Düren - Papier spielt im Leopold-Hoesch-Museum derzeit eine zentrale Rolle

Papier spielt im Leopold-Hoesch-Museum derzeit eine zentrale Rolle

Von: Stephan Johnen
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Ein Raum ist dem Dürener Papierhersteller, Schriftsteller und Politiker Armin Renker gewidmet. Enkelsohn Felix Renker wusste zu berichten, dass das Porträtfoto vom Künstler August Sander geschossen wurde, der vom Großvater Unterstützung erhielt. Foto: Stephan Johnen
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Ein kostbares Werk aus Papier: Die „Schedelsche Weltchronik“ stammt aus dem Jahr 1493. Sie gehört zu den Ausstellungsstücken aus sechs Jahrhunderten Kunstgeschichte. Foto: Stephan Johnen

Düren. Das Leopold-Hoesch-Museum geht neue Wege. Zum einen, weil es in der Ausstellung „Paper is part of the picture. Europäische Künstlerpapiere von Albrecht Dürer bis Gerhard Richter“ erstmals den Fokus nicht nur auf Zeichnungen und Grafiken setzt, sondern auch das von den Künstlern benutzte Papier in Szene setzen möchte.

Zum anderen, weil es gleich die Entstehung dieses Materials, die Bearbeitung und die historische Entwicklung mit beleuchtet. Neben rund 160 Werken der bedeutendsten Künstler aus sechs Jahrhunderten gibt es auch viele Informationen, Ausstellungsstücke und Filme, die den Besucher Zeuge der Herstellung von Künstlerpapieren werden lassen.

Gerade in einer Stadt wie Düren, die auf eine lange Tradition in der Papierherstellung und Papierverarbeitung zurückblicken kann, werden die Besucher auf viele Namen stoßen, die einst mit Feinpapieren in Verbindung gebracht wurden – und noch heute werden.

„Wir erleben einen historischen Umbruch, der auch Spuren in der Papierindustrie hinterlässt“, erklärt Kuratorin Dr. Alexandra von dem Knesebeck. Während die Herstellung der traditionellen Künstlerpapiere auch mangels starker Nachfrage zurückgehe und ganze Produktionsabteilungen geschlossen werden, gebe es auf der anderen Seite immer neue Zusammensetzungen und und Materialien in der Papierherstellung. Auch Künstler würden damit viel experimentieren. Hersteller aus England, Frankreich, Italien, Deutschland und aus dem Kreis Düren haben dem Museum Musterbücher und Papiersorten zur Verfügung gestellt. In einem Saal sollen Besucher das Papier ruhig in die Hand nehmen, die unterschiedlichen Strukturen ertasten.

„In einer Zeit der absoluten Digitalisierung ist es wichtig, wieder auf diese ganz konkreten Dinge einzugehen“, sagt Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann. Neue Formen der Ausstellungen könnten ermöglichen, „die kreative Arbeit vom Entstehungsprozess her zu erleben“. Nicht nur das Kunstwerk steht dann im Mittelpunkt, sondern auch der Weg zum Kunstwerk, die verwendeten Materialien und Werkzeuge.

Viele Ausstellungsstücke steuert Felix Renker, geschäftsführender Gesellschafter der Papierfabrik Zerkall Renker & Söhne, bei. Zerkall zählt zu den wenigen europäischen Standorten, an dem noch Büttenpapiere auf Rundsieben hergestellt wird. Ein Saal im Museum ist Armin Renker gewidmet, dem Großvater des Papierherstellers. „Mein Großvater war wie ich in erster Linie ein Spross einer Papiermacherfamilie“, sagt Felix Renker. Doch der 1891 in Düren geborene und 1961 verstorbene Papierhersteller war auch Schriftsteller, Büchersammler, Papier- und Wasserzeichenforscher und Politiker. Hunderte Publikationen entstammen seiner Feder. In den 1930er Jahren setzte er sich für den Aufbau eines Papiermuseums ein. Es sollte in einem Anbau an das 1938 im Kornhaus eröffnete Heimatmuseum entstehen. Der Zweite Weltkrieg verhinderte das, Düren sollte noch Jahrzehnte auf ein Museum warten müssen.

„Nach dem Krieg ernannte die britische Militärregierung Renker zum Landrat“, berichtet Renate Goldmann. Er setzte sich für den Wiederaufbau ein und war Mitgründer der Aktion „Hürtgenwald und Rurlandnot“. Es ist kein Zufall, dass die Hommage an Renker in dem Raum Platz findet, in dem zuvor das Kunstwerk „Verbrannte Erde: Second Salvage“ des Künstlers Sam Lewitt ausgestellt war, das sich auf eine Publikation Renkers bezog. In einer Vitrine werden die einzelnen Stationen des Lebens mit Stücken aus dem Familienarchiv illustriert.

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