Ohne Fakten gibt es keine gute Diskussion

Von: Sandra Kinkel
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Oskar Schulz (17) und Hanna Cappello (13) diskutieren gerne – und vor allen Dingen gut. Die beiden Schüler des Gymnasiums Kreuzau haben den Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“ gewonnen und sich für den Landesentscheid in Oberhausen qualifiziert. Foto: Sandra Kinkel

Kreuzau. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob es sinnvoll ist, in öffentlichen Schwimmbädern mehr Schwimmzeiten für Frauen und Mädchen einzurichten? Oder ob man Betteln in Innenstädten verbieten sollte? Oder ob Schüler lange Gedichte auswendig lernen sollen? Hanna Cappello (13) und Oskar Schulz (17) vom Gymnasium Kreuzau haben sich ziemlich gründlich mit diesen Themen befasst.

Hanna Cappello (13) und Oskar Schulz (17) vom Gymnasium Kreuzau haben sich ziemlich gründlich mit diesen Themen befasst. Der Oberstufenschüler und die Achtklässlerin haben ihre Schule beim Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“ in Erftstadt vertreten –und sich für den Landeswettbewerb Ende März in Oberhausen qualifiziert.

Anja von Hoegen (29), Lehrerin für Deutsch und Sozialwissenschaften, hat das Projekt „Jugend debattiert“ in diesem Jahr am Gymnasium Kreuzau eingeführt. „Ich finde es wichtig, dass Schüler unserer Schule die Gelegenheit bekommen, da mitzumachen.“ Zum einen, ergänzt die Pädagogin, stärke der Wettbewerb die Persönlichkeit der Jugendlichen. Zum anderen würden sie lernen, sich besser auszudrücken und ihre Urteilsbildung zu schärfen.

Im Politikunterricht

Anja von Hoegen hat das Gymnasium Kreuzau bei „Jugend debattiert“ angemeldet, die Schule wurde dem „Regionalverband Köln II“ zugeordnet. „Unser Ziel ist es, das Projekt im Politikunterricht der Sekundarschule I fest zu verankern“, sagt die Lehrerin. Im ersten Jahr habe man aber eine Arbeitsgemeinschaft gegründet und für die Schüler, die mitmachen wollten, zudem ein zweitägiges Seminar angeboten.

Beim ersten Schulwettbewerb haben immer zehn Schülerinnen und Schüler mitgemacht. „Es gab zwei Altersklassen. Fünf Schüler durften zum Regionalwettbewerb“, erzählt Oskar. Zehn Tage vor dem Wettbewerb haben alle Teilnehmer drei Themen bekommen, auf die sie sich vorbereiten mussten.

Hanna erklärt: „Bei mir waren es die Fragen, ob Schüler längere Gedichte auswendig lernen sollen, ob mehr Bußgelder für Verschmutzungen im öffentlichen Raum verhängt werden sollen und ob es im Supermarkt eine Kennzeichnung für Fleisch aus Massentierhaltung geben soll.“ Auf diese Themen habe sie sich vorbereiten müssen, erzählt Hanna. „Ich wusste aber vorher nicht, ob ich dafür oder dagegen sein muss. Das haben wir erst eine halbe Stunde vor der Debatte erfahren.“

Grundsätzlich falle es Oskar leichter, gute Argumente zu finden, wenn er selbst von einer Sache überzeugt sei. „Es ist aber am wichtigsten“, fügt Hanna an, „sich mit Fakten zu versorgen“. Man brauche Studien, Gesetzestexte und Statistiken zu dem Thema, über das man diskutieren müsse. Hanna: „Erstens macht die Diskussion dann viel mehr Spaß. Und zweitens machen Debatten, bei denen Leute einfach irgendetwas behaupten, das sie nicht belegen können, viel weniger Spaß.“

Beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ diskutieren immer vier Jugendliche miteinander. Oskar: „Zwei vertreten die Pro-, zwei die Kontra-Seite.“ Die Diskussionen sind immer nach den gleichen Regeln aufgebaut. Wer anfangen muss, führt zunächst in einer zweiminütigen Rede in das Thema ein. Danach wird zwölf Minuten lang diskutiert, bevor alle Teilnehmer die Gelegenheit bekommen, ein kurzes Resümee zu ziehen.

Oskar erklärt: „Lehrer oder ehemalige Teilnehmer des Wettbewerbs sitzen in der Jury. Sie bewerten die Gesprächs-, Ausdrucks-, Überzeugungs- und Gesprächsfähigkeit.“ Was absolut nicht gehen würde: seinen Diskussionsgegnern ins Wort zu fallen. „Dafür gibt es ganz schlechte Noten“, sagt Oskar.

Anja von Hoegen hofft, dass sich mit Hilfe von „Jugend debattiert“ die Debattenkultur am Gymnasium Kreuzau verbessert. „Die Schüler lernen früh, wie man miteinander diskutiert. Ich glaube, dass das letztendlich auch die Unterrichtsqualität an unserer Schule noch einmal verbessert.“

„Auch gerne lange“

Oskar und Hanna müssen nicht lange überlegen, warum sie gerne diskutieren und sich für den Wettbewerb gemeldet haben. „Ich diskutiere gerne und auch gerne lange“, sagt Oskar schmunzelnd. „Und ich finde es wichtig, dass junge Leute das früh lernen. Ich glaube, dass wir so mehr Interesse zum Beispiel auch an politischen Themen bekommen.“

Und Hanna ergänzt: „Ich weiß gar nicht, ob ich im normalen Alltag besonders viel diskutiere. Aber mir macht es Spaß, mich mit Themen näher zu befassen und mir eine eigene Meinung zu bilden.“

Mächtig stolz

Klar, dass die beiden Schüler mächtig stolz sind, sich für den Landeswettbewerb qualifiziert zu haben. Ob sie sich auch dort Chancen auf den Sieg ausrechnen? Oskar muss lachen. „Als beim Regionalwettbewerb die Schulen vorgestellt worden sind, wurde das Gymnasium Kreuzau vergessen. Wir waren einfach zum ersten Mal dabei, und es gibt andere Schulen, da hat ‚Jugend debattiert‘ einfach eine viel längere Tradition.“

Was Oskar sagen will: Die Kreuzauer Gymnasiasten hatten sich eigentlich schon für den Regionalwettbewerb keine Chancen ausgerechnet. „Wir haben den Wettbewerb einfach auf uns zukommen lassen“, sagt Oskar. „Und genau so werden wir das beim Landeswettbewerb auch machen.“

Mal gucken, mit welchem Erfolg.

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