„Orpheus in der Unterwelt“: Jupiter erzeugt als Fliege ein erotisches Spiel

Von: Georg Neulen
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Jupiter umschwärmt als Fliege Eurydike: Das Operettentheater Salzburg trat im Dürener Haus der Stadt mit dem Stück „Orpheus in der Unterwelt“ auf. Foto: Georg Neulen

Düren. Unter den unterschiedlich anregenden Gastspielen der neuen Saison war die Aufführung des Operettentheaters Salzburg ein Volltreffer. Wie könnte man die Voranzeige für „Orpheus in der Unterwelt“ so würzen, dass mehr potenzielle Besucher angesteckt würden, sich zu einem solch musikalisch und choreographisch spritzigen Angebot bewegen zu lassen?

Zahlreich aber war der Andrang bei der Einführung, zu der die künstlerische Leiterin Monika Rothmaier-Szudy auch einige Schauspieler vorstellte, die anekdotisch erzählten, wie sie das „altmodische“ Genre Operette aufmischen.

Franziska Stammer, die später als Juno neben dem Blitze schleudernden Jupiter ( Josef Krenmaier) agierte, erhielt schon Beifall, als sie vom verjüngten Ensemble ihrer Götterwelt erzählte. In der Tat boten Schauspieler, Sänger und Tänzer vor den tourneetauglich stilisierten Bühnenbildern vielfältig zündende und erheiternde Leistungen. In Kostüm und Maske wetteiferten die attraktiven Göttergestalten mit den teuflischen Tänzerinnen des Ballettensembles Illo Tempore.

Aus den Tiefen des Orchestergrabens dirigierte Christian Pollack seine fast 30 Musiker, ließ den Sängern viel Luft, begeisterte mit Offenbachs schmissigen Zwischenakt-Musiken und der Vorwegnahme des mitreißenden Can-Can.

Denn oben gab es auf drei Weltetagen mächtig Zoff mit Anklängen an die reale Welt der Zuschauer. Der flotte Orpheus (Christian Bauer) war es leid mit Eurydike (Cecilia Berglund), die dessen Geigenspiel hasst und liebeskrank vom Schäfer und Honigzüchter Aristeus schwärmt. Hinter dem verbirgt sich als Gott der Unterwelt Pluto (Eugene Amesmann), der den tödlichen Schlangenbiss inszeniert, um die Geliebte mitzunehmen.

Orpheus darf sich nicht freuen, denn die schillernd medienpräsente Öffentliche Meinung (Monika Medek) verlangt Eurydikes Heimholung. Im Olymp herrscht Spektakel, weil Juno die Eskapaden des verkleidungs-geilen Göttervaters moniert und sogar zu einer Protest-Demo aufruft. Im Eifersuchtsstreit mit Pluto bewirken Merkurs Enthüllungen und Orpheus auf seiner Suche, dass der olympische Hofstaat die Unterwelt heimsucht.

Bei allem hektischen und munteren Treiben gewinnt eine witzig intime Szene, als Jupiter in Gestalt einer Fliege Eurydike umschwirrt und ein heiter erotisches Spiel erzeugt. Jupi spielt dann den Friedensstifter für Orpheus, will aber Eurydike entführen. Er trickst den Sänger mit seinem Blitzstrahl aus, dass der sich gegen die Androhung umdreht und die Gattin verliert. Um die dreht sich alles, man preist sie mehr als Venus und sie bleibt als Bacchantin bei den Göttern. Die Scheinheiligkeit der Mächtigen vergessen alle beim rauschenden Abschiedsfest. Die Unterwelt tanzt feurig ausgelassen und die Tänzer brillieren erneut im Can-Can-Rhythmus.

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