Opfer in Plastikfolie eingewickelt und im Bad gefoltert

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Justizzentrum Aachen Landgericht
Im Bad gefoltert: Ein 26-jähriges Opfer schilderte gestern ruhig und entschieden, wie es zu den gewalttätigen Übergriffen auf ihn gekommen war. Symbolfoto: Marius Becker/dpa

Aachen/Düren. Der 26-jährige Zeuge Tobias R.machte am Mittwoch eine gute Figur vor der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht. Das ist wichtig, weil die Kammer unter Vorsitz von Richterin Melanie Theiner keine einfache Sache zu verhandeln hat.

Es geht um einen Streit unter jungen Erwachsenen, bei dem ein Bagatellbetrag von 90 Euro möglicherweise zu einer Gewalttat eskalierte, wie sie ansonsten nur in tief kriminellen Milieus anzutreffen ist. Die Aussage von Tobias R. am Mittwoch war deswegen so wichtig, weil die Angeklagten im Alter zwischen 22 und 36 Jahren, darunter zwei Frauen, entweder nichts zu den Tatvorwürfen sagten, sie bagatellisierten oder gar gänzlich leugneten.

Das 26-jährige Opfer schilderte am Mittwoch ruhig und entschieden, wie es zu den gewalttätigen Übergriffen auf ihn gekommen war. So habe einer der Angeklagten ihn in einer Privatwohnung in Zellophanfolie eingewickelt und im Badezimmer misshandelt.

Alles habe damit angefangen, dass er einem der Angeklagten in der Tat 90 Euro geschuldet habe, Geld für Drogen, die er in „Kommi“ (also in Kommission) von ihm bekommen hatte. Der nun war sauer und habe ihn mittels eines weiteren Mitangeklagten auf die Straße gelockt. „Der rief an und sagte, komm wir rauchen eine“, berichtete der Zeuge vor der Kammer; das habe man dann auch umgehend getan.

Drohungen und Schläge

Der Vortrag des Zeugen wurde am Mittwochmorgen immer wieder von Verteidigerseite unterbrochen, doch der junge Mann ließ sich nicht beirren. Es sei dann plötzlich „dicke“ gekommen, berichtete R. weiter. So seien unten auf der Straße zwei weitere aus der Riege der Angeklagten erschienen, die ihn unvermittelt schlugen und ihm klar machten, dass er seine Schulden an den 23-jährigen Dealer Julius H. auf der Stelle zu zahlen habe. Die seien im Übrigen von 90 auf 250 Euro angewachsen, quasi Zinsen. Doch er habe das Geld nicht gehabt, bat um Aufschub.

Er sei daraufhin zu einem an einer Ecke wartenden Pkw gebracht worden. Die Fahrerin war eine der Angeklagten. Man habe sich mit in den Wagen gezwängt, während der Angeklagte, der ihn aus dem Haus gelockt habe, nicht mitgefahren sei. Wie sich später herausstellte, habe er die Folie in einem Baumarkt besorgt. Dann fuhr man in die Wohnung eines weiteren Mitangeklagten, in der dann die Folter losging. „Sie haben auf mich eingeredet, haben mir Ohrfeigen versetzt.“ Dann sei der Angeklagte mit der Folie zurückgekommen, man habe ihn eingewickelt.

Als man ihm eine unbekannte Flüssigkeit ins Gesicht habe tropfen lassen wollen, habe er sich weggedreht und einen harten Schlag auf die Nase bekommen, alle hätten sich amüsiert. Danach habe man ihm aufgetragen, Geld bei seinen Eltern zu beschaffen, oder dafür zu sorgen, dass man das Haus ausräumen könne. Als man dort war, kamen die Eltern aber nach Hause, die Sache verlief im Sande und Tobias R. ging mit den Eltern zur Polizei.

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