Papierfabrik Reflex: Sieben Kaufinteressenten und Auftrag aus Mekka

Von: Jörg Abels
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Richard Sälzer, Dieter Raak und Sayit Balaban (v.l.) präsentieren die speziell für den Koran hergestellten Papiere aus dem Haus Reflex, ein weißes mit Holzmaserung und eine spezielle Elefantenhaut. Foto: Jörg Abels

Düren. Die Produktion in drei Schichten ist voll ausgelastet, das Auftragsbuch auch für die kommenden Wochen bereits gut gefüllt: Knapp acht Monate nach Beginn des Insolvenzverfahrens könnte die Stimmung bei der auf 66 Mitarbeiter geschrumpften Reflex Premium Papier GmbH besser nicht sein.

Insolvenzverwalter Dr. Mark Boddenberg und das Management um Sprecher Sayit Balaban strahlen nicht ohne Grund Zuversicht aus. Die Zeiten, in denen an der Veldener Straße monatlich zum Teil mehr als 200 000 Euro Miese eingefahren wurden, sind vorbei. Allerdings haben im Zuge der Sanierung auch 36 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren

Abgesehen vom Dezember, der allerdings branchenweit ein schwacher Monat ist, wirft die Papierfabrik seit Oktober Monat für Monat wieder Gewinn ab. Kein Wunder, dass sich gleich sieben Kaufinteressenten, darunter sechs strategische aus der Branche und ein Finanzinvestor in den vergangenen Wochen im Werk umgesehen haben. Mit Dreien steht Boddenberg nach eigenen Angaben in „sehr ernsten Verhandlungen“. Anfang Mai erwartet er konkrete Angebote. Auch Teilverkäufe scheinen möglich, so lange die Produktion im jetzigen Umfang erhalten bleibt.

Und sie soll auch wieder ausgedehnt werden. Derzeit läuft im Hause Reflex ein Ergebnisverbesserungsprozess, mit dem Ziel, die Produktionsleistung von derzeit rund 6000 Tonnen im Jahr zu steigern, erklärt Technik- und Produktionsleiter Dieter Raak: „Wir wollen die Kapazität um 400 Tonnen erhöhen.“ Sayit Balaban betont, dass dabei die ganze Belegschaft mitziehe. Er spricht von „einer funktionierenden Mannschaft, die nach Vorne schaut“. Auch das sei ein gutes Signal für potenzielle Käufer.

Und während die Entwicklungsabteilung mit den Kunden, die Reflex auch während der Krise treu geblieben sind, an flammenhemmenden Papiere und anderen neuen Produkten arbeitet, konnte Vertriebsleiter Richard Sälzer zuletzt über ein Wiener Verkaufsbüro einen interessanten Auftrag aus Saudi-Arabien an Land ziehen. „Wir produzieren beidseitig mit einer Holzmaserung beschichtetes Papier, auf das der Koran gedruckt wird, den Pilger in Mekka erhalten“, berichtet Sälzer. Das Besondere: Die Maserung musste absolut makellos sein, durfte nicht ein einziges Astloch enthalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Dürener Unternehmen Papier für die Heilige Schrift des Islam produziert hat. Schon im vergangenen Jahr lieferte Reflex speziell gefertigtes Elefantenhautpapier an den marokkanischen König, der darauf einen Koran für seine Gäste drucken ließ.

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