Merzenich - Ole von Beust liest in Merzenich

Ole von Beust liest in Merzenich

Von: kel
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Von politischen Erfahrungen un
Von politischen Erfahrungen und persönlichen Ansichten berichtete der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust bei einer Lesung aus seinem Buch „Mutproben” in der alten Kirche in Merzenich. Foto: Keldenich

Merzenich. Das Wetter passte sich dem Vortragenden von der Waterkant an: Auch wenn es trocken blieb, war an dem kühlen Juni-Abend ein Anorak das angesagte Kleidungsstück, als der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust in der alten Kirche in Merzenich aus seinem Buch „Mutproben” las.

Im Namen des einladenden Vereins „Merzenich Event” begrüßte dessen Vorsitzender Bernd Ohlemeyer rund 120 Besucher in der historischen Vortragsstätte, und die Gruppe „Acoustic Five” sorgte für den musikalischen Rahmen.

Beust selbst stieg zunächst mit Erinnerungen an seine Jugend ein, berichtete von den Spannungen in seinem Elternhaus, wo deutsch-nationales Gedankengut auf jüdisches Erbgut traf, was auch in der Nachkriegszeit nicht problemlos war. Sich selbst schilderte er als unternehmungslustigen jungen Mann, der zwar Spaß daran hatte, Klassensprecher zu sein, das Amt aber wieder abgab, weil er den von den Lehrern geforderten Vorbild-Funktionen nicht entsprechen wollte.

Spaß an der Politik habe er aber von frühester Jugend an gehabt, auch wenn sich das zunächst in einem eher ausgefallenen Hobby dokumentierte. Er schrieb alle Parteien an und bat sie um Zusendung ihrer Wahlplakate, mit denen er dann sein Zimmer förmlich tapezierte.

Außerdem glänzte er schon früh als Stimmenimitator. Als Nachahmer von Strauß, Kohl und Stoiber habe er sogar später noch zu entspannter Stimmung in politischen Gremien beigetragen, wenn dort die Atmosphäre verkrampfte.

In weiteren Kapiteln seines Vortrags schilderte von Beust in sehr persönlicher Darstellung seine Empfindungen bei der Einführung in sein Amt als Bürgermeister der Millionenstadt, beim großen Krach mit seinem rechtspopulistischen Koalitionspartner Ronald Schill und beim unerwartet deutlichen Erfolg bei der späteren Neuwahl in Hamburg.

In immer wieder eingeschobenen Gesprächsrunden beantwortete er Fragen aus dem Publikum und bekannte beispielsweise, dass er zwar die Grundgedanken seiner Partei, der CDU, seit eh und je für richtig halte, sich aber dennoch bei jeder Wahl neu frage, wen er denn in diesem konkreten Moment wählen solle.

In der Diskussion musste von Beust sich teilweise auch Kritik stellen. So fragte ihn der Dürener Lokalpolitiker Rolf Delhougne, warum von Beust sich wie viele andere führende CDU-Politiker abrupt und vollständig aus der Politik verabschiedet habe und damit den Parteifreunden auf lokaler Ebene die Arbeit erschwert werde.

Dem entgegnete von Beust: „Wer an so hoher Stelle Politik gemacht hat, kann nicht auf kleinerer Flamme weitermachen, sondern nur komplett aussteigen.” Zum Ausklang des Abends ging es dann doch noch in die Wärme: Der Gast signierte seine Bücher im Kuhstall des Heimatmuseums.
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