Düren - Pädagogen fordern gut ausgebildete Kollegen und kleinere Klassen

Pädagogen fordern gut ausgebildete Kollegen und kleinere Klassen

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Reibungspunkte gibt es in der Schule ständig und somit auch Konflikte. Reden und ein konsequentes Erziehungskonzept setzen die Pädagogen dagegen. Foto: imago/Geisser

Düren. Heidemarie Hardacker ist geschockt - und zwar von den Fällen drastischer Entgleisungen überforderter Pädagogen, die der Verein „Kinder in Schulnot” schildert. Von Lehrern, die schlagen, treten, kneifen und beleidigen ist dort die Rede.

Eine Internetdatenbank listet die Probleme gar auf. Düren fehlt in der langen Liste. Damit das auch weiterhin so bleibt, haben die Leiterin der Hauptschule Birkesdorf und ihre Kollegen vor allem einen Wunsch: „Wir brauchen mehr Lehrer!”

Genau das sei der Schlüssel zum Erfolg, betont die 51-Jährige Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Kunst. Denn dass die Lehrer sehr stark beansprucht werden, daraus macht Heidemarie Hardacker keinen Hehl. „Wir stehen ab 7.30 Uhr unter Hochspannung, je nachdem bis 15 Uhr.” Selbst in den Pausen seien die Lehrer immer gefordert, als Ansprechpartner für die Kinder. „Wir sind Ersatzvater, Ersatzmutter, Krankenschwester und Psychologe in einem”, weiß sie.

Keine Pause, ständige Anspannung - das führt zwangsläufig zu Stress. „Das muss geändert werden. In unserem Beruf ist die Burn-Out-Quote zu hoch”, sagt die Lehrerin und ist damit wieder bei ihrer Forderung nach mehr Personal. Vor allem nach mehr gutem Personal.

Genau diese Kollegen sollen - in ausreichender Anzahl - verhindern, dass vermehrt Probleme auftreten. Denn dass es welche gibt, bestreitet die Schulleiterin nicht. Mit Problemen meint sie allerdings nicht gewaltsame Auseinandersetzungen, sondern verbale. „Wenn es dazu kommt, dann wird der Konflikt direkt geklärt. Reden ist bei uns das Allerwichtigste”, betont die Pädagogin. Glücklich schätzt sie sich, dass sich die Dürener Schulen auf viele Partner verlassen können.

Stichwort Netzwerk: Schulamtsleiterin Maria Kaptain und Josef Lemoine als Schulrat der Hauptschulen loben das Miteinander ebenfalls. Das sei auch nötig, denn dass sich in der Schullandschaft einiges verändert habe, wissen die beiden. „Die Schule ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft”, sagt Lemoine. Eine gewaltfreie Schule sei daher absurd. „Wer das nicht sieht, ist betriebsblind. Wir dürfen aber nicht lamentieren, sondern müssen etwas tun”, betont der Schulrat und ergänzt: „Dass Gewalt von Lehrern ausgeht, ist nicht mein Eindruck.” Den Schulen legt er die strikte Einhaltung des Erziehungskonzeptes nahe. „Wir haben die Schulpflicht und fordern diese auch ein. Darin sind wir sehr streng”, betont Maria Kaptain.

Getan haben auch die Kooperationspartner bereits einiges, etwa das Projekt „Cool im Konflikt” auf den Weg gebracht, das sich zum Ziel gesetzt hat, flächendeckend für Gewaltprävention zu sorgen. 35 Schulen sind schon dabei. Dazu gehört Anti-Gewalt-Training, die Einführung des Schulpsychologischen Dienstes, dessen Fallzahlen stetig steigen, und es werden Sozialarbeiter eingestellt.

Jürgen Pfaff, Leiter des Stiftischen Gymnasiums, wünscht sich davon noch mehr. „Das wäre sehr hilfreich. Neben Sozialarbeitern könnten wir Psychologen brauchen, die nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer da sind. Denn eines ist klar: „Wir haben alle ein kräftiges Paket zu tragen.” Reibungspunkte dürfen jedoch nicht zu Gewalt führen, betont Pfaff. „Das ist zu verurteilen und sollte der Professionalität eines jeden Pädagogen widersprechen. Ich habe allerdings in Düren bislang nichts von solchen Fällen gehört.”
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