„Oldtimer sind wahre Sympathieträger”

Von: Axel Keldenich
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Vom Erfahrungsaustausch bis zu
Vom Erfahrungsaustausch bis zum Pflegetipp: Der richtige Ort dafür ist der Oldtimer-Stammtisch des Dürener Foto: Ganser

Kreis Düren. Wenn sich 15 bis 20 Leute regelmäßig an einem Stammtisch treffen und nicht gerade über Fußball sprechen, dann gehören Autos zu den bevorzugten Themen. Und während der eine seinen Opel oder Ford lobt, verteidigen andere vehement ihren Kia, Hyundai oder Mitsubishi.

Nicht so beim Oldtimer-Stammtisch des Dürener Motorsportclubs (DMC). Dort hört man von Glas und Borgward, De Dion Bouton und Panhard oder MG und Triumph. Marken also, die längst nicht mehr existieren, und Autos, die mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben. Die meisten sind sogar noch weitaus älter, viele stammen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Die 30 ist deshalb eine magische Grenze, weil dann auch der Staat mitspielt, und zwar in Form eines so genannten H-Kennzeichens für historische Fahrzeuge. Wer dieses Nummernschild anschrauben darf, der zahlt die Steuer nicht nach dem Hubraum des Motors, braucht keine Abgasuntersuchung mitzumachen und darf ohne Plakette in allen Umweltzonen fahren. Allerdings gibt es das Kennzeichen erst nach einer technischen Untersuchung, bei der der gut erhaltene Originalzustand des Fahrzeugs geprüft wird.

Genau das ist aber für einen echten Liebhaber überhaupt kein Thema, oder andersherum vielmehr das allererste Thema. Auch wenn für viele Sammler der Besitz eines Oldtimers fast wichtiger ist als das Fahrerlebnis, ist es für jeden von ihnen Ehrensache, seinen Wagen zuallererst technisch und optisch instandzusetzen. Das machen die einen in der heimischen Garage, andere schaffen professionelle Voraussetzungen in einer eigenen bestens eingerichteten Werkstatt inklusive Hebebühne und allen notwendigen Spezialwerkzeugen. Eines ist jedoch sicher: All diese automobilen Schätzchen stehen stets in perfekt temperierten Garagen oder Hallen und werden vor allen Witterungsunbilden geschützt. Und vor allem sind sie der ganze Stolz ihrer Besitzer, die sich in drei Gruppen aufteilen: „Schrauber”, „Fahrer” und „Schrauber-und-Fahrer”.

Und wo tauscht der Deutsche lieber Ansichten und Einsichten Wissen und Fragen aus als im Verein unter Gleichgesinnten. Also sind auch die meisten Oldtimer-Fans in Clubs organisiert. Für die Dürener bietet dieses Forum der rund 200 Mitglieder starke DMC, der mit seinem Gründungsjahr 1905 zu den fünf ältesten Automobilclubs in Deutschland zählt. Dort fühlen sie sich neben den Motorsportlern glänzend aufgehoben, weil viele Automobilfreaks sich sowohl für aktuelle wie für historische Modelle begeistern. 55 Leute stark ist die Runde der Oldtimer-Besitzer im DMC, 15 bis 20 von ihnen treffen sich regelmäßig zu einem Stammtisch. Themenmangel herrschte noch nie.

So unterschiedlich die rund 500 Autos der Mitglieder, so vielfältig sind auch die Charaktere der Besitzer. Der eine hat ein Fahrzeug, oft schon seit Jahren im Familienbesitz, andere sammeln Oldtimer. Und da gibt es durchaus mehrere, die 50 und mehr Fahrzeuge besitzen. Einmal im Monat startet die Stammtischrunde zu Ausfahrten ohne Wettkampfcharakter - einfach so, aus Spaß am Fahren. Richtig spannend wird es, wenn beispielsweise beim „Euregio-Classic-Cup” auch einige Aufgaben zu bewältigen sind.

Zu den acht Veranstaltungen laden traditionell sieben Clubs aus Aachen, Düren, Eschweiler, Eupen und Hoefen ein. Während es früher dabei eher touristisch zuging, ist heute auch sportliches Können der Fahrer gefragt, nie jedoch in Form eines Rennens, bei dem es auf Geschwindigkeit ankommt. Vielmehr ist gleichmäßiges Fahren angesagt, also das Erreichen eines Ziels in exakt vorgegebener Zeit. Oder die Fahrer müssen kniffligen Orientierungsaufgaben lösen. Wenn die Dürener wie jedes Jahr zur Ausfahrt am Pfingstmontag einladen, kommen Teilnehmer aus ganz Deutschland, die sich vor allem auf die Strecken in der Eifel und im Hohen Venn freuen.

Pfingstausfahrt

Für die Veranstalter rund um die Vorsitzenden Michael Hess und Markus Schoeller sowie Geschäftsführer Herbert Koep beginnt die Arbeit bereits ein halbes Jahr vor dem Tag X. Vier bis fünf Leute legen dann hunderte Kilometer zurück, ehe die 160 Kilometer lange Strecke feststeht.

Natürlich geht es auch noch exklusiver. Wer Zeit, Lust und das richtige Auto hat, kann wie Eberhard Hess jährlich an der „Silvretta Classic” in Tirol teilnehmen. „Hier kann man sehen, dass die Pflege der Oldtimer auch eine Erhaltung des automobilen Kulturgutes ist”, betont Hess. „Ob bei der Silvretta, der Euregio Classic oder bei jeder noch so kurzen Ausfahrt wird an der Reaktion der Zuschauer klar, dass Oldtimer wahre Sympathieträger sind.” Und noch etwas können sie sein, nämlich eine gute Geldanlage. Der Wert mancher historischer Fahrzeuge ist in den vergangenen fünf bis sechs Jahren um 100 Prozent gestiegen.

Wichtig dabei ist jedoch, dass es eher seltene Modelle sind. Am teuersten und wertvollsten sind fast immer die Coupés und Cabrios. Eines dieser Schmuckstücke ist beispielsweise ein Bugatti Typ 40, Baujahr 1926, der seit über 50 Jahren im Familienbesitz ist, und den der Schwiegervater des heutigen Besitzers eigenhändig wieder aufgebaut hat.

Limousinen gelten da eher als „Aschenputtel”, aber auch das lässt sich nicht verallgemeinern. So ist der offene so genannte „Adenauer-Mercedes”, Baujahr 1960, Sechszylinder-Einspritzer mit drei Liter Hubraum und 160 PS stark, gut und gerne seine 220.000 Euro wert, nicht zuletzt, weil es nur 65 Stück gab.

Bei allen Oldtimern gilt heute: Sie müssen möglichst gut erhalten sein, Polster, Lacke und andere Teile sollten möglichst noch im Original vorhanden seid und noch einen Hauch vom ursprünglichen Duft des Modells verströmen. Natürlich wird Defektes perfekt ersetzt, aber das letzte, was ein Oldtimer-Liebhaber sehen will, ist Schnickschnack.
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