Oktoberfest als Spiegel der Gesellschaft

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
8007606.jpg
Eine überzeugende Vorstellung bot der Literaturkurs Q1 des Stiftischen Gymnasiums mit „„Kasimir und Karoline“. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Bei des Deutschen liebstem Bierevent, dem Oktoberfest, fallen einem riesige Bierkrüge, waghalsige Fahrgeschäfte und der medienträchtige Fassanstich ein. Doch dieser Jahrmarkt ist – wie alle Märkte seiner Art – auch Sammelplatz von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher sozialer Stellung, wo Spaß und Freude, Nöte und Kümmernisse sich breit machen.

Der Dramatiker Ödön von Horvath beschreibt Szenen von einem Oktoberfest der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. In dem Stück „Kasimir und Karoline“, besetzt mit Simon Thies und Jana Rose, zeichnet der Autor ein Rendezvous mit unterschiedlichen Vorzeichen.

Am Boden zerstört

Während Karoline sich amüsieren möchte, hat ihr Freund Kasimir gerade seinen Arbeitsplatz verloren. Er ist am Boden zerstört, schimpft auf Gott und die Welt und die Superreichen, die gerade in einem Zeppelin über München ihren Champagner schlürfen. Der Kleinkriminelle Franz Merkel (Julian Lenzen), Kasimirs seltsamer Freund, prophezeit, dass Beziehungen nach dem Verlust des Arbeitsplatzes in die Brüche gehen werden. Der Verlauf gibt ihm Recht.

Das Paar versteht sich nicht mehr, Karoline möchte auf die Achterbahn, Kasimir sein Unglück im Bier ersäufen. Ihre Wege trennen sich. Kasimir erlebt im Schlepptau von Franz Merkel Rüpeleien in Bierzelten, bizarre menschliche Figuren, die vorgeführt werden wie seltene Tiere. Immer wieder trifft er Karoline, die sich mittlerweile Eugen Schürzinger (Sven Maletzke) angeschlossen hat.

Hier und da bricht Karoline noch aus und folgt älteren, betuchten Herren, Werner Speer (Stephan Tönnes) und Konrad Rauch (Lars Roß). Eine Versöhnung von Kasimir und Karoline kommt nicht zustande.

Die Fassung Horvaths hat der Literaturkurs Q 1 des Stiftischen Gymnasiums für die heutige Zeit aktualisiert. So kommen Themen wie Finanzkrise und Wirtschaftskrise sowie die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf jedes Individuum aufs Tapet. Welche Wege beschreiten Gemeinschaft, Liebe, Toleranz? Sind sie in einer globalisierten Welt noch zu retten? Die Akteure des Literaturkurses brachten das Stück mit ernstem Hintergrund nicht ganz bierernst auf die Bühne. Es gelang ihnen in hervorragender Weise, die Ernsthaftigkeit immer wieder durch komische Einfälle abzumildern.

In einer präzise artikulierten Sprache, besonders bei Kasimir und Karoline auffällig, die überdeutlich langsam mit Verschleppungspause redeten, verfehlten Mimik und Gestik bei den Menschen im Publikum ihre Ziele nicht. Die musikalische Untermalung, einer Filmmusik nicht unähnlich, hatten Musiklehrer Timo Vaut und Schüler der Oberstufe übernommen. Die Spielleitung oblag Robert Will, unterstützt von Anne Schiffer.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert