„Opa war kein Nazi“: Wie familiäre Erinnerungen das Geschichtsbild prägen

Von: gkli
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Dr. Sabine Moller hielt in Simonskall den Vortrag „Opa war kein Nazi“. Foto: gkli

Simonskall. Der Abstand zur NS-Zeit wird immer größer, was bleibt in der Erinnerung haften? Axel Buch, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald (CDU), begrüßte am Freitagabend rund 50 Geschichtsinteressierte zum Vortrag „Opa war kein Nazi“ im Landhotel Kallbach in Simonskall.

Buch, Mitglied der Lenkungsgruppe „Moratorium Hürtgenwald“, sagte: „Es ist ein ganz spannendes Thema, nachzuforschen, was an Erinnerung bleibt, vor allem für uns, die wir den Krieg selber nicht erlebt haben, die wir aber schon viel darüber gehört haben.“

Referentin war Dr. Sabine Moller. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin und war an einem Forschungsprojekt mit Zeitzeugen beteiligt, das sich mit der Weitergabe von Wissen über die NS-Zeit in Familien befasst hat. Mit Harald Welzer und Karoline Tschuggnall verfasste Moller das Buch „Opa war kein Nazi“.

Der emotionale Zugang zum nationalsozialismus geschieht in der Regel über die Familie, erklärte Moller. Dabei werde zwar Wissen weitergegeben, aber die Anteile der eigenen Familie würden verdrängt, mehr und mehr. Daraus entstehe ein schiefes Bild: Nationalsozialismus ohne Nazis, Taten ohne Täter. Die Sozialwissenschaftlerin und Geschichtsdidaktikerin führte diverse Interviews mit Personen unterschiedlichen Alters. Sie suchte eine Antwort auf die Frage „Wie trügerisch sind Erinnerungen?“

„Erinnerungen prägen Generationen und ihre Beziehungen zueinander, Erinnerungen sind aber auch hinfällig und unzuverlässig“, erklärte Moller. Auch verändere jeder Dialog über die Vergangenheit die Erinnerung. Ende der 1990er Jahre interviewte Moller die damals zwölfjährige Simone Seiler. Die Forscherin las umfangreiche Auszüge des Interviews in der Originalsprache der Zwölfjährigen vor.

Das Ergebnis: Die Schülerin besaß eine Menge Wissen in Form von Fakten zur Nazizeit. Die Quellen waren unterschiedlich: Schule, Freunde, Familie. Was die Interviewte wohl nicht wusste: Ihr Großvater war ein aktiver Nazi, ein SS-Mann. Darüber wurde bei der Wissensweitergabe geschwiegen.

Das Moratorium Hürtgenwald soll dafür sorgen, zu klären, dass und wie die Erinnerungslandschaft weiterfortgeführt und gestaltet wird. Träger des Moratoriums ist der Kreis Düren.

Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.huertgenwald.de/de/tourismus-geschichte.

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