„Othello” wird der Vorlage nicht gerecht

Von: han
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Die Staatsoper Kharkov bot ein
Die Staatsoper Kharkov bot einen soliden Opernabend, der dem Publikum gefiel. Mit starkem Beifall wurde trotz einiger Schwächen die Leistung des Ensembles belohnt. Foto: Schmitz

Düren. Ein Opernabend im Haus der Stadt, der nach dem Geschmack des Publikums war. Die Staatsoper Kharkov, schon häufiger Gast in Düren mit unterschiedlichem Erfolg, gastierte mit der Verdi Oper „Othello” und erntete nach der letzten Szene starken Beifall für gezeigte Leistungen, die nicht immer das gleiche Niveau hatten.

Eduard Srebebitskiy sammelte in einer etwas hausbacken wirkenden Inszenierung sicherlich mehr Pluspunkte als andere Darsteller, die stimmlich nicht immer auf der Höhe schienen und kurzzeitig schon einmal sängerisch aus der Spur in diesem Bühnenwerk gerieten. In der Oper „Othello”, nach dem gleichnamigen Drama, erlebt das Publikum, wie zerstörerisch Verleumdung und Intrige wirken können.

Der ehrgeizige Fähnrich Jago macht gegenüber Othello, dem ruhmreichen schwarzen Befehlshaber der venezianischen Flotte, vage Andeutungen über ein verlorenes Taschentuch und setzt ihm so heimtückisch Zweifel über die Treue seiner Gemahlin Desdemona ins Herz. Das Gift des Misstrauens hat ihn infiziert. Es zerfrisst sein Wesen, zerstört seinen Glauben an die Liebe und lässt ihn schließlich die Geliebte und sich selbst vernichten.

Vor einer leicht und düster wirkenden Bühnenkulisse lief dieses Musikdrama der Gegensätze von Liebe und Hass, Eifersucht und Rache, Intrige und Misstrauen ab. Aber nur zeitweise passten Melos (Sprachmelodie) und Rhythmik der Melodienfolge zum Spiel der Protagonisten, die mit pathetischen und melodramatischen Akzenten schauspielerische Unbeholfenheit zu ersetzen schienen.

So wirklich gelang es dem Ensemble nicht, die Abgründigkeit des Wesens „Mensch” darzustellen, Verdis teuflisch, feurigen Intentionen um Jagos gekränkte Eitelkeit, Othellos Emotionen und Desdemonas hilflose Liebe umzusetzen. Recht emotionslos spielte das Orchester in Minimalbesetzung auf. Die eigentlich glühende Kraft in Verdis Musik kam nicht unbedingt zur Geltung. Wer aber großzügig über Schwächen hinwegsah, hatte einen zufriedenstellenden Opernabend, den aber nicht viele sehen wollten. Bleibt die Frage, ob Oper in Düren nicht mehr zieht, oder ob es an den Tourneetheatern mit ihren meist altbackenen Inszenierungen liegt?
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