. Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Millionen Euro mehr Umsatz erzielt werden und die Kosten um 20 Prozent gesenkt werden. Der Abbau von Arbeitsplätzen in Mariaweiler sei nicht geplant. Vielmehr gelte es, die gute Vernetzung mit der Forschungslandschaft auszubauen. Die Produkte der Zukunft sollen am Stammsitz entwickelt werden.

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