Offenes Ohr für Menschen auf dem letzten Weg

Von: Kristina Wollseifen
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Zuhören, sprechen oder einfac
Zuhören, sprechen oder einfach nur für den Menschen da sein: Das gehört für Stefanie Schmidt zu ihrem Alltag bei der Sterbebegleitung. Foto: dpa

Lendersdorf. „Ich will anderen Menschen helfen.” Dieser kleine Satz wird von vielen Menschen gesagt, aber noch lange nicht immer von allen in die Tat umgesetzt. Stefanie Schmidt ist da eine besondere Ausnahme: Seit ihrem 16. Lebensjahr arbeitet sie ehrenamtlich im Stationären Hospiz am St.-Augustinus-Krankenhaus in Lendersdorf.

Mittlerweile ist sie 18 Jahre alt und wurde nun für ihren Einsatz von CDU-Politiker Thomas Rachel für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Der bundesweite Preis ehrt freiwillig engagierte Organisationen, Unternehmen und Personen. Diese können sich aber nicht selber bewerben, sondern werden von Bürgern nominiert. Während eine Experten-Jury die Preisträger der einzelnen Kategorien bestimmt, können die Bürger aber auch selbst mitentscheiden.

Sie wählen im Herbst mittels Online-Voting den Gewinner des mit 10.000 Euro ausgezeichneten Publikumspreises aus den 20 Finalisten.

Stefanie Schmidt war ziemlich überrascht, als sie ein Schreiben bekam, das ihr mitteilte, dass sie für die Kategorie „Einzelperson” nominiert sei und dachte zuerst an einen Scherz. „Später war ich aber ziemlich stolz, obwohl ich ja eigentlich nicht ehrenamtlich arbeite, um Aufmerksamkeit zu erregen”, sagt Schmidt.

„Für mich ist es einfach selbstverständlich, meine Hilfe weiterzugeben, denn nicht jeder kann mit Menschen umgehen, die ihren letzten Lebensweg begehen.”

Seit über zwei Jahren arbeitet und hilft sie nun schon im Hospiz. Zu ihren Aufgaben gehörten anfangs die Betreuung des Hospiz-Cafés, danach die des Hör-Cafés und schließlich auch das gemeinsame Backen und das gemeinsame Abendessen, das in regelmäßigen Abständen stattfindet.

Reden und Zuhören stehen bei all diesen Gelegenheiten im Vordergrund. „Manchmal fangen sie an zu reden, und ich höre einfach nur zu”, erklärt Schmidt. „Ich bekomme Erlebnisse des Tages mit, aber auch Geschichten vom Krieg oder aus der Familie.”

Dabei sind es die Kleinigkeiten, die Stefanie Schmidt zeigen, dass ihre Arbeit geschätzt und gebraucht wird. „Die Arbeit macht mir Spaß, und es macht mich glücklich, wenn ich als Dank ein Lächeln von den Gästen zurück bekomme.”

Doch die Arbeit fiel der jungen Frau zu Beginn nicht immer leicht. Besondere Schwierigkeiten bereiteten die Gespräche mit den Hinterbliebenen, die sie am liebsten gemieden hätte. Aber dank der Unterstützung der Sozialarbeiterin Ute Nebel und der anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizes fühlte sie sich bald sicherer.

Auch ein einjähriger Kurs zur Sterbe- und Trauerbegleitung und das damit verbundene Aufeinandertreffen und Diskutieren mit anderen Interessierten halfen ihr, sich ein Stück selber mehr kennenzulernen und mit dem Tod besser umzugehen.

„Trotzdem war es für mich ein harter Schlag, als der erste Gast starb, den ich betreut habe”, erinnert sie sich. „Dann habe ich aber das Positive gesehen. Der Tod hat ihn von den Schmerzen erlöst und sein Warten hatte ein Ende.”

Angefangen hat damals alles mit einem Schulpraktikum bei einem Bestattungsunternehmen. Danach nahm sie ein Ehrenamt im Hospiz an. Während die Eltern gleich stolz auf ihre Tochter waren, reagierten die Freunde erst einmal geschockt. Mittlerweile finden die Freunde Schmidts Arbeit ebenfalls gut, haben aber großen Respekt davor.

„Das Hospiz ist für mich eine kleine Quelle der Ruhe”, verdeutlicht die junge Frau. „Draußen ist alles hektisch, aber hier herrscht eine entspannte und persönlichere Atmosphäre, in der wir in Ruhe reden können und es keine Ablenkung gibt.”

Ihren Berufswunsch für die Zukunft kennt Stefanie Schmidt auch schon ganz genau: Sie will Bestatterin werden. „Ich wollte schon immer etwas Ausgefallenes machen”, erklärt sie.

„Meine Arbeit im Hospiz hat mich in meinem Wunsch, Bestatterin zu werden, bestärkt.” Wie das Interesse für diesen Beruf entstanden ist, weiß sie nicht mehr. Sie weiß aber, dass ihr die Vielseitigkeit gefällt.

Nächste Woche zieht sie nach Bayern um. In Schweinfurt wird sie eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft absolvieren. Auch dort würde sie gerne in einem Hospiz ehrenamtlich arbeiten. „Denn auch wenn man bald stirbt, braucht man Leben”, betont Schmidt.
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