Oliver Krischer: Tiefsinnige Aussagen statt platter Slogans

Von: Franz Sistemich
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Oliver Krischer und sein Lieblingsthema: die Energiewende. Die erneuerbaren Energien sind für den grünen Bundestagsabgeordneten die Zukunft: zu 100 Prozent. Foto: Franz Sistemich

Kreis Düren. Oliver Krischer steht vor der Zukunft. Genauer gesagt vor einem Plakat, das die Zukunft symbolisiert. Ein Mädchen lacht fröhlich, hält ein kleines Windrad in der Hand und sagt: „Ich werde mal Energieriese.“ Und es stellt dem Betrachter die Frage: „Und Du?“ Dieses Wahlplakat seiner Partei hat sich der grüne Bundestagsabgeordnete, der am 22. September wiedergewählt werden will, mit Bedacht ausgesucht.

„Das Mädchen und das Windrad, das die erneuerbaren Energien symbolisiert, stellen die Zukunft dar, eine Zukunft, in der wir zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen.“ Atomkraft, Braunkohle, Öl – alles passé. Die erneuerbaren Energien stellen für die Menschen und für die Wirtschaft die Zukunftschance dar – aus ökologischen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen, betont Krischer.

Den Dürener wurmt es deshalb, dass seine Grünen als Verbotspartei attackiert werden. Stichwort Ölheizung: „Wir wollen sie nicht verbieten, wie man uns vorwirft. Wir wollen aber die Menschen auffordern, über andere Heizmöglichkeiten nachzudenken.“ Abgesehen von ökologischen Gründen: „25 Prozent der Kosten für eine Wohnung müssen für Miete und Raumwärme gezahlt werden.“ Da lohne es sich auch aus finanziellen Gründen, auf kostengünstigere Möglichkeiten umzusteigen.

Das Wort „billiger“ nimmt Krischer beim Thema Nahrung ebenfalls in den Mund. Aber das Wort hat hier eine negative Bedeutung. Denn billig könne Fleisch beispielsweise nur sein, wenn es aus Massentierhaltung stammt. Und gegen diese gehen die Grünen an. Mit einer Kuh auf einem Plakat: „Was der Bauer nicht kennt, fress ich nicht“ ist zu lesen. Eben dieser Bauer, sagt Krischer, wisse doch überhaupt nicht mehr, was er seinen Tieren füttert: „Er kann nicht mehr nachvollziehen, woher das Futter kommt.“ Deshalb käme es immer wieder zu Lebensmittelskandalen, deshalb stehe die Kuh auf dem Wahlplakat für das Nein der Grünen zur Massentierhaltung: „Wir setzen uns für eine regionale, umweltverträgliche Landwirtschaft ein. Wir brauchen eine hochwertige und bäuerliche Landwirtschaft und keine, die das Stück Fleisch für 99 Cent liefert.“

Die Wahlplakate der Grünen, betont Krischer, wollen nicht mit platten Slogans den Wähler ansprechen. Sie wollen mit hintergründigen Aussagen zum Nachdenken anregen: „Politik ist eine hochkomplexe Angelegenheit, sie kann nicht mit einfachen Parolen gestaltet werden.“ Auch wenn es auf den ersten Blick einfach aussieht: „Ich sag ‚Hello Kita‘“ heißt es auf einem anderen Plakat. Oder: „Meine Freiheit ist unanzapfbar.“ Oder: „Mensch vor Bank.“ Die Aussagen des 44-Jährigen zu diesen Slogans sind unmissverständlich. Zur „Kita“: „Das Betreuungsgeld muss sofort abgeschafft werden, auch mit diesen Mitteln müssen wir die Anzahl der Plätze in den Kindergärten erhöhen und in die Personalausstattung, in die Qualität des Personals und auch in die Ausstattung investieren.“

Zur „Freiheit“: Als Ausdruck eines „unfassbaren schizophrenen Verfolgungswahns“ sieht Krischer die Sammelwut der Geheimdienste. Bei allem Verständnis für das Bedürfnis nach Sicherheit dürfe nicht jeder unter Verdacht gestellt werden. Krischer: „Nicht die massenhafte Ausspähung hat bisher Anschläge verhindert, sondern die klassische Polizeiarbeit.“

Zur „Bank“: Die Reichen, die von der milliardenschweren Rettung der Banken profitiert haben, sollen eine Vermögenssteuer zahlen, mit deren Milliarden Staatsverschuldung auch abgebaut werden soll. Und schon ist Krischer bei einem anderen „Lieblingsthema“: den hohen Dispozinsen. „Geld mit den armen Menschen zu verdienen, ist nicht gerechtfertigt“, betont der Grüne. Gerechtfertigt sieht er nur Dispozinsen in Höhe von acht oder neun Prozent. Der Mensch gehe halt vor.

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