Online-Geschäft „macht urbanes Leben ärmer“

Von: Sarah Maria Berners
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Eine Mischung aus „stationärem Einzelhandel“ und dem Vertrieb von Waren auf anderen Kanälen wird weiterhin wichtig sein. Mit dem „Offline-Shopping“ wollen sich die Dürener Händler positionieren. Foto: dpa
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Eine Mischung aus „stationärem Einzelhandel“ und dem Vertrieb von Waren auf anderen Kanälen wird weiterhin wichtig sein. Mit dem „Offline-Shopping“ wollen sich die Dürener Händler positionieren. Foto: dpa

Düren. Der Online-Handel boomt, Aachen und Bad Münstereifel wollen mit großen Einkaufsmeilen weitere Kunden anlocken, Köln und Roermond sind nicht weit entfernt. In diesem Umfeld hat es eine Stadt wie Düren nicht leicht.

 „Düren hat aber eine gute Ausgangsposition, um sich in diesem Wettkampf zu behaupten“, sagt Jörg Hamel. Der Geschäftsführer des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbands Aachen-Düren-Köln geht davon aus, dass Düren sich behaupten wird, während sich der Einzelhandel – ausgenommen ist die Nahversorgung – in kleineren Städten weiter zurückziehen wird.

Wichtig sei, dass die Händler einer Stadt an einem Strang ziehen. Und das machen die Dürener zunehmend. Gemeinsam wollen sie Werbung für Düren als Einkaufsstadt und damit Werbung für den sogenannten „stationären Handel“ machen. Ein Baustein ist das „Offline-Shopping“ am Freitag nach Christi Himmelfahrt. Dann lautet das Motto der Einzelhändler: „Runter vom Sofa, raus in die Stadt.“ Bis 22 Uhr sind die Geschäfte geöffnet.

„Die Menschen können jeden Euro nur einmal ausgeben, unser Ziel ist, dass das Geld in der Stadt bleibt“, sagt Dr. Stephan Thomas vom Schuhhaus Habrichs. Thomas hat in Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass den Kunden gar nicht bewusst ist, welche Auswirkungen das verstärkte Einkaufen im Internet auf den Einzelhandel vor Ort hat. „Wir sind Arbeitgeber und bieten Ausbildungsplätze“, nennt Thomas zwei wichtige Aspekte. Die Gewerbesteuereinnahmen für die Kommune sind ein weiterer.

„Die Kunden haben unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse, der Einzelhandel muss sich dem anpassen“, sagt Jörg Hamel. Umerziehen könne er die Kunden nicht. Schon jetzt würden viele Dürener Händler auf mehreren Wegen Waren vertreiben. Hamel skizziert ein sehr buntes Bild des künftigen Handels. So würde ein großer Online-Handel bereits Niederlassungen unter anderem für die Retouren gründen, ebenso gebe es die Tendenz, dass Menschen im Laden einkaufen, sich die Ware dann aber doch nach Hause liefern lassen.

Im „online-affinen“ Bereich, das bedeutet bei Waren wie Schuhen, Textilien und Elektronik-Artikeln, macht der Handel im Internet in Deutschland zwischen 10 und 20 Prozent aus, mit hohen Steigerungsraten. „Mit dieser Steigerung wird das urbane Leben aber auch ärmer“, gibt Hamel zu bedenken. Weniger Geschäfte würden auch weniger Gastronomie und weniger Angebote und Aktionen in den Städten nach sich ziehen. Der stationäre Einzelhandel müsse daher zeigen, dass er mehr ist als der Austausch von Waren und Geld.

Darauf setzt auch Christa Schepers, Inhaberin eines Bekleidungsgeschäftes: „Die Menschen freuen sich, in Düren beim Einkaufen auch mal ein bisschen plaudern zu können. Sie schätzen die beschauliche Stadt und das Flair des Wochenmarktes.“

„Soziale Komponente“

Weitere Vorteile seien die Beratung, die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, sie anzufassen. „Der stationäre Handel bietet auch ein Erlebnis“, sagt Ulf Minartz, Händler und Vorstandsmitglied der IG City, der auf die „soziale Komponente des Einkaufens“ abzielt.

Jörg Hamel betont in diesem Zusammenhang, dass auch die Rahmenbedingungen in den Städten wichtig seien. Parkplätze und ÖPNV zum Beispiel, aber auch bauliche Akzente. „Mit dem Materplan ist Düren auf einem guten Weg“, sagt Hamel.

„Die Leute sollen die Stadt und den gut aufgestellten Einzelhandel wiederentdecken“, erklärt Daniel Böttke. „Die Menschen müssen frühzeitig erfahren, dass sie alles, was sie dort bekommen, auch in Düren kaufen können.“ Was das anbelangt, hat City-Manager Wilhelm Streb auch die Touristen in der Eifel in den Blick genommen und denkt dabei an Kooperationen, die diese nach Düren locken sollen.

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