Osterzeit bedeutet für Sakristanin Hochbetrieb

Von: Gudrun Klinkhammer
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Sakristanin Heike Henschenmacher kennt sich in den Kirchen von Düren bestens aus, so im Glockenturm von St. Bonifatius. Foto: gkli

Düren. „Achtung, gleich wird es sehr laut, und man sollte sich die Ohren zu halten“, empfiehlt Heike Henschenmacher. Der Tipp ist ausgezeichnet, denn schon wenige Minuten später dröhnt der Klang der Glocken im Glockenstuhl von St. Bonifatius mächtig herab, und die Wände scheinen zu wackeln.

Heike Henschenmacher kennt sich in den Kirchen, in denen sie unterwegs ist, vom Keller bis zum Dachboden bestens aus. Sämtliche Schlüssel baumeln an ihrem großen Schlüsselbund.

Angst, über einen engen Wendel – dabei handelt es sich um eine knapp ein Meter breite Treppe – wie etwa in der Annakirche auf den Kirchturm zu steigen, kennt Heike Henschenmacher nicht. Leichtfüßig steigt sie auch die verschiedenen Leitern hinauf, die zu den Glocken von St. Bonifatius führen.

Termine hat sie jedoch momentan kaum noch frei. Henschenmacher: „Die Osterzeit steht für uns Katholiken noch höher als die Weihnachtszeit, dem entsprechend umfangreich sind derzeit die Aufgaben in den Kirchen.“

Die 47-jährige Mutter von fünf Kindern und Ehefrau eines Polizisten ist ausgebildete Sakristanin. Ein Jahr lang absolvierte sie die dafür vorgesehene Ausbildung beim Bistum in Aachen. Als Sakristanin vertritt sie derzeit eine langfristig erkrankte Kollegin in gleich fünf Kirchen der Pfarre St. Lukas in Düren, nämlich St. Anna, St. Marien, St. Bonifatius, St. Antonius und St. Josef. Was anliegt in der Karwoche: Beispielsweise muss der komplette Blumenschmuck aus den Kirchen entfernt werden.

Prunkvolle Kreuze werden verhüllt, Bilder verhängt und anderer Zierrat beiseite geräumt. In der katholischen Kirche läuten traditionell nach dem Gloria der Gründonnerstagsmesse die Kirchenglocken nicht mehr. Auch die Orgel bleibt ab diesem Zeitpunkt stumm. Bis zur Osternacht herrscht Stille als Zeichen der Trauer um den gekreuzigten Jesus. Erst in der Osternacht wird die Orgel wieder gespielt, werden die Glocken wieder geläutet und die Kirchen wieder festlich geschmückt.

Schmunzeln muss die Sakristanin über den Umstand, dass sich die Zeiten zwar ändern, aber irgendwie doch gleich bleiben. Sie erinnert sich an die Erklärung, die der Großvater für sie parat hielt, was das Schweigen der Glocken anging. Der Großvater versuchte den Umstand mit folgenden Worten plausibel zu machen: „Die Glocken fliegen nach Rom, um Milchsuppe zu essen.“ Heute gibt die Familienmutter ihren Kindern eine ähnliche Erklärung an die Hand: „Die Glocken fliegen nach Rom, um Pizza zu essen.“ Tatsächlich soll das Schweigen der Glocken zum Sinnesfasten beitragen, zudem gibt es die Erzählung, dass die Glocken nach Rom fliegen um zu beichten.

Die vier Kirchenglocken in St. Bonifatius wurden alle im Jahr 1952 in Gescher im Münsterland gegossen, sie klingen in den Tönen Dis, Fis, Gis und H.

Die Geläut in der Annakirche klingt in As, B, C und Des, die älteste Glocke, die den Namen Martin trägt, stammt aus dem Jahr 1545.

Henschenmacher: „In absehbarer Zeit werden die Glocken der Annakirche – neben dem Martin sind das Maria, Josef und Anna – repariert.“ Für diese Maßnahme soll möglicherweise ein Kran am Kirchturm aufgestellt werden. Spenden werden bereits jetzt entgegen genommen.

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