Horm - Oberstleutnant Nikolas Kleffel berichtet über die Situation im Sudan

Oberstleutnant Nikolas Kleffel berichtet über die Situation im Sudan

Von: bel
Letzte Aktualisierung:
sudan-bild
Er hat den Krieg vor Ort hautnah erlebt: Oberstleutnant Nikolas Kleffel beschrieb die Lage im Sudan. Foto: bel

Horm. Eigentlich sollte Oberst Kneflowski vor den Reservisten der Kameradschaft Hürtgenwald in Horm über seinen Einsatz in Afghanistan berichten. Er war jedoch verhindert. Für ihn sprang Oberstleutnant Nikolas Kleffel mit einem Referat über seine Tätigkeit im Sudan ein.

Der Offizier arbeitet beim Landeskommando in Düsseldorf. Von März bis September 2010 gehörte er zum UNO-Hauptquartier in Khartum, wo er 540 UN-Beobachter führte.

Sachlich und kompetent

Betont sachlich und kompetent gab Kleffel vor gut 30 Gästen einen Überblick über die Lage in dem flächenmäßig größten afrikanischen Land. Er erläuterte die Ursachen für die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Norden und dem Süden Sudans.

Im Norden Sudans leben Muslime. Der Broterwerb der Menschen, die oft noch als Nomaden unterwegs sind, ist die Viehhaltung. Der christlich geprägte Süden, lange Zeit versklavt und ausgebeutet, möchte sich dem Norden nicht unterwerfen.

Im Süden lagern große Erdölvorräte, der nahezu einzige Reichtum, auf den die 40 Millionen Menschen, in 570 Ethnien geteilt, zurückgreifen könnten, wenn die notwendige Infrastruktur vorhanden wäre. Der einzige große Hafen, Port Sudan, liegt im Norden. Im Norden ist Wüste, im Süden Regenwald. So sind die Konflikte programmiert.

Sudan wurde 1956 unabhängig. Von 1962 bis 1972 kam es zum Bürgerkrieg, ab 2001 zu Friedensgesprächen. Die Bevölkerung des Südens stimmte vor nicht langer Zeit für eine Abtrennung vom Norden. Die Streitkräfte werden unter der Aufsicht von UN-Soldaten aus den afrikanischen Nachbarländern und aus Asien zurückverlegt. Sie haben unter dem UN-Oberkommando in Khartum, in deren Führungsriege auch europäische Offizier wirken, die Aufgabe, das letzte Waffenstillstandsabkommen zu überwachen.

„Der Sudan ist leider immer noch ein Tummelplatz für Armeen aus Kindersoldaten der Nachbarländer”, sagte Nikolas Kleffel.

Versprengte Gruppen hätten ein Banditendasein aufgenommen. „Die Rahmenbedingungen, um ein geordnetes Miteinander zu schaffen”, sagte Niklas Kleffel, „müssen noch geschaffen werden.” Der Schritt zu einer Demokratisierung werde noch mühsam sein.

Nach der Ausrufung des neuen Südstaates erwartet Nikolas Kleffel unruhige Zeiten wegen noch ungelöster Probleme. Wie kommen die Nomadenherden an das Wasser im Süden? Wie wird der Norden an dem Ölreichtum im Süden teilhaben können? Geben die Rebellen ihre Waffen ab? Wie werden die Minderheiten geschützt?

Anfang Juli sollen die UN-Truppen aus dem nördlichen Sudan raus. „Die UNO wird noch viele Jahre im Sudan bleiben müssen”, prophezeite Kleffel.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert