Osiris Pausch: Ein Alleinunterhalter im Selbstgespräch

Von: Anke Holgersson
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Osiris Pausch auf der Terrasse der Endart Kulturfabrik. Auch hier ist ihm ein Auftritt mal so richtig daneben gegangen. Nachzulesen in einer amüsanten Geschichte seines neuen Buches. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Es ist zu spät, um jung zu sterben“, sagt Osiris Pausch, die One-Man-Punkband aus Düren, und stellt trocken fest, dass er wider seine eigene Erwartung 43 Jahre alt geworden ist.

Diese ironische Selbstbetrachtung und Brechung des alten Rock ’n’ Roll-Mythos‘ vom frühen Tod als Beweis für ein besonders risikoreiches und intensives Leben bestimmt auch den Ton in seinem neuen Buch „Ey, spiel ma verdamp lang her! Ein Alleinunterhalter im Selbstgespräch“. Er hat darin Tagebucheinträge der vergangenen 30 Jahre als Musiker und Musikliebhaber gesammelt.

Grandios danebengegangen

„Ich wollte davon erzählen, dass es zwischen Lady Gaga und einem Straßenmusiker-Dasein noch ziemlich viele andere Arten gibt, als Musiker zu leben“, erklärt Pausch. In fröhlichem Ton beschreibt er in seiner „ausschließlich selbst erlebten“ Anekdotensammlung neben erfolgreichen Auftritten besonders gerne auch solche, die grandios danebengingen. An Orten wie Schützenfestzelten, Omas Partykeller, Motorrad-Messen für rabiate Rocker oder Ü-30-Partystätten. Durch diese Szenerien stolpert Osiris Pausch beziehungsweise sein Musiker-Ego Ossi Guitar. Es begegnen ihm rheinische Frohnaturen, gestresste Veranstalter und viele Musiker mit noch mehr Eigenschaften und Ticks. Sie alle beschreibt der Autor mit der gegebenen Liebe zu seinen Figuren und dem nötigen Abstand zum Erlebten.

Pausch hat ein gutes Gefühl für Sprachrhythmus und Timing. Mit wenigen Worten kann er den Leser in seine Welt „beamen“. Der Titel „Ey, spiel ma verdamp lang her!“ ist zugleich Hommage an ein „tolles Lied von Wolfgang Niedecken“ und auch Zustandsbeschreibung. Jeder Musiker kenne das: Irgendwann würde bei fast jeder Party dieses Lied verlangt. „Das Lied ist so eine Art Glanztaten-Verwalter“ sagt Pausch unter Benutzung einer für ihn so typischen Wort-Neuschöpfung. Er meint damit, dass der Refrain des Liedes für die Party – oder im übertragenen Sinne – für den Teil des Lebens stünde, der bereits abgeschlossen ist. Kein anderes Lied könne diesen melancholischen Blick auf Vergangenes so zu einem Gemeinschaftsgefühl werden lassen.

Mit seinem Buch will Pausch das Gegenteil davon erreichen. Statt in der Vergangenheit zu schwelgen, will er lieber ironisch und gut gelaunt auf das Erlebte zurückblicken und es damit auch für sich selbst entmystifizieren. Platz schaffen für neue Wege. So tritt er heute nicht nur als Musiker in Clubs, Kneipen und Konzertsälen in Europa auf. Er ist nach eigener Aussage auch gelegentlich als Schauspieler in „Billig-TV-Produktionen“ anzutreffen, nimmt an Poetry Slams teil, ist Stand-up Comedian und eben Autor. „Es ist eine Mischkalkulation, die irgendwie klappt“, konstatiert Pausch. Dass er manchmal noch in der Dürener Fußgängerzone Straßenmusik macht, ist für ihn ein Luxus, ein (wie er sagt besonders am Monatsende) willkommenes Taschengeld für etwas, das er sehr gerne mag: Bekannte und Unbekannte treffen und Musik improvisieren.

Das Buch „Ey, spiel ma verdamp lang her! Ein Alleinunterhalter im Selbstgespräch“ ist im Selbstverlag erschienen. Es kann zum Preis von 9,90 Euro über die Homepage von Osiris Pausch bezogen werden: www.osirispausch.com. Demnächst ist die Sammlung von „Einfällen und Ausfällen“ auch als E-Book bei Amazon erhältlich.

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