Papierherstellung: Mal transparent, mal mit Wasserzeichen

Von: Jörg Abels
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Beim Dürener Papierhersteller Reflex erklärte Richard Sälzer (l.) den DZ-Lesern während einer dreistündigen Werksbesichtigung die Herstellung von Transparent- und Wasserzeichenpapieren. Foto: Jörg Abels
Reflex
Eine Besonderheit: die duftenden Papiere von Reflex. Foto: Jörg Abels

Düren. Mit 20 bis 25 Metern pro Minute läuft die extrem dünne und durchsichtige Papierbahn verhältnismäßig langsam durch die Papiermaschine 4 (PM 4) im Werk Reflex an der Veldener Straße.

Nebenan auf der PM 3 entstehen Wasserzeichenpapiere mit der sechs- bis siebenfachen Geschwindigkeit, erklärt Richard Sälzer den 30 Teilnehmern der DZ-Sommertour, die einen exklusiven Blick in die Produktion eines der traditionsreichsten Dürener Papierherstellers werfen dürfen, der in wenigen Wochen 160. Geburtstag feiert.

Auf der PM 4 entsteht Transparentpapier – wie schon vor mehr als hundert Jahren. Die Maschine ist zwar Baujahr 1895 und damit die älteste am Standort, betont Reflex-Geschäftsführer Hariolf Koeder, aber trotzdem auf dem neuesten Stand. Gerade erst hat Reflex die Ende 2015 wieder in Betrieb genommene PM 4 energetisch und in puncto Wasserverbrauch optimiert.

Millioneninvestitionen

Es ist nicht die erste und einzige Maßnahme in einem millionenschweren Investitionsprogramm seit der Übernahme des Werks durch ein Familienkonsortium Anfang 2015. „Im Dezember werden wir auch das Hochregallager mit seinen 20.000 Palettenplätzen wieder in Betrieb nehmen“, kündigt Koeder an, so dass zahlreiche Lkw-Fahrten in ein externes Zwischenlager entfallen werden. Mit den drei Papiermaschinen verfügt Reflex über eine Produktionskapazität von 25.000 Tonnen im Jahr.

Mit den Transparentpapieren besetzt der Papierhersteller, der weltweit Kunden in 80 Ländern beliefert, eine echte Nische im internationalen Markt. „In ganz Europa gibt es nur noch eine weitere Papiermaschine, auf der Transparentpapiere produziert werden“, erklärt Sälzer beim Rundgang durch das Werk, weltweit sind es gerade einmal sechs. Nicht erst seit der Übernahme der Transparentpapiersparte von Schoellershammer sieht Reflex in diesem Bereich große Chancen. Denn die Anwendungsbereiche sind vielfältig. Sälzer, viele Jahre Marketingleiter der Firma, spricht von Broschüren, Geschäftsberichten, Imagebroschüren, Postern, Bildbänden, Werbematerialien, Kalendern, Grußkarten und Umschlägen.

„Wir glauben ganz einfach an das Potenzial von Papier“, sagt auch Geschäftsführer Hariolf Koeder voller Überzeugung, weiß er doch, dass sein wieder auf 112 Mitarbeiter angewachsenes Team sehr flexibel auf die individuellen Wünsche der Kunden eingehen kann. Wer zum Beispiel sein eigenes Wasserzeichenpapier bei Reflex ordern will, kann dies schon ab einer Menge von 2,5 Tonnen oder umgerechnet fünf Paletten.

Wie das Wasserzeichen ins Papier kommt, erklärt Sälzer direkt an der PM 3. Der sogenannte Egoutteur, auch Wasserzeichenwalze genannt, wird gleich am Anfang der Maschine auf der noch nicht verfestigten Papierbahn abgerollt. Erhöhungen oder Vertiefungen sorgen dafür, dass Faserstoffe verdrängt oder angesammelt werden und das Wasserzeichen entsteht. Wie so ein Egoutteur aussieht und wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten sind, zeigt Sälzer im Egoutteur-Lager.

Dort finden sich nicht nur die kupfernen und bronzenen Siebwalzen mit den traditionsreichen Reflex-Wasserzeichen wie der bekannten Lilie, sondern auch Walzen mit Emblemen großer deutscher Firmen und internationalen Kunden. Neben den 12 bis 18.000 Euro teuren Vollegoutteuren, die nur noch von zwei Spezialfirmen in Schottland und Dänemark hergestellt werden, verfügt Reflex auch über sogenannte „Sleeves“ – Drahtgeweben mit Wasserzeichen, die wie ein Strumpf über eine Walze gezogen werden können und mit 2500 Euro weitaus billiger sind.

Begonnen hatte der Rundgang mit einem Blick in die Zellstoffaufbereitung. Reflex bezieht Zellstoff aus halb Europa, eukalyptusbaumhaltigen, der besonders stabil ist, auch aus Brasilien. Tropenholz werde aber nicht verwendet, betonte Koeder. Das sei zu hart und damit für Papiererzeugung ungeeignet. Dafür aber kommt Baumwolle zum Einsatz. „Je hochwertiger das Papier, desto mehr Baumwolle“, erklärte der Geschäftsführer den Lesern, die an allen Stationen auch ein Gefühl für den Werkstoff Papier bekamen.

Duftendes Papier

Und dass man Papier bei Reflex wahrhaftig mit allen Sinnen wahrnehmen kann, beweist Richard Sälzer zum Abschuss der dreistündigen Tour mit der neuesten Errungenschaft des Hauses: Duftenden Papieren, die bei Kontakt mit Sauerstoff den Geruchssinn ansprechen und damit lange im Gedächtnis des Verbrauchers bleiben. So kann schon das Papier den typischen Duft eines Produkts transportieren. Dass sich in den altehrwürdigen Hallen soviel Innovationskraft versteckt, hätten die wenigsten DZ-Leser vermutet.

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