Düren - Ola Onabule gibt am Jazztage-Samstag den Ton an

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Ola Onabule gibt am Jazztage-Samstag den Ton an

Von: Stephan Johnen
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Eine Stimme, gegen die Trübsa
Eine Stimme, gegen die Trübsal keine Chance hat: Ola Onabule war am Samstagabend der Protagonist auf der Bühne vor dem Rathaus. Foto: Johnen

Düren. Es ist beinahe eine Schande, dass die Justiz ihn nicht bekommen hat. Wohl kaum jemand hätte vor Gericht so singen können wie er. Ignoranz und Liebe, Gewalt und Hoffnung, Männer mit großen Pistolen: Ola Onabule kennt sich im Leben aus, das sind seine Themen.

Doch der Mann aus Nigeria ist nie vor Gericht gelandet. Er schmiss sein Jurastudium und griff zum Mikrofon. Er tauschte die schwarze Robe gegen einen fliederfarbenen Anzug. Sehr zur Freude der mehr als 1000 Zuhörer, die sich am Jazztagesamstag vor dem Dürener Rathaus von Onabules Stimme in den Bann schlagen ließen.

Selbst dunkle Wolken am Himmel und eine abgestürzte Quecksilbersäule im Thermometer hatten keine Chance gegen die Liebe und Wärme, die in Onabules sanfter Stimme steckten - auch wenn der Sänger die Schattenseiten des Lebens nicht ausließ. Onabule bewies, dass er auf den britischen Inseln zurecht als bester Soulsänger gefeiert wird. Er bewies auch, dass er nicht nur auf den großen Bühnen eine gute Figur macht: Nach seiner Zugabe verschwand der Künstler nicht von der Bildfläche, er mischte bei der anschließenden Kneipentour noch ordentlich mit, berichtete Rolf Delhougne, der Vorsitzende des Dürener Jazzclubs. Bis in die frühen Morgenstunden sang und klang es in der Stadt, vom kleinen Bistro bis zum Leopold-Hoesch-Museum.

Am Samstagnachmittag gehörte die Bühne noch dem Nachwuchs der Musikszene. Die Band des St.-Angela-Gymnasiums und die Talente des Wirteltorgymnasiums hatten das Los des Jazzclubs für einen Auftritt gezogen. „Da steckt viel Arbeit hinter. Und es ist unser Anliegen, auch dem Nachwuchs ein Forum zu schaffen”, sagte Bernd Ohlemeyer vom Jazzclub. „Niemand spielt hier mal eben seine Stücke runter. Weder Schüler noch Musikprofis.”

Der Sonntag der Jazztage ist ruhiger geworden. Auf der Hauptbühne spielte ab 14 Uhr die Somebody Wrong Blues Band vor einer überschaubaren Menschenmenge, vorher gab es einen Jazzfrühschoppen in der Gastronomie, auch nachher gaben Jazzklänge den Ton an. Die Organisatoren waren zufrieden. „Rundum zufrieden”, bilanzierte Rolf Delhougne.

Nun, einen Minuspunkt gab es bei den 21. Dürener Jazztagen doch. „Wir haben viele Gäste mit der Diskussion um die Sicherheit verunsichert”, meinte der Jazzclub-Vorsitzende. Die Frage, ob das Tor am Freitagabend noch offen stehe oder der Platz bereits überfüllt sei, habe viele Gäste von außerhalb die Reise nach Düren womöglich nicht antreten lassen. „Ich habe allen, die angerufen haben, gesagt: Fahrt los!”, berichtete Delhougne. Die Botschaft ist wohl angekommen.

Der Ausklang des Festivals war zugleich ein Ausrufezeichen: Jazzpianist Monty Alexander und sein Trio gaben sich in der Christuskirche die Ehre. Alexander feierte ein fulminantes Fest der fliegenden Finger. Das Publikum dürfte ihn in bester Erinnerung behalten, doch auch Alexander nimmt ein Stück Düren mit auf die weitere Reise. Am Flughafen ging am Samstag sein Gepäck verloren. Während der Koffer mit unbekanntem Ziel durch Europa flog, ging Monty Alexander in Düren auf Einkaufstour.
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