Ostern: Mehr als ein Hase, der bunte Eier bringt

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
7551086.jpg
Die Ostergeschichte ist gar nicht so einfach zu verstehen: In der Kita St. Martin in Drove lernen Mia, Emily, Fin, Niklas, Finn (v.l.) und die anderen Kinder sie trotzdem kennen. Foto: Sarah Maria Berners (2), dpa
7554779.jpg
„Palmzweige“ haben die Kinder mit ihren Eltern gebastelt.

Drove. Ostern? Na klar: Da kommt der Osterhase und versteckt im Garten bunt bemalte Eier. Außerdem gibt es die Eier in vielen schokoladigen Geschmacksrichtungen und süße Hasen in allen Farben und Größen. Ostern? War da sonst noch was?

„Wir feiern Ostern, weil Jesus auferstanden ist“, weiß Till. Till ist sechs Jahre alt und geht in die Drover Kita St. Martin. Natürlich weiß Till auch, dass wir an Weihnachten die Geburt von Jesus Christus gefeiert haben. „Aber ein Fest der Geburt zu vermitteln ist viel einfacher als zu erklären, warum wir Ostern feiern“, sagen Petra Weiser und Sarah Erasmi. Und trotzdem ist es den Erzieherinnen der katholischen Einrichtung wichtig, dass die Kinder wissen, was Ostern gefeiert wird. Sie sollen wissen, welche Feste, den Jahresablauf unserer Gesellschaft und das Angebot in den Supermarktregalen bestimmen. Denn immer mehr Kinder – aber auch Erwachsene – seien sich da nicht mehr ganz so sicher.

Was bedeutet Fasten?

Die Vorbereitung auf das Osterfest fängt in der Kita nicht erst in der Woche vorher an. Schon zum Aschermittwoch haben die vor mit den Kindern das Thema „Fasten“ besprochen. Natürlich sind ein paar pfiffige Kinder auf die Idee gekommen, dass es doch super praktisch wäre, zum Beispiel aufs Aufräumen zu verzichten, trotzdem ist die Botschaft angekommen. „Es geht nicht darum, dass Kinder 40 Tage keine Süßigkeiten essen“, betont Petra Weiser. Es gehe darum, die Botschaft des Verzichtens zu vermitteln. Kindgerecht, versteht sich.

„Es ist uns wichtig, den Kindern Werte wie Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft mit auf den Lebensweg zu geben“, sagt Sarah Erasmi. „Diese Werte, die immer Gültigkeit haben, sind in den Erzählungen der Bibel enthalten.“ Und die Kinder mögen die spannenden „Zauberergeschichten“, die von den Wundern Jesu erzählen.

Die eigentliche Ostergeschichte erzählt in der Kita übrigens Rica. Sie kennen Rica nicht? „Rica ist ein Schaf“, erklärt Linus und zeigt auf ein Buch. Das Buch, in dem die kleine Rica die Geschichte von Jesus erzählt, nimmt Erzieherin Sarah Erasmi in den zwei Wochen vor Ostern täglich zur Hand. Es ist quasi ein Geschichtenkalender für das Warten auf Ostern. Sarah Erasmi liest vor, was Rica erlebt und Rica erzählt, wie Jesus auf dem Esel nach Jerusalem kam. Die erzählt von der Freude der Menschen und von Jesu Botschaft des Friedens und der Nächstenliebe.

In einer Eltern-Kind-Aktion wurden in der Kita Palmstöcke aus Buchsbaum und bunten Bändern gebastelt. Manche Kinder haben die Messe am Palmsonntag besucht und sie sogar mitgestaltet. „Mit den Palmwedeln haben die Leute Jesus zugewunken, weil sie sich so gefreut haben“, weiß Fin. „Das ist so ähnlich, wie ihr heute Luftschlagen pustet“, hat Sarah Erasmi ihnen erklärt.

Zurück zur Geschichte: Rica erzählt den Kindern auf den nächsten Seiten davon, dass Jesus verraten und gefangen wurde. Für die Kinder ist die Erzählung spannend. Sie mögen es, wenn die Erzieherinnen Geschichten vorlesen. Die von Jesus Christus nicht weniger als die von Rittern und Räubern. Natürlich erzählt Rica auch, dass Jesus von seinen Feinden getötet wird. „Die Soldaten fanden nicht gut, was der Jesus gemacht hat“, erklärt Till. Aber dann erzählt Rica ja auch, dass Jesus wieder aufersteht. „Die Auferstehung ist für die Kinder sehr abstrakt, das ist sie für uns Erwachsene ja ebenfalls“, sagt Sarah Erasmi. Die übertragene Botschaft des Lebens nach dem Tod und das Symbol der Hoffnung könnten Kinder noch nicht verstehen. „Aber wie in so vielen Dingen, leisten wir hier die Basisarbeit“, sagt die Erzieherin.

Wenn die Kinder mehr wissen möchten, gehen die Erzieherinnen darauf ein, ansonsten lassen sie die Geschichte im Raum stehen. Mit dem Alter kommen weitere Fragen, gibt es Antworten. „Ich glaube“, ist ein wichtiger Satzanfang für die Erzieherinnen, wenn sie mit den Kindern sprechen. Gerade das Thema Tod erfordere einen sensiblen Umgang.

„Gesundes Mittelmaß“

„Es ist wichtig, die Informationen altersgemäß zu vermitteln“, betonen die Erzieherinnen. So lernen die Vorschüler die Kreuzigung kennen, während die kleineren Kinder nur erfahren, dass Jesus getötet wurde. Ricas Geschichte endet mit der Auferstehung, in der Kita aber geht es weiter. Damit die Kinder die Geschichte von Jesus nicht so deuten, dass Tote einfach wieder zurückkommen, werden auch Christi Himmelfahrt und Pfingsten mit den Kindern besprochen.

Am Gründonnerstag, dem Tag des letzten Abendmahls – aber auch des letzten Kita-Tags vor den Ferien – haben die Kinder Ostern gefeiert. „Dann gehören auch Osternester und die Eiersuche dazu“, erklärt Petra Weiser. „Es ist wichtig ein gesundes Mittelmaß zwischen der weltlichen Feier und ihrem biblischen Hintergrund zu finden.“ Die Kinder sollen den Anlass, aus dem es Geschenke und Süßigkeiten gibt, kennen. Ostern ist eben mehr als ein Hase, der bunte Eier versteckt – auch wenn die Geschichte dahinter ziemlich kompliziert ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert