Paeffgens Biogas-Pilze liefern Strom für Nörvenicher Haushalte

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
4861220.jpg
Edmund Paeffgen plant die Erweiterung seiner Biogas-Anlage: eine Investition in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro. Foto: Abels

Hochkirchen. Dezentrale Energieversorgung – für Edmund Paeffgen gehört diesem Modell die Zukunft. Dort, wo Strom und Wärme erzeugt werden, soll sie auch unmittelbar genutzt werden. Und dabei denkt der 52-jährige Landwirt aus Hochkirchen nicht nur an Windkraft und Photovoltaik, sondern auch und in erster Linie an die eigene Biogas-Anlage. Paeffgen ist Pionier auf diesem Gebiet, nahm bereits 2005 die erste Anlage im Kreis Düren in Betrieb, und betritt nun wieder Neuland.

Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) erlaubt seit dem 1. Januar 2012 die Direktvermarktung des erzeugten Stroms vor Ort. „Damit haben wir uns intensiv beschäftigt, haben Fachjuristen hinzugezogen und Mitstreiter gesucht“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Seit dem 1. November ist Paeffgen als erster Landwirt in NRW mit selbst erzeugtem Biostrom auf dem Markt. In der RWZ Köln und vor allem der Firma „wep“ (Wärme-, Energie- und Prozesstechnik GmbH) Hückelhoven, einer Tochter der Stadtwerke Dinslaken, hat Paeffgen kompetente Partner gefunden. Die „wep“ übernimmt Wechselformalitäten und Abrechnungslogistik.

1100 Kilowatt pro Stunde (kw/h) produziert Edmund Paeffgen in seiner Anlage bisher. Doch damit will er es nicht belassen. Seit anderthalb Jahren plant der 52-Jährige den Ausbau seiner Anlage auf eine Kapazität von 2700 kw/h. Und da eine Anlage dieser Größe nur in einem Gewerbegebiet errichtet werden darf, musste zunächst der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erstellt werden. Diese Schritte sind mit der Gemeinde Nörvenich bereits vollzogen, nunmehr muss die Erweiterung der Anlage noch nach Störfall- und Bundesimmissionsschutzgesetz von der Bezirksregierung Köln genehmigt werden. Paeffgen hofft noch im Frühjahr auf grünes Licht, damit die Anlage im Herbst ans Netz gehen kann.

Investition von 3,5 Millionen Euro

Die Investition beläuft sich auf insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Paeffgen will zwei weitere Fermenter bauen, einen Nachgärer und einen Lagerbehälter. Dazu zwei weitere Blockheizkraftwerke samt Trafo zur Stromerzeugung.

Wenn alles läuft, könnte der Landwirt aus Hochkirchen theoretisch 5000 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte versorgen. „Wir werden aber nie soviel Strom vermarkten, dass die Kapazität der Anlage ausgeschöpft ist“, betont der Landwirt, der von einem Puffer von 20 Prozent spricht. Dazu kommt aber auch, dass Paeffgen seinen Strom, der deutlich billiger als die Grundversorgung ist, nur lokal begrenzt vermarkten will. Deshalb können aktuell nur die Einwohner der Gemeinde Nörvenich den „Landstrom“ über die WEP beziehen.

„Ich sehe in der Direktvermarktung die Zukunft der EEG-Anlagen“, betont Paeffgen. Dabei hat seine Biogas-Anlage einen großen Vorteil. Die Bakterien produzieren aus dem Maissilage-Mist-Gemisch, das Paeffgen einsetzt, rund um die Uhr Biogas und damit letztendlich Strom. Auf Sonnenschein und kräftigen Wind wie die Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen ist der Stromproduzent nicht angewiesen.

Seit 2007 nutzt Edmund Paeffgen auch die anfallende Prozesswärme. Noch wird sie dazu verwandt, die Gebäude auf dem landwirtschaftlichen Anwesen der Familie zu beheizen, aber auch um das Endprodukt der Biogaserzeugung, das, was die Bakterien in den Fermentern nicht mehr verwerten können, zu trocknen. Das Material vermarktet Paeffgen mit einem niederländischen Partner in den Benelux-Staaten als Blumendünger.

Mit der erweiterten Anlage aber fällt in Zukunft so viel Wärme an, dass der Landwirt bereits über eine Fernwärmeleitung Richtung Nörvenich nachdenkt. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt geht es für den Hochkirchener um die Stromvermarktung, mit der er auch mehr Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen will. Nicht, dass seine Biogasanlage für Geruchsbelästigungen sorgen würde. Aber während der Maisernte sind doch immer wieder Erntefahrzeuge unterwegs.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert